Moviebase Elizabeth Harvest

Elizabeth Harvest
Elizabeth Harvest

Bewertung: 55%

Userbewertung: 54%
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Originaltitel: Elizabeth Harvest
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 25.01.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 25.01.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 105 Minuten
Studio: Automatik, Motion Picture Capital, Voltage Pictures
Produktionsjahr: 2018
Regie: Sebastian Gutierrez
Drehbuch: Sebastian Gutierrez
Darsteller: Abbey Lee, Carla Gugino, Dylan Baker, Ciaran Hinds, Matthew Beard

Ein gigantisches, protziges Haus, ein genialer Wissenschaftler, dessen attraktive Gattin, ein finsteres Geheimnis und einige wahrlich betörende Bilder. Mit seinem Mystery-Thriller „Elizabeth Harvest“ hätte der venezolanische Filmemacher Sebastian Gutierrez, der unter anderem die Drehbücher zu „Gothika“ und „The Eye“ verfasste, eine kleine Genre-Perle kreieren können. Nach einem schaurig-wendungsreichen Einstieg kommt er allerdings mit einer eher uninspirierten zweiten Hälfte um die Ecke, die die aufgeworfenen Fragen zur menschlichen Identität und zur Beziehung der Geschlechter leider nicht ausschöpfend in den Blick nimmt. Cleverer und spannender wurde ein ähnlicher Diskurs in Alex Garlands Science-Fiction-Kammerspiel „Ex Machina“ geführt, das im April 2015 in die deutschen Kinos kam.

Nach ihrer Hochzeit mit dem angesehenen und vermögenden Mediziner Henry (Ciarán Hinds, „The Terror“) zieht die junge Elizabeth (Abbey Lee, „The Neon Demon“) auf sein prachtvolles, in den Bergen gelegenes Anwesen und kommt nur langsam aus dem Staunen heraus. Henry stellt seiner neuen Frau die Bediensteten Claire (Carla Gugino, „Spuk in Hill House“) und Oliver (Matthew Beard, „The Riot Club“) vor und präsentiert ihr stolz die ausladenden Zimmer seiner Villa. Alles gehöre nun auch ihr. Strikt verboten sei jedoch der Zutritt zu einem besonderen Kellerraum. Als ihr Ehemann eines Tages auf Reisen geht, öffnet Elizabeth, von Neugier getrieben, schließlich die ominöse Tür und macht dahinter eine schreckliche Entdeckung.

Für seine neue Regiearbeit ließ sich Gutierrez vom französischen Schriftsteller und Märchensammler Charles Perrault inspirieren (welches Werk als Quelle diente, wird aus Spoiler-Gründen nicht erwähnt, ist aber hier zu erfahren) und serviert dem Zuschauer eine von Anfang an diffus unbehagliche Schauergeschichte mit feministischem Anstrich. Elizabeths Ankunft im luxuriösen Haus ihres Gatten mutet an wie die Einkehr einer Prinzessin in ihr neues Schloss, das sich allerdings als goldener Käfig entpuppt. Der von Ciarán Hinds zwielichtig verkörperte Henry möchte seiner Liebsten jeden Wunsch erfüllen, legt aber ein widerlich gönnerhaftes, arrogantes Verhalten an den Tag und untermauert immer wieder subtil die Machtverhältnisse. Seinem Wissen, das Elizabeth offen bewundert, ist die etwas naiv und unbedarft auftretende Ehefrau nicht gewachsen.

Schon im ersten Drittel lässt Gutierrez seine Protagonistin gegen das von ihrem Mann ausgesprochene Verbot verstoßen und setzt damit eine kleine Twist-Spirale in Gang, die zumindest passables Verstörungspotenzial besitzt. Die angestoßene Identitätsdebatte und die Diskussion um destruktive männliche Obsessionen sind durchaus reizvoll, entfalten allerdings nur wenig Wucht und emotionale Ausdruckskraft. Schuld daran ist nicht so sehr das bedächtige Erzähltempo, sondern die eher banale Art und Weise, wie der Regisseur weitere Offenbarungen und Erklärungen enthüllt. Permanent wechselt der Film von nun an in den Vortragsmodus und visualisiert die Tagebucheinträge einer der auftretenden Figuren, während eher öde Voice-over-Kommentare das Gezeigte begleiten. Die Anspannung, die weiterhin in Henrys Prachtbau vorherrscht, wird durch die wortreichen Einschübe regelmäßig abgewürgt und ist erst zum Ende hin wieder stärker spürbar.

Abmildern kann Gutierrez den Ärger über die zäh konstruierte zweite Hälfte mit einer zuweilen gruselig-schönen Optik. Das imposante, mit viel Glas ausgestattete Anwesen in den Bergen ist ein echter Hingucker und strahlt dank seiner verschlungenen Architektur stets etwas Unheimliches aus. Dass man sich manchmal in einem Fiebertraum oder einem Märchen wähnt, liegt am markanten, surrealen Farbeinsatz, der sicher nicht von ungefähr an die bizarren Visionen des italienischen Horrormeisters Dario Argento denken lässt. Atmosphärisch macht der elegant bebilderte Mystery-Thriller keine schlechte Figur, kann diesen Trumpf aber nur bedingt ausspielen, da Gutierrez seine eigentlich herrlich abgründige Geschichte nicht entschlossen genug ausleuchtet und mit zunehmender Dauer immer ermüdender aufbereitet.

>> von Christopher Diekhaus

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