Kate Beckinsale – Underworld Awakening 3D

Nach 6 Jahren bis du erneut in das charakteristische Lederoutfit deiner Figur Selene geschlüpft. Wie hat sich das angefühlt, merkwürdig oder eher schon wie eine zweite Haut?

(lacht) Man gewöhnt sich schnell daran, meine Stuntdoubles müssen es ja auch tragen. Es gab da eine recht lustige Situation während des Drehs für den neuen Film: Wir drehten in der Nähe des Hotels, in dem ich für die Zeit wohnte und ich lief in voller Montur durch die Lobby. Das fühlte sich zugegebenermaßen etwas merkwürdig an. Zudem war ich auch noch mit Kunstblut vollgeschmiert! Ich hoffe, ich habe keinem kleinen Kind eine Heidenangst eingejagt.

Und wie war es für dich, wieder diese Figur zu spielen? Hast du dich darauf gefreut oder hattest du Vorbehalte?

Nun ja, ich habe noch nie eine Figur mehr als einmal gespielt, war auch noch nie regelmäßig in einer TV-Serie. Das Spannendste am Schauspielern ist für mich eigentlich immer die Vorbereitung, eine neue Figur kennenzulernen, sich vorzustellen, wie sie sich kleiden, wie sie sprechen würde. Bei diesem Film konnte ich das nun nicht tun, ich hatte die Figur ja sozusagen schon "entdeckt". Darum war ich ein wenig unsicher, weil ich den für mich üblichen Prozess der Vorbereitung nicht durchlaufen konnte.

An dieser Stelle ist genaues Zielen gefragt.

Wie groß war denn dein Einfluss auf die Entwicklung der Figur für den vierten Film?

Relativ groß. Die Produzenten traten an mich heran und sagten: "Wir würden gerne einen vierten Teil drehen!" Ich war zunächst eher wenig begeistert. Als ich aufwuchs, bedeutete es nichts Gutes, wenn eine Filmreihe in die vierte Runde ging. Das hat sich aber scheinbar geändert: Gefühlte 17 Harry-Potter-Filme, mehrere hundert Batmans und so weiter... Als sie mir dann noch sagten, dass Selene in diesem Film eine Tochter haben würde, war ich erst recht skeptisch.

Wie kamst du denn mit den beiden Regisseuren (Anm: Mans Marlind, Björn Stein) des Films klar? Ich habe gehört, dass sie sich jeden Tag mit der Regieführung abgewechselt haben. Das klingt ja etwas ungewöhnlich...

Allerdings. Ich weiß, dass es einige Regie-Duos gibt, meistens Brüder, aber das mit dem Abwechseln klang für mich zunächst auch bedenklich. Ich fragte beide zu Beginn des Drehs: "Streitet ihr euch jetzt in einer Tour? Wird das so eine peinliche Nummer, die für jeden am Set nur unangenehm ist?" Sie beruhigten mich und sagten, dass sie das sehr streng durchziehen würden. Und tatsächlich: Wenn es beispielsweise Montag war, war Björn an der Reihe und Mans sagte keinen Ton zu den Schauspielern außer vielleicht "Hallo". Die haben das sehr diszipliniert durchgezogen und es hat wunderbar funktioniert. Da ich selbst mit einem Regisseur verheiratet bin (Anm: Len Wiseman), weiß ich, was für ein absurd anstrengender und überfrachteter Job das ist. Du musst nicht nur alles am Set im Auge haben, sondern auch schon die Szenen für nächste Woche planen und gleichzeitig das Material vom Vortag sichten. Diese Arbeiten haben sie sich brillant aufgeteilt. Mein Mann wurde schon ganz neidisch, ich glaube er will jetzt auch ein Double! (lacht)

Die Menschen gehen mit Flammenwerfern gegen Selene vor.

Du hast vorhin schon die Mutter-Tochter-Beziehung in dem Film erwähnt. Hat dir diese neue Entwicklung schauspielerisch mehr Möglichkeiten für die Rolle eröffnet als die alten Filme?

Weißt du, für mich ist Selene so ähnlich wie die frühen Clint-Eastwood-Charaktere: Sie ist sehr rätselhaft, spricht nicht viel und man weiß äußerst wenig über sie. Daher hat sie auch eine sehr begrenzte Palette an Emotionen, die sie wagt zu zeigen. In dem neuen Film ist es zwar nun immer noch Selene, man bekommt aber einen kleinen Einblick in das, was unter ihrer toughen Fassade abläuft. Das hat mir gefallen.

Hattest du das Gefühl, dass sich der neue "Underworld" den neuen Trends des Vampirgenres, Stichwort: "Twilight", anpassen muss?

