John, uns ist zu Ohren gekommen, dass du eigentlich gar kein Freund von Horrorfilmen bist.

Inzwischen bin ich ein sehr großer Fan von Horror. Aber ja, vor „A Quiet Place“ war ich das tatsächlich noch nicht. Ich wurde zu einem, als ich an diesem Film gearbeitet habe.

Glaubst du, dass dir das dabei geholfen hat, unvoreingenommen an den Film heranzugehen? Immerhin sind einige Horrorregisseure mittlerweile so routiniert, dass sie sich unweigerlich im Kreis drehen.

So wird es wohl sein. Nach dem Film kam ein Bekannter auf mich zu und sagte: ‚Ich hätte niemals damit gerechnet, dass du mal ein Horrorregisseur wirst.’ Ich habe daraufhin geantwortet: ‚Ich auch nicht, denn ich kann mir Horrorfilme nicht einmal ansehen.’ Er sagte dann ziemlich genau das, was du mir gerade erzählt hast: ‚Vielleicht hast du deswegen einen so großartigen Genrefilm auf die Beine gestellt, weil du eben nicht versucht hast die Leute mit Jump Scares zu erschrecken, sondern mit einer unheimlichen Geschichte.’ Das Thema Familie fand er sehr wirksam.

Dem kann ich nur zustimmen. Der Film ist nicht nur unheimlich, er rührt auch zu Tränen.

Oh, vielen Dank.

Der Schlüssel sind Figuren, die ans Herz gehen. Häufig ist in Horrorfilmen eher das Gegenteil der Fall und man hofft insgeheim, dass das Böse gewinnt.

(lacht) In meinem Fall ist es wohl die persönliche Erfahrung. Unmittelbar vor der Skriptphase kam unsere zweite Tochter auf die Welt. Als frisch gebackener Vater fragt man sich dann, ob man als Person gut genug ist, um das eigen Fleisch und Blut beschützen zu können. Das schoss mir auch direkt durch den Kopf, als ich das Drehbuch in die Finger bekam. Das Setting war einfach smart und cool. Wir zeigen eine sich liebende Familie, gleichzeitig aber auch die gebrochene Beziehung zwischen Familienvater Lee und seiner Tochter Regan. Genau das verleiht einer Familie Authentizität. Solche Figuren sind interessant, weil man sich mit ihnen identifizieren kann.

Der Film verzichtet auf übermäßige Erklärungen, obwohl du als Schöpfer garantiert mehr über das Unbekannte weißt. Wie einfach oder schwer fiel dir die Entscheidung darüber, was lieber geheim bleiben sollte?

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich mit Matt Damon am Drehbuch zu „Promised Land“ gearbeitet habe. Als wir uns mit dem Marketingleiter des Films auseinandersetzten, fragte er uns, welche falsche Vorstellung Hollywood von seinem eigenen Publikum habe. Matt sagte dann, dass Hollywood seine Zuschauer fälschlicherweise für zu dumm hält. Und ich stimme ihm zu. Das Publikum will herausgefordert werden und Dinge selbst herausfinden. Sie hassen es, wenn ihnen alle Informationen einfach erzählt werden. Bei „A Quiet Place“ habe ich mich an seine Aussage erinnert und ihm in dieser Hinsicht absolut vertraut. Ich weiß natürlich alles über die Kreaturen, woher sie kamen und wie die Welt vorher aussah. Ich will niemanden frustrieren und erst recht nicht, dass die Leute den Saal verlassen und denken, sie hätten nichts verstanden. Am Ende war es ein reines Ausprobieren. Meine Rechnung ging Gott sei Dank auf, denn bei der ersten Testvorführung verstand das Publikum den Film auf Anhieb. Für mich war klar, dass sie es schätzen, nicht mit Informationen bombardiert worden zu sein.

Neben Informationen gehst du auch mit Dialogen äußerst sparsam um. Wie herausfordernd war die glaubwürdige Darstellung von Emotionen wie Panik oder Wut?

