Moviebase Don't Breathe

Don't Breathe
Don't Breathe

Bewertung: 75%

Userbewertung: 80%
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Originaltitel: A Man in the Dark
Kinostart: 08.09.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: 19.01.2017
DVD/Blu-Ray Verleih: 19.01.2017
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Ghost House Pictures, Good Universe
Produktionsjahr: 2016
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues
Darsteller: Dylan Minnette, Jane Levy, Stephen Lang, Daniel Zovatto, Sergej Onopko, Jon Donahue

„Nicht atmen!“ heißt es im zweiten Spielfilm des uruguayischen Regisseurs und Drehbuchautors Fede Alvarez sowohl für die Protagonisten als auch den Zuschauer, den die Geschehnisse auf der Leinwand immer wieder dazu verleiten, keinen Mucks von sich zu geben. Bei der Pressevorführung in Köln herrschte unter den anwesenden Journalisten eine derart konzentrierte Anspannung, dass man mit Sicherheit gehört hätte, wenn eine Stecknadel zu Boden gefallen wäre. Was alles andere als selbstverständlich ist, da Kritiker gerade bei düsteren Genre-Stoffen häufig den Vorführraum im festen Glauben betreten, das meiste schon gesehen zu haben. Alvarez, der 2013 mit tatkräftiger Unterstützung von Sam Raimi eine drastische, qualitativ überzeugende Neuinterpretation des Horrorklassikers „Tanz der Teufel“ vorlegte, spielt in „Don’t Breathe“ mit den Mustern des äußerst beliebten Home-Invasion-Films und nimmt sein Publikum mit auf eine nervenzehrende Reise ins Herz der Finsternis – in diesem Fall das Haus eines blinden Golfkriegsveteranen.

Während ihre Heimatstadt Detroit dahinsiecht, halten sich Rocky (Jane Levy, „Evil Dead“), Alex (Dylan Minnette, „Gänsehaut“) und Money (Daniel Zovatto, „It Follows“) mit kleinen Einbrüchen über Wasser, bei denen sie einige strikte Regeln einhalten. Schlüssel und Codes besorgen sich die Jugendlichen von Alex‘ Vater, der für eine Sicherheitsfirma arbeitet. Und Bargeld lassen sie stets unangetastet, damit sie im Fall einer Festnahme mit einer geringen Strafe davonkommen. Als Money allerdings von einem Hehler den Tipp erhält, dass ein erblindeter Ex-Soldat (Stephen Lang, „Avatar – Aufbruch nach Pandora“) nach dem Unfalltod seiner Tochter eine stattliche Entschädigungssumme in seinem Haus aufbewahrt, werfen die Freunde ihre Bedenken über Bord. Immerhin könnten sie mit der Beute endlich ihrem tristen Dasein entfliehen und sich in Kalifornien ein neues Leben aufbauen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verschaffen sich die Einbrecher Zutritt zum Haus des Veteranen, erkennen aber schon bald, dass ihm jedes Mittel recht ist, um sein Anwesen und das Vermögen zu verteidigen.

Das Szenario ist denkbar simpel. Die Figuren sind nicht komplex. Und doch gelingt es Fede Alvarez, mit seinem minimalistischen Schocker beinahe maximale Wirkung zu erzeugen. Als guter Einfall erweist sich schon die Verortung des Geschehens in der einst pulsierenden Auto-Metropole Detroit, die einen beispiellosen Niedergang erlebt und bereits so manchem Regisseur – etwa Ryan Gosling in „Lost River“ – als schaurig-morbide Kulisse diente. Rissige Straßen, menschenleere Viertel und heruntergekommene Häuser dominieren zunehmend das Stadtbild, das „Don’t Breathe“ in prägnanten Bildern einfängt. Dass weite Teile der Produktion in Ungarn gedreht wurden, merkt man dem schnörkellosen Thriller zu keinem Zeitpunkt an.

Gefangen in der unheilvollen Atmosphäre des Verfalls sind auch die drei Protagonisten, die sich mit ihrem kriminellen Wirken gegen die eigene Perspektivlosigkeit auflehnen. Ihr Hauptaugenmerk legen Alvarez und Schreibpartner Rodo Sayagues auf die kämpferische Rocky, die ihre kleine Schwester Diddy (Ema Bercovici) um jeden Preis aus ihrem bedrückenden White-Trash-Umfeld befreien will und dafür alte Grundsätze über Bord wirft. Während Alex die Rolle des besonnenen Mahners ausfüllt, gibt Money das impulsive Alphatier, das die Aussicht auf einen kräftigen Beutezug in helle Aufregung versetzt. Der namenlose Ex-Soldat, der in einer mittlerweile verlassenen Straße wohnt, erscheint auf den ersten Blick wie ein hilfloses Opfer, das mit dem Tod seiner Tochter einen schrecklichen Schicksalsschlag hinnehmen musste. Recht schnell entpuppt sich der gebrochene Mann jedoch als kompromissloser Widersacher, der den drei Einbrechern in seinen eigenen vier Wänden deutlich überlegen ist.

Drückte man im Thriller-Klassiker „Warte, bis es dunkel ist“ der blinden, von Audrey Hepburn gespielten Protagonistin im Kampf gegen drei Räuber die Daumen, verhält es sich hier genau umgekehrt. Obwohl Rocky, Alex und Money die Eindringlinge sind, hat man plötzlich Sorge um ihr Wohlergehen, als der vermeintlich schlafende Hausbesitzer im Türrahmen erscheint. Eben dieser Augenblick ist der Startschuss für ein packendes Katz- und-Maus-Spiel, das der Regisseur nicht nur mit gut gesetzten Schockmomenten anreichert. Gezielte Gewalteruptionen und einige bitterböse Überraschungen garantieren, dass man nie verschnaufen kann und die Panik der überforderten Diebe hautnah zu spüren bekommt. Momente größter Aufregung, die mit bedrohlichen Klängen unterlegt sind (Musik: Roque Baños), wechseln sich mit unerträglich spannenden Szenen vollkommener Stille ab, in denen der frühere Soldat auf sein ausgeprägtes Gehör zurückgreifen kann. Großen Anteil an der unheimlichen Wirkung des Films hat nicht zuletzt der körperlich ungemein präsente Stephen Lang, der seine Figur mit einer beängstigenden Entschlossenheit versieht.

Mehr als eine Stunde lang raubt der grimmige Überlebenskampf dem Zuschauer den Atem, bis der Regisseur und sein Koautor einige unnötige Psychopathen-Klischees bemühen und sich einem Stehaufmännchen-Prinzip verschreiben, das sich auf Dauer etwas abnutzt. Erzählerisch läuft „Don’t Breathe“ am Ende ein wenig aus dem Ruder, handwerklich hält Alvarez mit seinen kompetenten Mitstreitern die Zügel aber stets fest in der Hand. Treffende Beispiele für die gelungene Gestaltung des Films sind Pedro Luques („The Silent House“) geschmeidige Kamerafahrt durch das Haus des blinden Mannes kurz nach dem Einbruch, die uns das verwinkelte Gebäude näherbringt. Oder aber die beunruhigende Nachtsicht-Optik, mit der die Macher während einer Keller-Sequenz für anhaltenden Nervenkitzel sorgen.

>> von Christopher Diekhaus

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