Moviebase Sleep Tight

Sleep Tight
Sleep Tight

Bewertung: 90%

Userbewertung: 85%
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Originaltitel: Mientras Duermes
Kinostart: 05.07.2012
DVD/Blu-Ray Verkauf: 30.11.2012
DVD/Blu-Ray Verleih: 07.11.2012
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 101 Minuten
Studio: Filmax Entertainment, Senator Film
Produktionsjahr: 2011
Regie: Jaume Balagueró
Drehbuch: Alberto Marini
Darsteller: Luis Tosar, Marta Etura, Alberto San Juan, Pep Tosar, Petra Martínez, Tony Corvillo

Kino, noch extremer als andere Erzählformen, macht sich unsere unstillbare Neugier gern zunutze: Wird im Film ein Plan geschmiedet, wollen wir am liebsten, dass er perfekt ausgeführt wird. Wird etwas uns Unbekanntes präsentiert, wollen wir wissen, wie es funktioniert und was es bewirkt. Diese Dynamik gestattet es Filmen auch, uns für eigentlich unsympathische, wahnhafte oder geradezu bösartige Figuren zu gewinnen, ihnen trotz ihrer negativen Besetzung heimlich die Daumen zu drücken. Wer wollte nicht schon mal sehen, wie der gerade aktuelle Bond-Bösewicht seine geheime Wunderwaffe endlich einmal zündet, anstatt überführt zu werden? Wer hat sich nicht schon einmal insgeheim gewünscht, dass die Aliens die Erde endlich einmal wirklich in die Luft sprengen? Verfolgt man den Gedanken zu Ende, gelangt man schnell zu der bekannten Hitchcock'esken These, dass der Zuschauer stets Komplize aller gezeigten Verbrechen und Grausamkeiten auf der Leinwand ist – schon lange hat das kein Film mehr so drastisch, verstörend und eindringlich dargelegt wie Jaume Balagueros neuer Film "Sleep Tight".

Der neue Film des spanischen Regisseurs spricht nämlich die vielleicht dunkelste Begierde des Zuschauers an: Zu sehen wie etwas Schönes, Unschuldiges zerstört wird. Passiert das in anderen Filmen eher harmlos, etwa, um im vorigen Bild zu bleiben, wenn Bonds Aston Martin wieder genüsslich geschrottet wird, wählt Balaguero einen deutlich unbarmherzigeren Ansatz. "Sleep Tight" erzählt die Geschichte des Menschenfeinds César (brillant: Luis Tosar), der als Hausmeister in einem großen Mietshaus arbeitet. Das Ziel seines ansonsten inhaltslosen Lebens ist es, den Menschen in seiner Umgebung das Leben tagtäglich so schrecklich wie möglich zu gestalten. Das beginnt mit kleinen Dingen, etwa die teuren Pflanzen des Chefs vertrocknen zu lassen, artet aber schon ganz zu Beginn des Films unter anderem darin aus, dass er den Hund einer Mieterin vergiftet. Sein großes Ziel aber, welches ihn davon abhält, sein verhasstes Leben selbst zu beenden, ist Clara. Die bildhübsche, junge Bewohnerin scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können, stets ist sie gut gelaunt, wischt Probleme mit einem Lächeln hinweg. "Sleep Tight" zeigt nun, wie César versucht, Claras Glück durch immer extremere Einflussnahme zu vernichten, ihr Leben in den Abgrund zu treiben – und macht den Zuschauer dabei zum Komplizen.

Die einzelnen Schritte von Césars perfiden Plänen hier zu erläutern, hieße dem Film einen Großteil seiner teils nervenzerreißenden Spannung zu rauben. Bemerkenswert ist allerdings der Ausgangspunkt für all die schrecklichen Dinge, die der bösartige Hausmeister der schönen Clara antut und die der Film bis zur letzten, schrecklichen Konsequenz durchspielt: Jede Nacht legt sich César unter Claras Bett, wartet bis sie einschläft, setzt sie unter Drogen und stiftet dann sein Unheil. Einerseits trifft Regisseur Balaguero mit dieser Abwandlung des Motivs "Monster unterm Bett" eine menschliche Urangst, zweitens nutzt er das räumlich begrenzte Versteck des Übeltäters um uns noch enger mit ihm zu verbinden: Für kaum eine Minute des Films weicht die Kamera von Césars Seite, wir sehen was er sieht, dringen mit ihm in die fremde Wohnung ein und vor allem, fürchten uns mit ihm davor entdeckt zu werden.

"Sleep Tight" ist ein Meisterwerk des psychologischen Kinos, das geschickt Hitchcocks und Polanskis Mittel des Spannungsaufbaus zitiert und diese nutzt, um eine Geschichte zu erzählen, die in ihrer Abgründigkeit ihresgleichen sucht. Der Film zieht sein gemächliches Tempo gnadenlos an um schließlich mit einem düsteren Schlussakkord zu enden, der einen wie betäubt aus dem Kino taumeln lässt. Das liegt zum einen an der grandiosen Performance der beiden Hauptdarsteller (die im wirklichen Leben pikanterweise ein Paar sind), der technischen Brillanz und narrativen Perfektion des Films; vor allem aber trifft uns "Sleep Tight" so brutal, weil wir César, trotz allem Abscheu vor seinen Taten, bis zum Schluss folgen müssen und wollen. Weil wir sehen wollen, wie etwas Schönes zerstört wird. Weil das Schreckliche, Abstoßende und Grausame im Film schließlich auch immer das Interessante ist.   

>> verfasst von Tim Lindemann

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