Emily (Blunt) hat mir gesagt, dass dies der unheimlichste Film sei, den sie je gemacht hat. Sie meinte, dass man normalerweise nur so tun müsse, als hätte man Angst. Aber sie würde sich vor dem, was im Film passiert, tatsächlich fürchten und zwar jede Nacht. Selbstverständlich nicht davor, dass Kreaturen unsere Kinder töten könnten. Eher, unsere Kids beschützen zu wollen und in manchen Situationen vielleicht nicht dazu in der Lage zu sein. Das ist die größte Angst vieler Eltern. Darum haben Emily und ich auf unsere persönlichen Erfahrungen zurückgegriffen, indem wir an unser neugeborenes Kind dachten, das wir stets in Sicherheit wissen und beschützen wollten. Um glaubwürdig zu sein, haben wir beide unsere eigene Angst eingesetzt. Im Fall der Kinder war ich total überrascht, wie gut sie mit ihren eigenen Emotionen umgehen konnten. Ich hätte nie damit gerechnet, dass sie so schnell so enorme Fortschritte machen würden, aber das haben sie.

Apropos Kinder: Regan wird von der tauben Schauspielerin Millicent Simmonds gespielt. Wie hilfreich war es für dich und den Film, jemanden am Set zu haben, der genau nachempfinden konnte, was in Regan vorgeht?

Ich habe darauf bestanden, dass wir eine Schauspielerin casten, die tatsächlich taub ist. Und das nicht nur aufgrund der deutlich glaubwürdigeren und vor allem ehrlicheren Porträtierung, weil sie jeden Tag in einer Welt lebt, von der sie nichts hört. Viel mehr als das brauchte ich eine Führung, um genau nachvollziehen zu können, wie es sich anfühlt, die einzige Person in einer Familie zu sein, die nicht hören kann. Wir wollten genau wissen, wie der Tagesablauf aussieht, wenn man nicht dazu in der Lage ist, Geräusche anderer wahrzunehmen. Millicent (Simmonds) war in dieser Hinsicht extrem hilfreich und verständnisvoll. Das mag sich jetzt merkwürdig anhören, aber ich habe es noch nie erlebt, dass eine Person absolut alles von mir auffasst, wenn ich spreche. Sie ist so bewundernswert und unfassbar nett. Sie beobachtet jede deiner Handbewegungen und all deine Gesichtsausdrücke ganz genau. Sie studiert quasi dein Wesen. Sie weiß, was in dir vorgeht. Selbst dann, wenn du nur so dastehst. Das ist unglaublich.

Die Figuren im Film müssen erfinderisch werden. So muss Lee ein neues Hörgerät für Regan bauen. Wie erfinderisch musstest du für "A Quiet Place" werden?

Der Schlüssel war, "A Quiet Place" nicht einfach nur als Genrefilm zu sehen. In erster Linie habe ich versucht die Geschichte aufzufassen, und das funktioniert nur dann, wenn man sich auf Einzelheiten fokussiert. Als Filmemacher muss man auf so viele Details achten. Das übt eine Menge Druck aus, aber gleichzeitig macht es auch unglaublich viel Spaß. Meine Figur Lee versucht einfach zu überleben, während Evelyn viel mehr als das anstrebt. Sie will leben. Aus Sicht des Familienvaters geht es hauptsächlich darum, seine Liebsten zu beschützen. Die Mutter dagegen versucht ihren Verstand und das Leben zu erweitern. Darum gibt es Heimunterricht, eine warmherzige Umgebung und dekorierte Zimmer. Die Kids sollen trotz harter Umstände das Recht dazu haben, nicht nur Überlebenskünstler, sondern auch Kind sein zu dürfen.

Mal angenommen die Welt aus "A Quiet Place" wäre real: Welche lauten Aktivitäten würdest du am meisten vermissen?

Ziemlich jede Art von körperlicher Aktivität. im Film gibt es nicht wirklich viele Sportarten oder Spiele, die man ausüben kann. Das würde mir wohl am meisten fehlen, mich frei zu fühlen.

Und das Filmemachen, nehme ich an.

Ganz genau!

Was ist mit noch nicht getätigten Aktivitäten, die aber noch auf deiner Liste stehen? Im Film setzt sich Marcus beispielsweise in einen Wagen und tut so, als würde er fahren. Er weiß aber, dass er das nie wird machen können. Was von den Dingen, die du unbedingt noch ausprobieren möchtest, könntest du nicht mehr tun, wenn wir uns in die Welt von "A Quiet Place" begeben?

Wow, das ist eine gute Frage! (denkt nach) Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht. Aber vermutlich ziemlich alles, was ich mit meinen Kindern mache. Es ist nicht immer einfach sie ruhig zu halten. Ich zwinge sie auch nicht gerne dazu, speziell wenn sie eine gute Zeit haben, lachen, schreien und einfach Spaß haben. Es wäre traurig, irgendetwas in diese Richtung verpassen zu müssen.




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