
Im Mystery-Horror „Playback“ spielst Du die Studentin DeeDee. Diese hält
sich an Regeln, tut viel für die Uni und ist eher zurückhaltend. Wie viel Jennifer
steckt in DeeDee?
Nicht wirklich viel. Ich war aber definitiv keine Rebellin in der Highschool. Meine
Eltern haben mir immer die Freiheit gelassen, das zu tun, was ich tun wollte und
deshalb fühlte ich mich nie, als müsste ich gegen irgendetwas rebellieren. Ich denke,
dass DeeDee eine verantwortungsbewusste Person ist. Und das trifft auch auf mich zu.
War es denn schwierig für Dich, Dich in die Rolle einzufinden?
Über das Schauspielern zu sprechen ist sehr schwierig. Was ich an der Rolle liebte und
was ich wirklich interessant fand, war einen neuen Rhythmus zu entdecken. Die Art,
wie dieser Charakter spricht, seinen Körper bewegt. Das war ganz anders als meine
natürlichen Bewegungen, mein eigener Rhythmus. Das war für mich in der Rolle die
größte Veränderung, aber genau das hat auch sehr viel Spaß gemacht.

DeeDee versucht Cop Lyons zu verführen.
Im Film ergreift das Böse mittels Videokameras oder Fernsehgeräten Besitz von
Personen. Glaubst Du selbst an solch übernatürliche Kräfte?
Ich sehe das eher alles als Metapher für das, zu dem wir werden können, in jedem
Moment, zu jeder Zeit. Wenn wir uns selbst erlauben, von unserem Verstand
überwältigt zu werden. Das ist meiner Meinung nach ein sehr interessanter Weg, auf
das Leben zu blicken. Ich glaube an gewisse Energien, die uns offensichtlich zu jeder
denkbaren Zeit verändern können. Es ist eine Bewandtnis von uns, dass wir zulassen,
in solchen Momenten schwach oder stark zu sein. Ich glaube definitiv an Energien und
die Kraft, die von ihnen ausgeht.
Kanntest Du die wahre Geschichte über das Verschwinden des französischen
Erfinders Louis Le Prince, bevor Du für „Playback“ zugesagt hast?
Nein, die kannte ich nicht. Als ich das Drehbuch las, war ich mir zunächst nicht sicher,
ob das wirklich passiert ist oder nicht.
Du hattest auch einige Szenen mit Christian Slater („Hollow Man 2“, „Alone
in the Dark“). Konntest Du Dir bei ihm etwas für Dein Schauspiel abgucken?
Konnte er Dir vielleicht sogar beim Zusammenspiel helfen?
Es war großartig, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich habe definitiv viel dabei gelernt,
während ich ihn beim Schauspielern beobachtet habe. So etwas ist etwas ganz
Persönliches für jeden Schauspieler und auch sehr interessant für mich. Seine ganz
persönliche Art wahrzunehmen, wenn er arbeitet. Du siehst einfach, dass er weiß,
was er tut und dass er es schon so lange tut. Mit ihm war es auch am einfachsten zu
arbeiten. Und dann macht das Ganze noch viel mehr Spaß.

Das Böse ergreift durch elektronische Geräte Besitz von den Menschen.
„Playback“ war Deine erste Rolle in einem Langfilm. Vorher hast Du bereits für
Serien wie „Gossip Girl“ und „Fringe“ vor der Kamera gestanden. Inwiefern
unterscheidet sich eine Serien- von einer Filmproduktion? War es für Dich eine
große Umstellung?
Um ehrlich zu sein nein. Die einzige Umstellung war das Arbeitstempo. Im
Fernsehen geht alles viel schneller und bei „Playback“ haben wir uns etwas mehr
Zeit genommen. Wir haben nie viele Takes gedreht und konnten uns somit mehr
Zeit lassen. Das ist natürlich nicht bei jedem Film der Fall, aber „Playback“ wurde
so gedreht. Die Arbeit ähnelte schon der, die ich fürs Fernsehen gemacht habe. Und
deshalb fühlte ich mich auch gut vorbereitet.
Ist der Druck demnach bei Fernsehserien größer als beim Film? Weil eben auch
alles schneller gehen muss?
Ich mag es, in dieser Weise zu arbeiten, denn ich bin eine Person, die gut vorbereitet
beim Dreh erscheint. Natürlich gab es beim Dreh von „Playback“ Momente, in denen
ich mir wünschte, mehr Zeit gehabt zu haben. Aber nur, um noch mehr Spaß zu haben
und noch viel mehr zu entdecken, um andere Wege auszuprobieren. Wenn ich spiele,
spüre ich den Druck aber nicht wirklich. Das ist eher eine Sache des „gut vorbereitet“-
Seins und genau zu wissen, was du tun wirst.

