Moviebase Parasite

Parasite
Parasite

Bewertung: 95%

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Originaltitel: Parasite
Kinostart: 17.10.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: 05.03.2020
DVD/Blu-Ray Verleih: 05.03.2020
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 126 Minuten
Studio: Barunson E&A, CJ E&M Film Financing & Investment Entertainment & Comics, CJ Entertainment
Produktionsjahr: 2019
Regie: Bong Joon Ho
Drehbuch: Bong Joon Ho
Darsteller: Song Kang-ho, Lee Sun-kyun, Jo Yeo-jeong, Choi Woo-sik, Park So-dam

Selten wurde eine Oscar-Verleihung so stark von einer ausländischen Produktion dominiert wie die Anfang Februar 2020 über die Bühne gegangene Preisgala im Dolby Theatre von Los Angeles. Die altehrwürdige Academy verneigte sich vor dem Südkoreaner Bong Joon-ho („Snowpiercer“), dessen bereits in Cannes prämierter Genre-Mix „Parasite“ die Goldstatuen für den besten Film, die beste Regie, das beste Originaldrehbuch und den besten internationalen Film absahnte. Hollywood stand Kopf. Die Welt staunte. Und der Name des Filmemachers aus Fernost, der sein Glück selbst kaum fassen konnte, war plötzlich in aller Munde. Ein Triumph, der sich mit zwei Worten beschreiben lässt: absolut verdient! Denn auf unnachahmliche Weise gelingt es Bong, in seiner Kreuzung aus Sozialdrama, schwarzer Komödie und Home-Invasion-Thriller Anspruch und Unterhaltung zu verbinden. „Parasite“ beleuchtet das Verhältnis von Arm und Reich, ist gleichzeitig aber auch ein verdammt launiges Filmerlebnis.

Herzstück der von Bong und Han Jin-won zu Papier gebrachten Geschichte ist die vierköpfige Familie Kim, die in einer ranzigen Souterrain-Wohnung haust und ums Überleben kämpft. Licht am Ende des Tunnels scheint auf, als Sohnemann Ki-woo (Choi Woo-shik) ein lukratives Angebot eines alten Schulfreundes erhält, der für einige Zeit verreist und daher eine Vertretung für seine Stelle als Nachhilfelehrer bei den wohlhabenden Parks sucht. Der Gefragte lässt sich nicht zwei Mal bitten und gewinnt erstaunlich schnell das Vertrauen seiner neuen Arbeitgeberin Yeon-kyo (Cho Yeo-jeong), deren Tochter Da-hye (Jeong Ji-so) er die englische Sprache näherbringen soll. Hat der junge Mann einmal den Fuß in der Tür, trifft er umgehend Vorkehrungen, um die anderen Bediensteten zu diskreditieren und seine Schwester Ki-jung (Park So-dam), seine Mutter Chung-sook (Jang Hye-jin) und seinen Vater Ki-taek (Song Kang-ho) im Haushalt der Parks unterzubringen. Die Kims werden plötzlich vom Glück verfolgt. Doch dann machen sie eine Entdeckung, durch die ihr falsches Spiel aufzufliegen droht.

„Parasite“ zeigt sehr anschaulich, dass ein Film ständig Tonfall und Stimmung wechseln kann, ohne willkürlich oder einfältig zu wirken. Was als schwarzhumorige Sozialsatire beginnt, bekommt spätestens mit einer überraschenden Wendung im Mittelteil thrillerhafte Züge. Mehrfach schlägt das Drehbuch unvorhersehbare Haken. Und immer wieder bringt Bong die Bereitschaft, sich mit den Protagonisten zu identifizieren, ins Wanken. In einigen Momenten drückt man den gewieften Kims kräftig die Daumen, wünscht sich, dass ihre perfiden Winkelzüge aufgehen. In anderen Augenblicken hingegen verschlägt einem die Skrupellosigkeit und die kriminelle Energie, mit denen sie ihren Traum von einem besseren Leben verwirklichen wollen, die Sprache. Mitgefühl, Irritationen, absurde Komik und handfeste Spannung liegen hier oft nah beieinander.

Ein großes Lob gebührt dem Regisseur nicht nur für den klugen, manche Entwicklungen versteckt im Voraus ankündigenden Handlungsaufbau. Auch filmisch hat „Parasite“ einiges zu bieten. Ausstattung und Bildsprache verraten viel über die skizzierten sozialen Unterschiede. Im Übrigen ein Thema, das der Geschichte einen universellen Charakter verleiht. Schließlich klafft die Schere zwischen Arm und Reich in nahezu allen Industriestaaten immer stärker auseinander. Diese Erkenntnis überführt Bong in ein sarkastisches, zuweilen aber auch sehr beunruhigendes Klassenkampfszenario, das gegen Ende blutige Züge annimmt und – so viel sei verraten – keine strahlenden Sieger kennt. Die Schlussakkorde untermauern noch einmal die erzählerische Raffinesse, die vollkommen zu Recht mit einem Drehbuch-Oscar bedacht wurde.

Auch wenn „Parasite“ in allen Abspielformen ein Genuss ist, sollte man unbedingt die Chance ergreifen, das südkoreanische Meisterwerk auf der großen Leinwand zu schauen. Noch sieht es nicht danach aus, als würde der Film in seinem zweiten Kinodurchlauf schon bald aus den deutschen Filmtheatern verschwinden. Der Oscar-Hype hält glücklicherweise an!

>> von Christopher Diekhaus

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