Moviebase Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn
Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

Bewertung: 60%

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Originaltitel: Birds of Prey (And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)
Kinostart: 06.02.2020
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Clubhouse Pictures (II), DC Entertainment, Kroll & Co. Entertainment
Produktionsjahr: 2020
Regie: Cathy Yan
Drehbuch: Chuck Dixon, Jordan B. Gorfinkel
Darsteller: Margot Robbie, Ewan McGregor, Mary Elizabeth Winstead, Chris Messina, Ali Wong, Rosie Perez, Steven Williams, Dominic Pace

Bei den Kritikern als Rohrkrepierer verschrien, an den Kinokassen aber ungemein erfolgreich: Fast 750 Millionen Dollar spielte das DC-Antiheldentreffen „Suicide Squad“ 2016 ein und dürfte den Produzenten trotz der mauen Rezensionen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Eine prominente Rolle in der Comic-Verfilmung erhielt die Joker-Gespielin Harley Quinn, die als schillerndster Charakter aus einem eher schwach gezeichneten Figurenensemble herausstechen konnte. Ihre toxische Beziehung zum Superschurken Joker besaß Verstörungspotenzial, und vom rabiat-durchgeknallten Auftreten der Ex-Psychiaterin strömte eine irritierend-faszinierende Energie aus. Mit dem Spin-off „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ bekommt das Anarcho-Girl nun einen eigenen Film spendiert, der den verkorksten „Suicide Squad“ locker in die Tasche steckt, seine Unzulänglichkeiten aber nicht genug kaschiert, um wirklich zu überzeugen.

Das Ende ihrer Liaison mit dem Joker ist für Harley (Margot Robbie, „Once Upon a Time in… Hollywood“) ein echter Schock. Wie sie in einer animierten Einstiegssequenz, die ihren Werdegang umreißt, betont, hatte der grinsende Verbrecher irgendwann keine Lust mehr auf seine Geliebte und setzt sie einfach vor die Tür. Nach einer exzessiven Phase der Frustbewältigung beschließt die junge Frau, neu durchzustarten. Um einen finalen Schlussstrich unter ihre dysfunktionale Partnerschaft zu ziehen, lässt sie einen symbolischen Ort mit einem großen Knall in die Luft gehen. Die Explosion sorgt für helle Aufregung und weckt das Interesse der Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez, „The Dead Don’t Die“), die dem sadistischen Nachtclubbesitzer Roman Sionis (Ewan McGregor, „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“) das Handwerk legen will.

Eben diesen Gangster verärgert Quinn mit ihren rücksichtslosen Eskapaden und kann ihre qualvolle Ermordung gerade rechtzeitig für einige Stunden hinauszögern, indem sie verspricht, Sionis zu helfen. Roman wurde nämlich von der Taschendiebin Cassandra Cain (Leinwandnewcomerin Ella Jay Basco) ein Diamant gestohlen, den er dringend benötigt, um die Macht in Gotham City an sich zu reißen. Die mit einem Kopfgeld garnierte Suche nach der Teenie-Gaunerin ruft neben zahlreichen Kriminellen auch Sionis‘ gesangsstarke Fahrerin Dinah Lance (Jurnee Smollett-Bell, „True Blood“) und die geheimnisvolle Armbrustkillerin Helena Bertinelli (Mary Elizabeth Winstead, „10 Cloverfield Lane“) auf den Plan.

Wer die Filme über den aus dem Marvel-Kosmos stammenden Sprücheklopfer Deadpool kennt, wird in „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ so manche Parallele finden. Auch hier wendet sich die Titelheldin als Erzählerin ständig augenzwinkernd an den Zuschauer und wirft Meta-Kommentare in den Raum. Gelegentlich dreht sie die Handlung zurück, um den Kontext einzelner Ereignisse zu erläutern. Und mehr als einmal lässt sie sich über dramaturgische Konventionen aus. Die von Cathy Yan inszenierte und von Christina Hodson („Shut In“) geschriebene Comic-Adaption will, passend zu ihrer sprunghaften, übergeschnappten Protagonistin, wild und frech sein. Hier und da sind die schrillen, ironischen Einlagen aber auch etwas ermüdend. Permanent tauchen wütende, aggressive Typen auf, die sich an Harley rächen wollen, weil die frühere Joker-Braut ihnen irgendwann Schaden zugefügt hat. Der Running Gag mag anfangs amüsant sein, nutzt sich mit der Zeit jedoch immer stärker ab.

Die gewollt chaotische, achronologische Struktur der Geschichte spiegelt das Wesen der Hauptfigur, täuscht allerdings nicht über die inhaltliche Leere hinweg. „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ ist eine krawallige Jahrmarktveranstaltung mit einer notdürftig als Plot zusammengefummelten Ereigniskette. Raum für charakterliche Akzente gibt es nur selten. Besondere Eigenschaften werden im Vorbeigehen etabliert. Haltungen ändern sich zum Teil abrupt. Und die Zusammenführung der Handlungsträgerinnen wirkt doch arg beliebig.

Kraft und Dynamik entwickelt der von reichlich Frauenpower angetriebene und mit schmissigen Songs unterlegte Film zum einen aus den schnittigen Darbietungen. Neben der lustvoll freidrehenden Margot Robbie, die dem Geschehen auch als Produzentin ihren Stempel aufdrücken konnte, sorgen ihre weiblichen Co-Stars und Ewan McGregor in einem betont affektierten, unberechenbaren Schurkenauftritt für einprägsame Momente. Ein Lob gebührt ferner der Regisseurin, die das Interesse mit einigen knackigen, spektakulär verrückten Actioneinlagen bindet. Wenn Harley etwa mit einer Konfetti-Kanone eine Polizeistation aufmischt oder sich auf Rollschuhen an ein Motorrad klammert, um ihre Gegenspieler zu verfolgen, macht der knallige DC-Streifen richtig Laune. Der Eindruck, einem zwischen Licht und Schatten ständig hin- und herspringenden Ideenallerlei beizuwohnen, verflüchtigt sich deshalb aber nicht.

>> von Christopher Diekhaus

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