Highschool-Schülerin DeeDee wird zur Lady in Red.
Du bist in Italien aufgewachsen, hast Dich aber recht schnell entschieden, Deine
Karriere in den USA zu verfolgen. Warum hast Du es nicht im italienischen
Filmbusiness versucht?
Ich wollte schon immer nach New York gehen. Meine Mutter kommt aus New
York und ich habe jeden Sommer dort verbracht, seit ich ein Baby war. Ich habe
dort auch immer schon Schauspielunterricht genommen. Als ich die Highschool
in Italien abgeschlossen habe, wollte ich auch unbedingt nach New York gehen,
um dort weiter zu studieren. Ich spreche sogar akzentfrei Italienisch, obwohl ich
auf einer amerikanischen Schule war und in den USA studiert habe – für mich
machte es einfach mehr Sinn, nach Amerika zu gehen. Und ehrlich gesagt habe ich
zu diesem Zeitpunkt meines Lebens auch kein großes Interesse daran, nach Italien
zurückzukehren und dort zu bleiben. Vielleicht entdecke ich in der Zukunft, dass ich
nach Italien zurückkehren möchte. Aber momentan ist das kein Ort, an dem ich mich
sehe. Ich mag es, dort zu sein, um die Familie zu besuchen oder Urlaub zu machen
– und um fantastische Früchte zu essen. Aber leben möchte ich dort zum jetzigen
Zeitpunkt nicht.
Aber denkst Du nicht, dass das Filmbusiness in den USA deutlich härter ist als
das in europäischen Ländern?
Das ist schwierig zu sagen. Klar, die Filmindustrie in Amerika ist sehr taff. Aber das
ist eigentlich irrelevant. Du tust, was du tust. Und da ist es egal, wo.
Du standest auch schon am Broadway auf der Bühne. Wäre es für Dich auch
interessant, dorthin nochmal zurückzukehren?
Ich habe die Zeit am Broadway sehr geliebt und ich kann mir auch vorstellen, nochmal
Theater zu spielen. Aber dafür muss ich das richtige Projekt finden.

Cop Lyons verbringt seine Filmnachmittage gerne alleine.
Bei Dir stehen nun mit „Wifed Out“ eine romantische Komödie und
mit „Inferno: A Linda Lovelace Story“ ein Film über die gleichnamige
Pornodarstellerin an. Du scheinst quer durch die Genres zu springen…
„Wifed Out“ ist wirklich lustig und ich hoffe, dass der Film gut ankommt. Ich hatte
sehr viel Spaß beim Dreh. Ich spiele darin einen Charakter, den so noch nie jemand
zuvor von mir gesehen hat und es wird interessant für mich sein, die Reaktionen
darauf zu sehen. In dieser Art habe ich noch nichts Vergleichbares gemacht, aber es
ist genau der Stoff, den ich spielen will. Ich hatte sehr viel Spaß an der Rolle und
in dieser Richtung möchte ich in anderen Projekten gerne noch mehr Erfahrungen
sammeln.
Können wir denn auch einen weiteren Horrorfilm mit Dir erwarten?
Klar, auf jeden Fall. Für mich geht es bei der Rollenauswahl immer mehr um die
Geschichte und die Bedeutung als um das Genre. Ich achte auf die Zeichnung der
Figuren, wie sie sich entwickeln, und was ich dann als Schauspielerin dem Publikum zeigen kann. Deswegen ist es sehr gut möglich, dass ich weitere Horrorfilme drehe.
>> verfasst und geführt von Janosch Leuffen