Moviebase Unbekannte, Die

Unbekannte, Die
Unbekannte, Die

Bewertung: 50%

Userbewertung: 75%
bei 13 Stimmen

Jetzt voten:
Originaltitel: Sconosciuta, La
Kinostart: 22.05.2008
DVD/Blu-Ray Verkauf: 10.11.2008
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 116 Minuten
Studio: Medusa Film / Senator
Produktionsjahr: 2006
Regie: Giuseppe Tornatore
Drehbuch: Giuseppe Tornatore
Darsteller: Kseniya Rappoport, Michele Placido, Pierfrancesco Favino, Piera Degli Esposti, Ángela Molina, Gisella Marengo, Claudia Gerini, Margherita Buy, Clara Dossena, Alessandro Haber, Pino Calabrese, Nicola Di Pinto

Egal ob Spaghetti-Western, Giallo oder das Autorenkino eines Fellini, der italienische Film hat über die letzten Jahrzehnte viele Genres und Richtungen maßgeblich geprägt und sie erfolgreich in alle Welt exportiert. Mittlerweile ist der Glanz früherer Tage jedoch merklich verblasst. Nur eine Handvoll Regisseure erreichen heute noch ein Publikum außerhalb ihres Heimatlandes. Giuseppe Tornatore gehört sicherlich dazu. Lange war es still um den Mann, der bereits vor zwanzig Jahren für Cinema Paradiso einen Oscar gewann. Sechs Jahre hat sich Tornatore für seinen neuen Film Zeit gelassen. Nachdem er in dem nostalgischen Coming-of-Age-Drama Malèna aus Monica Belluci einen internationalen Star machte, wendet er sich in Die Unbekannte einem deutlich sperrigeren und unbequemeren Stoff zu.

Es geht um sexuellen Missbrauch, um Gewalt gegen Frauen, um jahrelange Demütigung und ein menschenverachtendes System aus Abhängigkeiten und Einschüchterung. Bereits die erste Szene macht deutlich, dass hier die Machtverhältnisse sehr ungleich verteilt sind. In einer seltsamen Form der Fleischbeschau werden eine Reihe junger Frauen in einen Raum geführt. Einige von ihnen werden aufgefordert sich auszuziehen. Ihre Gesichter sind dabei die ganze Zeit von einer ausdruckslosen Maske verdeckt. Hinter einer Wand, in der kleine Löcher eingelassen sind, verfolgen einige gleichsam anonyme Augenpaare den Striptease der Mädchen. Was hier genau vorgeht, soll sich jedoch erst später wirklich klären lassen.

Szenenwechsel. Wir befinden uns plötzlich in einer namentlich nicht genannten Stadt in Nord-Italien. Eine dem Akzent nach zu urteilen aus Osteuropa stammende junge Frau (Xenia Rappoport) ist auf der Suche nach einer Wohnung und einer festen Anstellung. Der Koffer, den sie bei sich trägt, ist voller Geld. Geld, dessen Herkunft zunächst unbestimmt ist. Die Frau nennt sich selbst Irena. Sie bemüht sich in der Nachbarschaft um einen Job als Putzfrau. Dabei hat sie es auf ein ganz bestimmtes Haus abgesehen, in dem vor allem reiche Juwelierfamilien wohnen. Ihr Interesse gilt einem Goldschmiede-Ehepaar (Claudia Gerini, Pierfrancesco Favino) und deren Tochter Tea (Clara Dossena). Auch das scheint keineswegs ein Zufall zu sein.

An Ehrgeiz hat es Tornatore noch nie gemangelt. Doch selbst für einen Perfektionisten wie ihn erscheint Die Unbekannte seltsam überambitioniert. Das betrifft sowohl den Inhalt als auch die Form, in die er Irenas Geschichte zwängt. Von den ersten Minuten an versucht sich Tornatore an der intuitiven Vermischung zweier Zeitebenen, von denen die eine wie ein Blitz die andere immer wieder durchschlägt. Diese eruptiven Einschübe zeigen, was hinter Irena liegt, welches Martyrium sie durchlitten hat. Die irritierend weich und warm fotografierten Szenen stehen dabei in einem starken Kontrast zur eigentlichen Handlung um Irenas wohl nicht ganz zufällige Annäherung an das Goldschmiede-Ehepaar und deren Tochter. Nach einer Weile führt der immer wiederkehrende Rückgriff auf dieses Stilmittel jedoch zu unübersehbaren Abnutzungserscheinungen.

