Moviebase Poltergeist

Poltergeist
Poltergeist

Bewertung: 45%

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Originaltitel: Poltergeist
Kinostart: 28.05.2015
DVD/Blu-Ray Verkauf: 22.10.2015
DVD/Blu-Ray Verleih: 22.10.2015
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Fox 2000 Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer
Produktionsjahr: 2014
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Darsteller: Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Jared Harris, Nicholas Braun, Jane Adams, Saxon Sharbino, Kyle Catlett, Susan Heyward

Wie jeder Horrorfilm, der sich von billiger Massenware abgrenzen will, verstand es auch der 80er-Jahre-Klassiker „Poltergeist“, gesellschaftliche Befindlichkeiten in eine wirkungsvolle Gruselgeschichte einzubetten. Der von Tobe Hooper inszenierte und von Steven Spielberg produzierte Haunted-House-Streifen (über die Eingriffe des „E.T.“-Machers in die Regiearbeit wird bis heute spekuliert) entstand zu einer Zeit, als sich nicht wenige Menschen besorgt die Frage stellten, welchen Einfluss das immer stärker verbreitete Fernsehen auf ihr Leben haben würde. Ein Zufall war es daher nicht, dass im Film die kleine Tochter der amerikanischen Durchschnittsfamilie Freeling über ein TV-Gerät den Erstkontakt zur Geisterwelt herstellte. Mittlerweile hat das damals aufstrebende Medium seine Machtposition eingebüßt und ist im Alltag lediglich eine technische Errungenschaft unter vielen. Eben diese Entwicklung greift das Remake von „Poltergeist“ auf, das einige nette Ideen zu bieten hat, dem Fluch vieler Horror-Neuauflagen allerdings nicht entkommen kann: Der große Wurf bleibt auch bei dieser Frischzellenkur aus.

Nachdem der Familienvater Eric Bowen (Sam Rockwell) seinen Job verloren hat, zieht er gemeinsam mit seiner Ehefrau Amy und den drei Kindern in eine Wohnsiedlung, in der Häuser aufgrund zahlreicher Zwangsvollstreckungen günstig zu erwerben sind. Während die Teenager-Tochter Kendra (Saxon Sharbino) über das langweilige Umfeld stöhnt und sich die kleine Madison (Kennedi Clements) sofort wohlfühlt, begegnet Sohn Griffin (Kyle Catlett) dem neuen Heim mit großem Unbehagen. Da Eric und Amy vor allem mit ihren Geldsorgen beschäftigt sind, merken sie nicht, dass ihr Umzug von merkwürdigen Vorkommnissen begleitet wird. Erst als Madison eines Nachts wie gebannt vor dem Flachbildfernseher steht und das Eindringen jenseitiger Wesen verkündet, nehmen die Erwachsenen die schon vorher geäußerten Warnungen ihres Sohnes ernst. Kurz darauf verschwindet die jüngste Tochter durch ein Portal in ihrem Wandschrank.

Anders als im Original, das eher beschaulich beginnt, ist der Schrecken in der von Regisseur Gil Kenan verantworteten Neuinterpretation bereits in den ersten Bildern präsent. Bezeichnenderweise in Form eines düsteren Videospiels, das Griffin bei der Ankunft am neuen Wohnort auf seinem iPad spielt. Gewalt und Horrorerfahrungen sind inzwischen fester Bestandteil der Unterhaltungskultur. Selbst bei einem Jungen, der, so erfahren wir wenig später, äußerst ängstlich ist. Wie sehr unser Zusammenleben heute von technischen Geräten und diversen Medien bestimmt wird, zeigt der Film auch im weiteren Verlauf. Alle Räume im Familiendomizil sind mit Lautsprechern ausgestattet, sodass man selbst auf der Toilette Musik hören kann. Moderne Smartphones dienen als Kommunikationsbrücken für die Spuk-Erscheinungen. Die Strommasten in der Nähe des Hauses rücken immer wieder bedrohlich ins Bild. Kendra ist Fan der Fernsehshow rund um den Geisterjäger Carrigan Burke (urig: Jared Harris), der den bedrängten Bowens irgendwann zu Hilfe eilt. Und die finstere Geisterwelt hinter Madisons Wandschrank wird, wie soll es anders sein, mit einer Kameradrohne erkundet.

Auch abseits dieser Modernisierungen erlauben sich Kenan und Drehbuchautor David Lindsay-Abaire kleinere Abweichungen vom Ursprungswerk. So liegt das Hauptaugenmerk in diesem Fall auf Griffin, der von Anfang an spürt, dass mit dem neuen Zuhause etwas nicht stimmt, und später, im Gegensatz zu den Kindern aus der Version von 1982, entscheidend an der Rettung seiner Schwester beteiligt ist. Zeichneten Hooper und Spielberg das Bild einer halbwegs abgesicherten Familie, handelt es sich bei den Bowens um Opfer der Wirtschaftskrise, die notgedrungen ihr altes Haus verlassen müssen. Finanzielle Sorgen werden mehrfach thematisiert, wobei die Dringlichkeit leider auf der Strecke bleibt. Schuld daran ist vor allem Schauspieler Sam Rockwell, der die aufgesetzte Gelassenheit des Vaters halbherzig zum Ausdruck bringt. Fatalerweise wirkt seine Figur oft nur teilnahmslos und unsympathisch. Eine weitere Änderung betrifft die Geschichte des Eigenheims, das die Protagonisten bewohnen. Wird im Klassiker erst spät ersichtlich, dass das Haus auf einem alten Friedhof steht, erfahren Eric und Amy davon schon nach einer halben Stunde, ohne dass diese Information allzu große Bestürzung auslösen würde.

Ansonsten orientieren sich die Macher merklich an den Fixpunkten von 1982, wenngleich sich das Grauen in der aufgefrischten Version deutlich früher ankündigt. Nimmt die Geistersause schließlich Fahrt auf, erwarten den Zuschauer einige leidlich gelungene Gruselszenen. Verstörend sind etwa die Clown-Attacke, der sich Griffin erwehren muss, oder der Bohrmaschinen-Angriff auf den Gehilfen der Parapsychologin Dr. Powell (farblos: Jane Adams). Eine umfassend bedrohliche Atmosphäre erzeugt der neue „Poltergeist“ nicht, da wichtige Momente wie Madisons erste Kontaktaufnahme mit den unsichtbaren Spukgestalten weniger furchteinflößend erscheinen als im Ursprungsfilms. Stimmungshemmend wirkt sich auch der ab der Hälfte beschworene Computerzauber aus, der den handgemachten, unmittelbaren Spezialeffekten des Originals unterlegen ist. Bricht am Ende ein digitales Gewitter über den Zuschauer herein, verliert man plötzlich jeglichen Bezug zu den Figuren, um die man eigentlich zittern müsste. Eine verheerende Entwicklung in einem Horrorfilm, der offenkundig familientauglich sein will. Und ein weiterer Beleg dafür, dass man den seit einiger Zeit grassierenden Remake-Wahn zu Recht skeptisch sehen kann.

>> von Christopher Diekhaus

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