Moviebase Blade Runner 2049

Blade Runner 2049
Blade Runner 2049

Bewertung: 80%

Userbewertung: 90%
bei 202 Stimmen

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Originaltitel: Blade Runner 2
Kinostart: 05.10.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: - Minuten
Studio: Alcon Entertainment, Scott Free Productions, Thunderbird Films
Produktionsjahr: 2017
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Hampton Fancher , Michael Green
Darsteller: Ana de Armas, Robin Wright, Ryan Gosling, Dave Bautista, Harrison Ford, Mackenzie Davis, Barkhad Abdi, Carla Juri, Sylvia Hoeks, David Dastmalchian, Hiam Abbass

Es gibt leichtere Aufgaben, als einen Kultfilm fortzusetzen. Denis Villeneuve („Enemy“) hat die Herausforderung trotzdem angenommen. 35 Jahre nach Erscheinen des auf einem Roman von Philip K. Dick basierenden Science-Fiction-Noirs „Blade Runner“, der erst mit einiger Verzögerung zum Genre-Meilenstein avancierte, bringt der frankokanadische Regisseur ein Sequel in die Kinos, das den Faden des visuell bahnbrechenden Vorgängers aufgreift und weiterspinnt, als eigenständiger Zukunftsthriller aber ebenfalls bestens funktioniert. Bereits 2016 stellte Villeneuve mit seinem Alien-Drama „Arrival“ unter Beweis, dass er originelle Scifi-Unterhaltung abseits des gängigen Blockbuster-Treibens inszenieren kann. „Blade Runner 2049“ bestätigt nun endgültig den Eindruck, dass wir es hier mit einem echten Filmkünstler zu tun haben, der seinen Stilwillen selbst im häufig stromlinienförmigen Hollywood-System bewahrt.

Seine Entschlossenheit spiegelt sich in einer eindringlichen Bitte wider, die Villeneuve vor Beginn der Pressevorführungen mittels einer Texttafel an alle Journalisten richtete: Details zur Handlung sollten in Kritiken unbedingt zurückgehalten werden, um ein möglichst unvoreingenommenes Filmerlebnis zu garantieren. Ein Wunsch, dem allerdings nicht ganz entsprochen werden kann, da eine Rezension ohne Bezug zu inhaltlichen Aspekten schnell in abstraktes Geschwurbel ausarten würde. Wichtige Wendungen und Enthüllungen werden im Folgenden nicht verraten. Einige allgemeine Hinweise zum Plot beschneiden die Wirkung der Klassikerfortsetzung aber nicht, zumal das neue Science-Fiction-Epos – ähnlich wie der erste Teil – besonders von seiner Stimmung und seinen atemberaubenden Impressionen lebt.

Auch im Jahr 2049, drei Dekaden nach den Ereignissen des Originals, hat sich das Leben auf der Erde nicht verbessert. Los Angeles ist nach wie vor ein unübersichtlicher, düsterer Wimmel-Ort, der von gleichförmigen Hochhausschluchten und überdimensionalen Werbeflächen dominiert wird. Überall lockt der Konsum, vor allem in digitaler Form. Und doch erscheint die dauerverregnete, manchmal sogar von Schneefall heimgesuchte Metropole erschreckend feindlich. Inmitten der Tristesse jagt der LAPD-Agent K (Ryan Gosling, „Only God Forgives“) nach alten Replikanten-Modellen, die längst ausgeschaltet sein sollten, sich einst aber der Vernichtung entziehen konnten. Als der Polizist, ein sogenannter Blade Runner, einen der künstlichen Menschen auf einer abgelegenen Farm aufspürt und tötet, macht er eine Entdeckung, die seine Vorgesetzte Lieutenant Joshi (Robin Wright, „Wonder Woman“) in höchstem Maße beunruhigt. K begibt sich nur wenig später auf eine gefährliche Mission, die ihn auch auf die Spur des ehemaligen Blade Runners Rick Deckard (Harrison Ford, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) führt, der vor 30 Jahren spurlos verschwand. Parallel interessieren sich der blinde Geschäftsmann Niander Wallace (Jared Leto, „Suicide Squad“) und seine Mitarbeiterin Luv (bedrohlich: Sylvia Hoeks, „Berlin Station“) brennend für das Geheimnis, das K ans Tageslicht gezerrt hat.

Gemeinsam mit den Drehbuchautoren Hampton Fancher, der schon am Skript zu Ridley Scotts Ursprungswerk beteiligt war, und Michael Green („Logan – The Wolverine“) entrollt Villeneuve in der Fortsetzung einen Detektivplot, der einige Überraschungen bereithält und zunehmend tragischer anmutet. K tritt durch seine Ermittlungen eine existenzielle Reise an, die gewichtige Fragen umkreist: Was macht einen Menschen aus? Wie formen Erinnerungen die Identität? Und welche Träume und Sehnsüchte haben Replikanten? „Blade Runner 2049“ führt den philosophischen Diskurs des Erstlings fort und provoziert den Zuschauer mit seinen reizvollen Gedankenspielen immer wieder, das Gesehene zu reflektieren.

Passend dazu ist das Erzähltempo bedächtig, in manchen Momenten geradezu meditativ. Hastig aneinandergeklatschte Wendungen und Actionszenen sucht man vergeblich. Stattdessen braut der Regisseur eine hypnotisch-melancholische Atmosphäre zusammen, die von einem Sounddesign verstärkt wird, das zwischen wuchtig-dröhnenden und schwermütig-traurigen Klängen changiert. Wiederholt verlässt das Drehbuch den Hauptstrang, um die eigenwillige Beziehung zwischen K und seiner virtuellen Partnerin Joi (Ana de Armas, „Knock Knock“) genauer zu ergründen, bei der es sich um eine als Hologramm in Erscheinung tretende Unterhaltungssoftware handelt. Besonders hier – etwa während einer Sexszene – trumpft der Film mit staunenswerten Digitaleffekten auf. Seine grandiose Optik schließt einerseits, wie im Fall des finsteren Stadtbildes von Los Angeles, direkt an Ridley Scotts Darstellungen an, setzt andererseits aber auch starke eigene Akzente. Haften bleibt insbesondere die schummrige Zentrale des sinisteren Gegenspielers Wallace und der Anblick der in gelblich-orangen Nebel gehüllten Überreste von Las Vegas. Atemberaubende Ansichten, in denen man glatt versinken möchte. Nicht nur an dieser Stelle wird die große Kunstfertigkeit von Kameralegende Roger Deakins offenkundig, dem nach 13 erfolglosen Nominierungen endlich ein Oscar-Triumph zu wünschen wäre.

Bei aller Freude über die Abkehr von üblichen Krawallmustern drängt sich der Eindruck auf, dass die Entschleunigung, das Schwelgen in flirrenden Stimmungen gelegentlich die Grenze zur Selbstverliebtheit streift. Kritisieren kann man auch, dass der Film seine emotionale Kraft nicht bis zum letzten Körnchen ausschöpft und erst gegen Ende eine spannende zusätzliche Ebene aufzieht. Trotz dieser Schönheitsfehler darf man Villeneuve zu einem Science-Fiction-Beitrag gratulieren, der Scotts Kultfilm – ohne Wenn und Aber – alle Ehre macht.

>> von Christopher Diekhaus

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