F - Johannes Roberts
Johannes, was war das Interessante am Gedanken, deinen Film an einer Schule spielen zu lassen?

Johannes Roberts: Als ich das Drehbuch zu „F“ geschrieben habe, habe ich selbst an dieser Schule unterrichtet. Als es dann zur Realisierung kam, hatten wir wirklich Glück, denn ich wollte, dass genau diese Schule der Ort sein würde, an dem wir unseren Film drehen. Jedes Mal, wenn ich dort war und Vorträge hielt, bestätigte sich meine Meinung, dass es sich um ein großartiges Gebäude handelt, um einen interessanten und zugleich auch verrückten Film umsetzen zu können.

Du hast erwähnt, dass „F“ ein Liebesbrief an die Klassiker von John Carpenter darstellt. Was fasziniert dich an den kleinen Filmen, die auf engem Terrain spielen?

Johannes Roberts: Ich war tatsächlich sehr von „Assault on Precint 13“ inspiriert. Aber eigentlich von John Carpenter im Allgemeinen. Was ich persönlich so sehr mag an seinen Filmen, insbesondere eben an „Assault on Precint 13“, ist, dass er sich nicht wirklich mit der Gefahr von Außen beschäftigt. Im Fall von „Assault on Precint 13“ wäre das die Gang, bei unserem Film „F“ die Kids. Er konzentriert sich stattdessen viel mehr auf das Geschehen im Inneren, weniger auf das was von außen kommt. Und so auch bei unserem Film, wo die Charaktere mit diesem Druck, der Gefahr von außen umzugehen haben.

Lehrer Robert Anderson kämpft gegen die Eindringlinge.

Du hast außerdem gesagt, dass du dem Genre wieder zum Unheimlichen verhelfen möchtest. Was glaubst Du, weshalb viele moderne Genrevertreter an diesem Punkt scheitern?

Johannes Roberts: Ich empfinde es als sehr wichtig, dass man vor allem dreidimensionale Figuren kreiert, für die man sich im Film dann aber auch wirklich interessiert. Man muss sie in eine gruselige Handlung einbauen und etwas zu erzählen haben. Aber sehr viele moderne Horrorfilme, die ich momentan sehe, scheinen sich dafür kaum mehr zu interessieren. Man konzentriert sich viel lieber auf Gore-Szenen. Dabei bieten sich gerade im Bereich Horror so viele Möglichkeiten an. Das Genre wird generell aber leider immer leerer und leerer, habe ich das Gefühl.

Um das Gespräch auf die Schauspieler im Film zu lenken: Ich fand, dass gerade David Schofield seine Rolle als Lehrer sehr glaubwürdig verkörpert.

Johannes Roberts: David war wirklich herausragend, ja.

Ob die Toiletten wohl ein sicheres Versteck sind?

War er denn von Anfang an Dein Favorit oder gab es in seiner umfangreichen und vielfältigen Filmographie bestimmte Filme, welche dir die Entscheidung, ihn als Robert Anderson zu besetzen, erleichtert haben?

Johannes Roberts: Der gesamte Ablauf war sehr interessant. Als der Film sich langsam der Realisierung näherte, kam ein großer Teil der Finanzierung für „F“ aus Amerika. Da war dann allerdings das Problem vorhanden, dass gerne mitgesprochen wurde, was die Besetzung der Rollen anging, und die Vorschläge waren nicht immer das Gelbe vom Ei. Also setzte ich mich mit meiner Crew an einen Tisch, wo wir uns dann auch schnell einig waren, dass wir hier einen Film umsetzen möchten, an den wir wirklich alle glauben. Wir wollten einfach das tun, was wir tun wollten. Also haben wir das Geld abgelehnt, um unsere eigene Darstellerliste auf die Beine stellen zu können. Und ja, ich habe ein paar Filme mit David Schofield gesehen und liebe die Art und Weise, wie er seine Figuren verkörpert. Was außerdem eher ungewöhnlich für das Horror-Genre ist, ist die Tatsache, die Handlung aus der Sicht eines 55 Jahre alten Mannes zu erzählen, weil das irgendwie keiner so wirklich sehen will. Aber ich fand das toll und bin wirklich froh, dass wir David für die Rolle gewinnen konnten.

