Moviebase Ich darf nicht schlafen

Ich darf nicht schlafen
Ich darf nicht schlafen

Bewertung: 50%

Userbewertung: 65%
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Originaltitel: Before I Go to Sleep
Kinostart: 13.11.2014
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 12
Lauflänge: 92 Minuten
Studio: Nu Image und Millennium Film
Produktionsjahr: 2012
Regie: Rowan Joffe
Drehbuch: Rowan Joffe
Darsteller: Nicole Kidman

´Eine Romanadaption an ihrer Vorlage zu messen, ist sicher nicht immer zielführend, da das filmische Medium mit anderen Mitteln arbeitet als die Literatur und demnach auch andere Bewertungsmaßstäbe einfordern kann. Im Fall von „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ kommt man an einem Vergleich jedoch nicht vorbei. Schließlich lebt die Geschichte in erster Linie vom besorgniserregenden Zustand ihrer Protagonistin. Einer Frau, die seit einem traumatischen Ereignis an einer psychogenen Amnesie leidet und einen Großteil ihrer Erinnerungen verliert, sobald sie der Schlaf überkommt.

Jeden Morgen fühlt sich Christine Lucas (Nicole Kidman) unwohl in ihrer Haut. Nicht nur, dass sie neben einem Mann erwacht, der ihr fremd erscheint. Nach einem Blick in den Spiegel erkennt sie zudem, dass sie keine Mittzwanzigerin mehr ist, sondern wesentlich älter. Wie immer stellt sich der Unbekannte als ihr Ehemann Ben (eindringlich: Colin Firth) vor und erklärt Christine geduldig, dass sie vor Jahren einen schweren Unfall erlitten habe, bei dem ihr Gedächtnis beschädigt worden sei. Nachdem der liebevolle Gatte sie mit den wichtigsten Gegebenheiten vertraut gemacht und das Haus verlassen hat, erhält die verunsicherte Frau einen Anruf des Neuropsychologen Dr. Nash (Mark Strong), der ihr angeblich seit einigen Wochen helfend zur Seite steht. Der Arzt erinnert sie an ein Videotagebuch, das sie heimlich führt, um ein wenig Ordnung in ihr Leben zu bringen. Dank der Aufzeichnungen findet Christine schließlich Zugang zu den Geschehnissen der letzten Wochen und muss sich plötzlich fragen, ob Ben und Dr. Nash wirklich an ihrem Wohlergehen interessiert sind.

Wie transportiert man einen Roman auf die Leinwand, der zu mindestens achtzig Prozent aus Tagebucheinträgen besteht, den Leser also unverstellt an den Ängsten, Zweifeln und Mutmaßungen seiner Hauptfigur teilhaben lässt und ihre hilflose Lage äußerst anschaulich illustriert? Regisseur und Drehbuchautor Rowan Joffé – unter anderem verantwortlich für das historische Krimidrama „Brighton Rock“ – entschied sich, die filmisch ungeeigneten schriftlichen Selbstversicherungen durch Videoaufnahmen zu ersetzen. Immer wieder greift Christine zum handlichen Camcorder und spricht ihre Erkenntnisse und Befürchtungen direkt in die Kamera. Auch wenn sich die wachsende Panik der arg gebeutelten Heldin auf diese Weise vermittelt, bleibt die Adaption letztlich hinter den recht eindringlichen Ausführungen der Vorlage zurück.

Schuld daran ist nicht so sehr Hauptdarstellerin Nicole Kidman (im Gegenteil, der Hollywood-Star präsentiert sich merklich engagierter als im enttäuschenden Hochglanz-Melodrama „Grace of Monaco“), sondern das wenig originelle visuelle Konzept, das Joffé seinem Mystery-Thriller verpasst. Anstatt den introspektiven Sog des Bestsellers in unkonventionell-beklemmende Bilder zu übersetzen, gibt sich der Regisseur mit gängigen Darstellungsweisen zufrieden, die oftmals bloß gehobenes TV-Niveau erreichen. Zum Eindrücklichsten zählen da noch die plötzlich hervorbrechenden Erinnerungsfetzen, die einen düsteren Hotelkorridor zeigen, allerdings überdeutlich an Kinomeister Stanley Kubrick angelehnt sind. Den Qualen seiner verwirrten Heldin wird der Film so nur bedingt gerecht, was wirklich schade ist, wenn man bedenkt, dass es auch anders geht. Erinnert sei hier etwa an Christopher Nolans „Memento“, der den Zuschauer überzeugend und radikal in die Perspektive einer unter Amnesie leidenden Figur versetzt.

Etwas unausgegoren fällt auch der Spannungsaufbau von „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ aus. Schneller als im Roman lässt Joffé seine Protagonistin an ihrer Umgebung zweifeln (beispielsweise erfährt sie gleich zu Anfang, dass ihre Gedächtnisstörung auf einen brutalen Angriff zurückzuführen ist, und nicht auf einen Unfall), verschenkt in vielen Momenten aber die Wucht, die manche Wendungen mit sich bringen. Häufig werden die Plot-Twists eher lieblos abgehakt, weshalb ihre emotionale Bedeutung nicht immer voll zur Geltung kommt. Eine nervenzerrende Dynamik und Zugkraft entsteht erst im letzten Drittel, als einer der Beteiligten seine Maske fallen lässt und das Geschehen plötzlich mit Vehemenz ins Abgründige kippt – blutige Eskalationen inklusive. Dessen ungeachtet dürfte dieser rundum durchwachsene Psychothriller das Schicksal seiner Hauptfigur teilen. Denn allzu lange wird er wohl nicht im Gedächtnis der Kinogänger haften bleiben.

>> von Christopher Diekhaus

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