Moviebase Green Room

Green Room
Green Room

Bewertung: 75%

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Originaltitel: Green Room
Kinostart: 02.06.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: 07.10.2016
DVD/Blu-Ray Verleih: 07.10.2016
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Broad Green Pictures, Film Science
Produktionsjahr: 2015
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
Darsteller: Patrick Stewart, Imogen Poots, Anton Yelchin, Alia Shawkat

Manchmal reicht schon das Drehen an kleinen Stellschrauben, um ein vermeintlich ausgelutschtes Szenario mit neuem Leben zu füllen. Den Beweis für diese These erbringt der genrebegeisterte Filmemacher Jeremy Saulnier, dem 2013 mit seinem unkonventionellen Rachethriller „Blue Ruin“ ein Achtungserfolg gelang. 2015 legte der junge Regisseur und Drehbuchautor mit dem in Cannes uraufgeführten Backwood-Schocker „Green Room“ nach, der grenzdebile Teenager gegen abgebrannte Punkrocker und degenerierte Kannibalen gegen skrupellose Neonazis eintauscht. Eine kleine, aber feine Abwandlung üblicher Muster, mit denen der blutige und nervenzehrende Terrorfilm recht geschickt jongliert.

Nachdem ihnen ein geplanter Gig durch die Lappen gegangen ist, stranden die Musiker der Punkband „The Ain’t Rights“ in der Pampa Oregons und lassen sich allen Ernstes zu einem Auftritt in einer Nazi-Kneipe breitschlagen. In einer aufgeheizten Atmosphäre legen Pat (Anton Yelchin) und seine Freunde eine schwungvolle Performance hin und provozieren die anwesenden Skinheads gleich zu Anfang mit einer Cover-Version von Dead Kennedys „Nazi Punks Fuck Off“. Trotz lautstarker Unmutsäußerungen bringt die Truppe ihre Darbietung unfallfrei hinter sich und will im Anschluss umgehend mit ihrer Gage weiterziehen. Als Pat allerdings das Handy holt, das seine Kollegin Sam (Alia Shawkat) im titelgebenden Backstage-Raum vergessen hat, wird er Zeuge eines Mordes, der die Club-Verantwortlichen in helle Aufregung versetzt. Die Band wird im green room eingeschlossen und soll neben der Leiche die Ankunft der Polizei und des Lokalbesitzers Darcy Banker (Patrick Stewart) abwarten. Dem Nazi-Chef liegt allerdings wenig daran, das Verbrechen aufzuklären. Stattdessen trommelt er seine Handlanger zusammen, um alle Spuren zu beseitigen.

Die chaotische Road-Movie-Stimmung der ersten Szenen weicht schnell einer großen Verunsicherung, die sich von den Protagonisten direkt auf den Zuschauer überträgt. Eingesperrt im Hinterzimmer, bewacht von einem bewaffneten Hünen, inmitten einer feindlichen Umgebung, harren Pat und seine Mitstreiter der Dinge aus, die da kommen mögen, und ahnen recht bald, dass es für sie kein Entrinnen gibt. Nicht nur in diesen Momenten demonstriert Saulnier sein schon in „Blue Ruin“ offensichtliches Gespür für eine glaubwürdige Figurenzeichnung. Zunächst sind die Musiker, wie wohl jeder normale Mensch in ihrer Lage, heillos überfordert und finden nur langsam Mittel und Wege, mit ihrem Dilemma umzugehen. Schreiten sie schließlich doch zur Tat, wirkt ihr Vorgehen nicht gerade versiert oder sonderlich durchdacht – was den verzweifelten Überlebenskampf umso beklemmender erscheinen lässt.

Aus einem beunruhigenden Kammerspiel in der Tradition von John Carpenters Belagerungsfilm „Assault – Anschlag bei Nacht“ entwickelt sich mit der Zeit eine blutig-brutale Auseinandersetzung, die auch über das düster-verwinkelte Club-Setting Spannung generiert. Handwerklich gut gemachte Splatter-Effekte kommen wiederholt zum Einsatz und dürften bei sensiblen Zuschauern ein starkes Unwohlsein hervorrufen. Mit seinen Hauptfiguren geht Saulnier alles andere als zimperlich um und orientiert sich an der für den Backwood-Slasher typischen Body-Count-Dramaturgie, die bis ins hypnotisch-entrückte Finale gnadenlos zur Anwendung kommt.

Als eine große Stärke des gelegentlich schwarzhumorigen Survial-Schockers erweist sich die ungewöhnliche Besetzung der Barbesitzers mit „Stark Trek“-Veteran Patrick Stewart, dessen eher beherrschtes Auftreten vor dem Hintergrund der drastischen Gewalteskalation umso furchteinflößender wirkt. Darcy ist kein stumpfsinniger Klischee-Nazi, sondern ein kühl-kalkulierender Pragmatiker, der seinen Untergebenen von Anfang an präzise-gestochene Anweisungen erteilt. Obwohl „Green Room“ im Vergleich mit „Blue Ruin“ ein Stück weit konventioneller ausfällt, ist unverkennbar, dass Saulnier das dreckig-düstere US-Genrekino mit seiner stilsicher-kompromisslosen Herangehensweise enorm bereichert. Bitte mehr davon!

>> von Christopher Diekhaus

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