Moviebase Halloween

Halloween
Halloween

Bewertung: 65%

Userbewertung: 60%
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Originaltitel: Halloween
Kinostart: 25.10.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 28.02.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 28.02.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: - Minuten
Studio: Blumhouse, Universal Pictures
Produktionsjahr: 2018
Regie: David Gordon Green und Danny McBride
Drehbuch: David Gordon Green und Danny McBride
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak, James Jude Courtney, Nick Castle, Haluk Bilginer, Will Paton

Der neue „Halloween“ werde die Zuschauer zu Tode ängstigen, verspricht Horrorlegende John Carpenter im Presseheft des Films. Eine Aussage, die die Herzen aller Slasher-Freunde höher schlagen lassen dürfte, allerdings mit etwas Vorsicht zu genießen ist. David Gordon Greens Annäherung an die Geschichte von Laurie Strode und Michael Myers hat zweifellos starke Einfälle zu bieten und hebt sich von vielen anderen Fortsetzungen der Reihe positiv ab, krankt aber auch an einer manchmal inkonsequenten Ausarbeitung reizvoller Ideen und einigen deplatzierten Humoranflügen. Carpenters stilprägender Genreklassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“, an den Green mit seiner Arbeit anschließt, fällt im Vergleich dann doch ein gutes Stück fesselnder aus – was freilich nicht heißen soll, dass das neue Kapitel eine Enttäuschung wäre.

Vierzig Jahre nach dem Blutbad im beschaulichen Haddonfield, dem sie nur mit Mühe und Not entkommen konnte, kämpft die traumatisierte Laurie Strode (zum fünften Mal in dieser Rolle: Jamie Lee Curtis, „Scream Queens“) noch immer mit den schrecklichen Ereignissen. Ihre Tochter Karen (Judy Greer, „Planet der Affen: Survival“) hat sich von der verbissenen Mutter abgewendet und möchte auch Lauries Enkelin Allyson (Andi Matichak, „Miles“) vor ihrem Einfluss schützen. Eines Tages soll der für die Mordserie verantwortliche Michael Myers (James Jude Courtney und Nick Castle) von einer Psychiatrie in ein Hochsicherheitsgefängnis überstellt werden. Auf dem Weg dorthin gelingt dem brutalen Killer die Flucht, die ihn schnurstracks in sein Heimatstädtchen führt, wo Laurie auf ihn wartet und sich Allyson auf eine Party am Halloween-Abend vorbereitet.

Green und seine Koautoren Danny McBride und Jeff Fradley machen sich von dem Ballast der sieben Sequels, des Remakes und dessen eigener Fortsetzung frei und erklären alles bisher Geschehene für null und nichtig. Bezugspunkt ihres Drehbuchs ist einzig und allein Carpenters Horrormeilenstein von 1978, vor dem sie sich mehrfach verbeugen. Kenner des Originals werden sich vor allem über die schöne Abwandlung einer ikonischen Szene gegen Ende freuen. Das Wiedersehen mit Ursprungs-Laurie Jamie Lee Curtis ist absolut begrüßenswert, zumal die kreativen Köpfe hinter dem neuen „Halloween“ ihrer Figur eine interessante Backstory auf den Leib schreiben. Obwohl viele Jahre ins Land gezogen sind, wird die ehemalige Babysitterin weiterhin von den Erlebnissen der Meuchelnacht geplagt. Wie eine Besessene rüstet sie sich für den Ernstfall und hat ihre Tochter mit ihrem rigorosen, von Paranoia-Attacken geprägten Verhalten gegen sich aufgebracht.

Green und seine Mitstreiter visieren in ihrem Skript die traumatischen Langzeiteffekte von Gewalterfahrungen an, verlassen sich aber leider zu sehr auf simple küchenpsychologische Erklärungsmuster. An einer Stelle wirft der Film die spannende Frage auf, ob ein Monster ein anderes Monster erschaffen könne. Auch wenn der Wahnsinn in Lauries Auftreten wiederholt zum Vorschein kommt, widmen sich die Macher diesem Gedanken nicht mit letzter Überzeugung und verpassen es so, der Beziehung zwischen Protagonistin und Antagonist eine noch abgründigere Note zu verleihen.

Ähnlich wie bei Carpenter wird Michael als die Ausgeburt des Bösen inszeniert, was der Regisseur schon im Prolog deutlich unterstreicht. Die Journalisten Dana Haines (Rhian Rees, „Disengaged“) und Aaron Korey (Jefferson Hall, „Taboo“) suchen den seit Jahrzehnten inhaftierten Killer in der Psychiatrie auf, zeigen ihm die weiße Maske, die er bei den Morden trug, und bemühen sich vergeblich, ihm endlich ein paar Worte zu entlocken. Ihre beunruhigende Wirkung bezieht die Szenenfolge aus dem fast surreal anmutenden schachbrettartigen Hof-Setting und dem Zusammenspiel aus abrupten Schnitten, den immer hysterischeren Reaktionen der Mitpatienten und der auffallend stoischen Haltung Michaels. Während um ihn herum eine beängstigende Aufregung ausbricht, bleibt er trotz der hartnäckigen Reporterfragen ungerührt. Ein Wesen ohne menschliche Empfindungen.

Dass der Komödien- und Dramenspezialist David Gordon Green („Stronger“) Nervenkitzel und Beklemmung hervorrufen kann, zeigt sich nicht nur beim blutigen Angriff auf die Journalisten. Für eine Gänsehaut sorgen ferner eine Plansequenz, die eine mörderische Tour Michaels von Haus zu Haus einfängt, und der weitgehend stimmig arrangierte Showdown, der geschickt mit den Gegebenheiten in Lauries festungsartigem Rückzugsort spielt. Ärgerlich sind neben einigen allzu tiefen Griffen in die Klischeekiste – bespielhaft: Allysons Mitschüler Oscar (Drew Scheid, „Stranger Things“) – die zuweilen unpassenden humorigen Anklänge. Hier und da fördert das Drehbuch durchaus gelungene Pointen zu Tage, die das Geschehen auf gewitzte Weise bereichern. Ein ums andere Mal verlieren Spannungsmomente durch die launigen Einschübe aber auch einen Teil ihrer Ausdruckskraft. Den Spagat hätte man sicher besser hinbekommen können.

Über jeden Zweifel erhaben ist die musikalische Untermalung der neuen „Halloween“-Fortsetzung, für die John Carpenter selbst gemeinsam mit seinem Sohn Cody und seinem Patenkind Daniel A. Davies verantwortlich war. Wer die ikonische Titelmelodie des Slasher-Klassikers geliebt hat, darf sich auf stimmungsvolle, ebenfalls durch Mark und Bein gehende Modifikationen des klanglichen Hauptmotivs freuen. Trotz mancher Fehlentscheidungen stellt sich am Ende von Greens Horrorthriller ein halbwegs zufriedenstellendes Gefühl ein. Anders als nach den meisten Michael-Myers-Auftritten verdirbt einem das Gesehene nicht die Lust auf ein weiteres Kapitel, das dann jedoch ohne Laurie auskommen müsste. Oder etwa nicht?

>> von Christopher Diekhaus

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