Natürlich holt die Vergangenheit auch Irena eines Tages ein. In Person ihres früheren Peinigers Muffa (Michele Placido) kommt der Terror zurück in ihr Leben. Dann erhält die vorher nur recht abstrakt spürbare Bedrohung auf einmal eine sehr konkrete Gestalt. Untermalt wird all dies von einem atmosphärischen, zuweilen aber auch recht aufdringlichen Score des Altmeisters Ennio Morricone, der sich offenkundig von den Kompositionen eines Bernard Herrmann und den Suspense-Klassikern Alfred Hitchcocks inspirieren ließ (auch wenn er das niemals zugeben würde). Überhaupt folgt Tornatore einem Konzept, das dem eines typischen Hitchcock-Thrillers schon recht nahe kommt, wobei er allerdings gerade im letzten Filmdrittel den geradlinigen Thriller-Plot links liegen lässt, um stattdessen in mehr als sentimentalen Gewässern zu fischen.

Spätestens dann zeigt sich auch, dass Tornatore einfach zu viel will, weil er zu viel und zu Gewichtiges zu erzählen hat. Irena soll den Zehntausenden Frauen ein Gesicht geben, die mit falschen Versprechungen nach Westeuropa gelockt und dann von ihren Peinigern nur noch wie ein Stück Vieh behandelt werden. Diese sicherlich ehrenwerte Absicht will nicht so recht zu dem eigentlich simplen Exploitation-Thema passen. Wo Die Unbekannte zunächst mit Versatzstücken des genuin italienischen Giallos durchaus versiert spielt – auch bei Tornatore wird das Vergießen von Blut reichlich kunstvoll inszeniert –, flüchtet sich der Film am Ende in einen berechenbaren Plot-Twist, der Genre-Kennern nicht mehr als ein kurzes Schmunzeln entlocken dürfte. Auch von der anfangs bedrohlichen Grundstimmung, die wohl nicht ganz zufällig an einen David Lynch-Albtraum erinnert, ist dann nichts mehr zu spüren. Wird der Zuschauer bei Lynch nämlich zumeist sich selbst überlassen, bleiben hier schlussendlich keine Fragen offen.

>> verfasst von Marcus Wessel 

Bewertung abgeben:




Countdown
Kinostart: 30.01.2020Countdown beginnt damit, dass sich die junge Krankenschwester Quinn eine App herunterlädt, von der behauptet wird, sie könne den eigenen Tod vorausbestimmen. Zunächst ... mehr erfahren
The Lodge
Kinostart: 06.02.2020In The Lodge wird eine werdende Stiefmutter mit den beiden Kinder ihres Verlobten in einer einsamen Berghütte eingeschneit. Gerade, als das Trio untereinander etwas aufz... mehr erfahren
Birds of Prey
Kinostart: 06.02.2020Vier Jahre nach den Ereignissen aus Suicide Squad ist in Gotham City nichts mehr so, wie es früher einmal war. Harley Quinn hat sich von Joker getrennt und kämpft an de... mehr erfahren
Brahms: The Boy 2
Kinostart: 20.02.2020Im Sequel The Boy 2 zieht es eine junge Familie in die herrschaftliche Heelshire Villa. Sie weiß nichts von den verstörenden Szenen und Ereignissen, die sich hier vor k... mehr erfahren
Fantasy Island
Kinostart: 20.02.2020Fantasy Island befasst sich mit dem rätselhaften Mr. Roarke, der auf seiner abgelgenen, luxeriösen Insel die heimlichen Wünsche seiner Gäste Wirklichkeit werden läss... mehr erfahren
Quiet Comes the Dawn
DVD-Start: 30.01.2020Seit dem mysteriösen Tod ihres Bruders, leidet Sveta unter quälenden Albträumen. Auf der Suche nach Antworten, schließt sie sich im Institut für Somnologie einem Exp... mehr erfahren
Code 8
DVD-Start: 30.01.2020Lincoln City, in der nahen Zukunft: 4 % der Menschheit werden mit übernatürlichen Fähigkeiten geboren. Manche können Hitze erzeugen, andere Wunden heilen. Oder haben ... mehr erfahren
Freaks
DVD-Start: 31.01.2020Eine umfangreiche Aufklärungskampagne der Regierung warnt die Bevölkerung: „Sie sehen aus wie wir – Bitte melden Sie alles Ungewöhnliche“. Gesucht werden die FRE... mehr erfahren
The War of the Worlds [Serie]
DVD-Start: 31.01.2020In dem BBC-Dreiteiler The War of the Worlds ahnen George (Rafe Spall) und seine Freundin Amy (Eleanor Tomlinson) am Morgen noch nicht, dass heute der Tag sein könnte, an... mehr erfahren
The Furies
DVD-Start: 31.01.2020Erst sprayen zwei Freundinnen rebellisch „Fuck the Patriarchy“ an eine Häusermauer, wenig später kämpfen sie gemeinsam mit anderen Frauen in einem abgesperrten Wal... mehr erfahren