Die Killer im Film agieren teilweise sehr unmenschlich. Sie sind leise, greifen meist von oben an, sprechen nicht und verstecken ihr Gesicht außerdem hinter einer Kapuze. Wie kam es zur Kombination dieser Eigenschaften?

Johannes Roberts: Ich habe viele verschiedene Entwürfe für die Handlung aufgebaut, die sehr voneinander abgewichen sind. Aber ich war nicht daran interessiert, die Kids zu vertiefen oder so in Erscheinung treten zu lassen, wie es zum Beispiel in „Eden Lake“ der Fall war. Ich muss auch zugeben, dass Filme wie „The Grudge“ oder „The Ring“ einen großen Einfluss auf mich hatten. Generell Filme dieser Art aus Japan. Es war mir sehr wichtig, mal etwas anderes auszuprobieren, etwas Frisches. Etwas, das man so noch nicht zuvor gesehen hat. Ich wollte einfach mit diversen Elementen spielen, um daraus etwas Verrücktes machen zu können.

Die Lehrerschaft sieht sich mit der unerwarteten Gefahr konfrontiert.

Gab es denn in einem deiner früheren Entwürfe eine Version, wo du die Kids offen gezeigt hast?

Johannes Roberts: Solche Versionen existieren tatsächlich, wo ein Teil der Kids ihre Maske ablegen und sich zeigen. Sogar im Drehbuch gab es ein ursprüngliches Ende, wo David einen der Killer entlarvt. Aber ich war dann einfach nicht daran interessiert, das auch wirklich so zu adaptieren. Mir war viel mehr von Bedeutung, mich auf ihn und seine Entscheidung zu konzentrieren, die er am Ende treffen muss. Womöglich wollen einige tatsächlich wissen, wer die Kids wirklich sind und aus welchem Grund sie das alles tun. Aber mein persönliches Gefühl war einfach, dass es nicht wichtig ist. Es hat es nicht gebraucht.

Glaubst du denn, dass die Enthüllung der Teenager zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte und die eigentliche Haupthandlung, die Beziehung zwischen Vater und Tochter, zur Nebensache verkommen wäre?

Johannes Roberts: Ja, das glaube ich wirklich. Ganz egal, was ich mit einer Enthüllung bewirkt hätte, der Film wäre letztlich dadurch weder unheimlicher geworden noch hätte es zur Entwicklung der Charaktere in „F“ beigetragen. Ich hatte einfach dieses Gefühl, dass der Hintergrund der Taten verschlossen bleiben sollte, auch um dem Publikum Platz für eigene Interpretationen zu lassen. Ich weiß, wer sie sind. Aber ich finde, dass das Ende besser funktioniert, wenn es dem Zuschauer überlassen wird, darüber nachzudenken, wer die Kids wirklich sind.

Mit Taschenlampe gegen Messer und Co. Überlebenschance: unwahrscheinlich.

Mit „Storage 24“ hast du aktuell auch einen Sci/Fi-Horror in der Post-Produktion. Was kannst du mir über dieses Projekt verraten?

Johannes Roberts: Der Film wird einiges größer als „F“. „Storage 24“ erscheint über Universal Pictures und ist eine Kombination von Horror, Sci/Fi und Thriller. Die Handlung dreht sich um eine Gruppe Charaktere, die nach einem Flugzeugabsturz in einer Lagerung gefangen sind und kurz darauf feststellen, dass auch mysteriöse Jäger unter ihnen lauern. Das wird toll, wir haben jede Menge Spezialeffekte und CGI. Das wird ein großer Film, allerdings auch wesentlich kommerzieller beziehungswiese massentauglicher.

Und abgesehen von „Storage 24“? Befinden sich zurzeit noch andere Projekte auf deiner Wunschliste?

Johannes Roberts: Ich schreibe gerade das Drehbuch zu einem weiteren Film, zu dem ich allerdings noch nichts Genaues verraten möchte. Ich hoffe, dass wir ihn irgendwann im kommenden Jahr machen können. Das wäre auch wieder etwas Großes, habe ich das Gefühl.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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