Nicht wirklich, denn: Wir waren ja zuerst da! Wir sind also immer noch hip! Aber im Ernst: Die beiden Reihen verfolgen ja eine gänzlich andere Zielgruppe, von daher sehe ich da kaum einen Zusammenhang. Außer bei uns zu Hause: Meine Tochter ist ganz verrückt nach den Büchern und den Filmen.

Trotz Daueraction: Zeit zum Nachladen muss sein.

Wie war es, zum ersten Mal in einem 3-D-Film mitzuspielen?

Ehrlich gesagt: Nichts Besonderes. Aufregend ist es wohl nur für die Kameracrew, weil es ständig Probleme gibt. Dauernd hieß es: "Halbe Stunde Pause, wir müssen die Kamera reparieren!" Eher nervig also, aber keine große Sache.

In letzter Zeit spielst du ja vor allem wieder in Action-Filmen mit. Wechselst du absichtlich zwischen solchen Rollen und anderen Filmen?

Nein, das kommt wie es kommt. Ich versuche aber, so viele verschiedene Dinge wie möglich auszuprobieren. Abgesehen von "Underworld" Teil fünf bis siebzig mochte ich möglichst viele unterschiedliche Charaktere erkunden.

Wer hier auf Selene wartet?

"Underworld" war in den 2000ern ja einer der ersten Actionfilme mit weiblicher Hauptdarstellerin. Das hat sich in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt. Du bist selber Action-Fan, wie empfindest du diese Entwicklung?

Ich finde das sehr gut. Der absolute Maßstab schlechthin ist in dieser Hinsicht natürlich immer noch Sigourney Weaver in "Alien" - an ihr haben wir uns auch für den ersten "Underworld" orientiert. Wenn es gut gemacht wird, mag ich Actionheldinnen also sehr gerne und es ist für jeden etwas: Sowohl Frauen als auch Männer schauen sich das gerne an. Oft funktioniert es aber auch nicht, wenn nämlich ausschließlich darauf Wert gelegt wird, dass die Protagonistin möglichst sexy aussieht und ihre Sexualität dauernd im Vordergrund steht. Ich bevorzuge die Heldinnen in Luc Bessons Filmen: Dort sind die Frauen auch selbstbewusst und sexy, müssen aber nicht alle fünf Minuten unter der Dusche gefilmt werden. Die "Underworld"-Filme sind mehr in diesem Stil und keine Exploitation: Selene ist sexy und cool aber auf beiläufige Art und Weise.

Hast du in deinem nächsten Film "Total Recall" auch so spektakuläre Actionszenen?

Allerdings. In "Total Recall" vermöble ich alle! (lacht) Es hat viel Spaß gemacht, den Film zu drehen, schließlich durfte ich zum ersten Mal einen Bösewicht spielen. Wenn man die Heldenfigur spielt, muss man immer so unglaublich viel von der Story herüberbringen, während man als Schurke nur ab und zu auftaucht und bösartig ist. Das ist ein ziemlich tolles Gefühl!

Kate Beckinsale hat ein neues Opfer gefunden.

Wie stehst du zu der Entscheidung, ein Remake des Films zu drehen?

Nun, ich komme aus England. Dort kann man in einer Zeitspanne von 2 Wochen bestimmt 8 verschiedene Versionen von "Hamlet" auf der Bühne sehen, von daher stehe ich Remakes relativ gelassen gegenüber. Natürlich hat das Ganze auch mit dem momentanen Klima in der Filmindustrie zu tun. Die Zuschauer bezahlen eher Geld für ein Ticket, wenn ihnen der Titel des Films bekannt vorkommt. Darum gibt es so viele Sequels und Prequels und Verfilmungen von Comics und Computerspielen – vor allem natürlich im Big-Budget-Bereich. So etwas findet eher Anklang als eine neue, originelle Idee. Das ist natürlich sehr schade, wenn es nach mir ginge, sollte es immer beides geben. Wenn es um Sci-Fi-Filme wie "Total Recall" geht, sind Remakes meiner Ansicht nach aber doch sinnvoller als anderswo. Denn Science-Fiction altert eben sehr schnell, weil sich unsere Technologie so schnell weiterentwickelt. Wenn man einen Film sieht, der weit in der Zukunft spielen soll, die Menschen aber mit riesengroßen Handys herumlaufen, wirkt das eben altmodisch. Der ursprüngliche "Total Recall" hat ja auch einen sehr eigenen Ton und ist ein echtes "Kind der 90er". Unser Film wird sich ganz anders anfühlen.

>> verfasst und geführt von Tim Lindemann




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