Moviebase Bone Tomahawk

Bone Tomahawk
Bone Tomahawk

Bewertung: 55%

Userbewertung: 56%
bei 82 Stimmen

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Originaltitel: Bone Tomahawk
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 21.01.2016
DVD/Blu-Ray Verleih: 21.01.2016
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 132 Minuten
Studio: Caliber Media, Constantin Film
Produktionsjahr: 2015
Regie: S. Craig Zahler
Drehbuch: S. Craig Zahler
Darsteller: Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox, Lili Simmons, David Arquette

S. Craig Zahlers Regiedebüt „Bone Tomahawk“ ist schon deshalb einen Blick wert, weil es Western und Horror vermischt. Zwei Genres, die sonst nicht oft zusammenfinden, obwohl beide in besonderem Maße die Angst vor dem Unbekannten thematisieren. Angefeuert wurde die große Erwartungshaltung auch durch die prominente Besetzung und die recht positiven Stimmen der US-Kritiker, die Zahler ein reizvolles Spiel mit Codes und Konventionen bescheinigten. Ganz falsch liegen die Kollegen damit sicher nicht, ein rundum überzeugender Film sieht allerdings schon ein wenig anders aus. Bis zum schockierenden dritten Akt dümpelt das Geschehen zu oft vor sich hin, auch wenn komische Einschübe mehrmals für Auflockerung sorgen.

Das texanisch-mexikanische Grenzgebiet im 19. Jahrhundert: Als die Straßenräuber Buddy (Sid Haig) und Purvis (David Arquette) eine Grabstätte entweihen, wird Ersterer getötet. Sein Begleiter hingegen kann die Flucht ergreifen und kommt einige Tage später im verschlafenen Bright Hope an, wo Sheriff Hunt (markant: Kurt Russell) umgehend auf den Landstreicher aufmerksam wird. Als Purvis Reißaus nehmen will, macht der Gesetzeshüter von seiner Waffe Gebrauch und lässt ihn ins Gefängnis bringen. Um die Verletzung des Häftlings soll sich Samantha O’Dwyer (Lili Simmons) kümmern, die dem Arzt des Ortes regelmäßig unter die Arme greift. Große Aufregung bricht am nächsten Morgen aus, da die junge Frau, Deputy Nick und Purvis plötzlich verschwunden sind. Ein Pfeil legt die Vermutung nahe, dass sie von kannibalischen Höhlenbewohnern, den sogenannten Troglodyten, verschleppt wurden, weshalb Sheriff Hunt nicht lange untätig bleibt. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Chicory (Richard Jenkins), Samanthas Ehemann Arthur (Patrick Wilson) und dem eitlen Revolverhelden Brooder (Matthew Fox) bricht er auf, um die Entführten zu retten.

Handlungstechnisch sollte man keine großen Kunststücke erwarten, da Zahler, der auch das Drehbuch verfasste, mit der Befreiungsexpedition ein altbekanntes Westernmotiv bedient. Ungewöhnlich ist allerdings, wie viel Zeit er aufwendet, um in die Geschichte und das Milieu einzuführen. Ohne Hektik nähert sich der Regiedebütant dem Kosmos der Kleinstadt Bright Hope, deren Name einem bösen Witz gleichkommt. Immerhin geht die Hoffnung auf der Reise durch das ausgeblichen-staubige Wüstenland zunehmend verloren. Das Quartett, das Zahler ins Ungewisse schickt, setzt sich aus archetypischen Figuren zusammen, sorgt aber dennoch für eine gewisse Dynamik. Arthur und Brooder verbindet eine handfeste Abneigung, die mehrfach hitzige Diskussionen heraufbeschwört. Der verwirrte Chicory ist im Grunde mehr Hindernis als echte Hilfe. Und Sheriff Hunt nimmt den Part des umsichtigen Anführers ein.

Ein merkwürdiger Haufen, der nur mühsam vorankommt, da Arthur ein gebrochenes Bein hat und unerwartete Rückschläge nicht lange auf sich warten lassen. Insgesamt hält sich „Bone Tomahawk“ im Mittelteil allerdings mit aufsehenerregenden Ereignissen zurück. Nicht selten hat es den Anschein, als wolle Zahler die Strapazen, denen die Protagonisten ausgeliefert sind, direkt auf den Zuschauer übertragen – was Ermüdungserscheinungen zur Folge hat. Auch, weil die Dialoge zuweilen in Belanglosigkeiten abdriften. Als wohltuende Belebung erweist sich der alte Chicory, der in Richard Jenkins‘ umwerfend-kauziger Darbietung immer wieder amüsante Akzente setzen kann. Reizvoll sind außerdem die Momente, in denen der Regisseur bewusst mit den Genrevorstellungen jongliert. Etwa dann, wenn der rassistische Brooder zwei unbewaffnete Mexikaner erschießt, da er sie für skrupellose Diebe hält. Eine deutliche Abwandlung der üblichen Muster nimmt der Film am Beispiel der Frauenfigur vor, die zwar entführt wird, aber nicht allein auf die Opferrolle festgelegt ist. Vielmehr greift Samantha als medizinische Fachkraft am Anfang aktiv in das Geschehen ein.

Horrorfreunde müssen ordentlich Geduld mitbringen, bis auch sie auf ihre Kosten kommen. Hat der Rettungstrupp allerdings einmal das Gebiet der Troglodyten erreicht, scheut Zahler nicht vor brachialen Splatter-Ausflügen zurück. Spätestens hier lösen sich die Gewissheiten klassischer Westernerzählungen auf. Was bleibt, ist pures Grauen angesichts des destruktiv-brutalen Vorgehens der staubbedeckten Höhlenmenschen, die – das erfahren wir bereits im ersten Drittel – nicht mit Indianern zu verwechseln sind. Zweischneidig ist die Darstellung der Troglodyten aber schon, da sie trotz dämonischer Überzeichnung optisch an Ureinwohner erinnern.

>> von Christopher Diekhaus

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