Michael, seit dem ersten Film sind 28 Jahre vergangen. Inwiefern hat sich deine persönliche Beziehung zum Franchise in der Zwischenzeit verändert oder entwickelt?

Die größte Veränderung war, dass die Drehbuchautoren, die das Original geschrieben und produziert haben, nach dem vierten Teil nicht mehr länger involviert waren. Und das bedaure ich zutiefst, da ich sie geliebt habe. Aber leider ist man sich mit Universal Pictures nicht mehr einig geworden und so kamen für „Tremors“ 5 und 6 mehrere neue Autoren an Bord. Obwohl die ursprünglichen Autoren weg waren, gab es trotzdem noch jemanden, den ich von früher kannte - er muss glaube ich beim dritten Teil mitgewirkt haben. Jedenfalls brachte das einige Änderungen mit sich und meine Figur Burt wurde immer mehr in den Vordergrund gerückt. Aber es musste ja so kommen, schließlich waren alle anderen inzwischen ausgestiegen. (lacht)

Kevin Bacon wurde zwar gefragt, ob er einen zweiten Film machen würde, und Fred Ward kehrte im Nachfolger zum Erstling tatsächlich zurück. Alle anderen sind aber leider Geschichte. Ich für meinen Teil liebe die Figur, weil sie sowohl Humor und Intelligenz besitzt. Deswegen wollte ich auch jedes Mal zurückkehren. Aber der erste größere Knick fand schon beim vierten Film statt. Immerhin gingen danach 13 Jahre ohne neuen Film ins Land. Die Stilrichtung war damals eine völlig andere, ebenso das Publikum und dessen Beziehung zum Medium Film.

Welches war die größte Entdeckung, die du in den letzten 28 Jahren über deine Figur gemacht hast?

Die Entwicklung fand vor allem im Drehbuch statt. Burt gerät jetzt in ganz andere, viel umständlichere Lagen - persönlichere, um genau zu sein. In „Tremors“ 5 war die große Entdeckung beispielsweise die, dass Burt einen Sohn hat. Zu erfahren, dass ausgerechnet er, ein von der Gesellschaft und anderen Menschen belächelter Mann, eine Familie haben soll, sorgte bei ihm für ordentliches Herzrasen. Er wollte sein eigen Fleisch und Blut unbedingt kennenlernen und Zeit mit ihm verbringen. Er ist einsam und das merkt man auch. Dieses Thema wollten wir einfach unterbringen. Und in „Ein kalter Tag in der Hölle“ befassen wir uns mit der Sterblichkeit.

Die Frage war: Wie bringen wir einen solchen Kontrollfreak, der alles und jeden um sich herum kontrollieren will, dazu, diese Eigenschaft an eine andere Figur abzutreten? Dieses Mal wird er gesundheitlich stark herausgefordert und deshalb kann er nicht alles selbst regeln. Wir versuchen ihn auf persönlicher Ebene jedes Mal neu herauszufordern. Aber natürlich auch beruflich, was so viel bedeutet, dass es die Graboiden sind, die ihn immer wieder auf Trap halten. (lacht) Aber im Grunde geht es auch darum, seine inneren Dämonen zu bekämpfen.

Das hört sich alles so an, als hättest du beim Drehbuch ein Wörtchen mitzureden, was deine Figur betrifft.

Ja, einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung meiner Figur hatte ich tatsächlich. Aber ich kann natürlich nur so viel tun, wie es mir als Schauspieler möglich ist. Ich bin kein Produzent. Es gibt so viele Leute über mir, die entscheiden, welche Richtung der jeweilige Film einschlagen und wie das Drehbuch geschrieben werden soll. Aber Universal Pictures war richtig freundlich und hat sich meine Vorschläge angehört. Sie gaben mir das Gefühl, dass sie sich wirklich für meine Ideen und Burt interessieren. Das gibt einem natürlich ein gutes Gefühl, weil ich mit meiner Figur eine Menge Zeit verbracht habe und sie bestens kenne. Ich muss aber zugeben, dass ich an meiner Performance immer etwas auszusetzen habe, das mich fast in den Wahnsinn treibt. Dann würde man die Szene am liebsten jedes Mal neu drehen. Das passiert mir bei jedem Film. (lacht) Damit will ich nur zum Ausdruck bringen, dass ich manchmal meine eigenen Entscheidungen oder Gedanken anzweifle.

Wie gesagt, die Reihe existiert seit 28 Jahren. Was glaubst du, wie sie in einer so kurzlebigen Zeit fast drei Jahrzehnte überleben konnte?

Das Genre an sich ist schon sehr merkwürdig. Es gibt zwar Horrorelemente, aber die „Tremors“ Filme könnten genauso gut Cowboy-Western sein. Zudem bieten sie eine Menge Action und Humor. Das ist schon ein sehr ungewöhnlicher Mix. Daher lässt sich das Franchise nicht so leicht in eine Schublade stecken oder definieren. Aber wirklich erklären kann ich den anhaltenden Erfolg nicht. Ich vermute, dass der erste Film damals so durch die Decke schoss, dass die Fans einfach Nachschub haben wollten. Sicher waren sie auch von Burt begeistert, da er einen einsamen, amerikanischen Militärhelden wie John Wayne oder Clint Eastwood porträtiert. (lacht)

Das waren auch Einzelgänger. So muss es aber wohl auch sein, wenn dein Leben nur darin besteht, böse Jungs zu verdreschen. Ähnlich wie bei „The Winning of the West“ haben wir mit Burt eine Figur, die sich der Regierung widersetzt und die Einstellung vertritt, niemanden zu brauchen. Wir alle würden uns doch auch wünschen, so zu sein. Dabei sind wir ganz anders. (lacht) Aber sicherlich wären wir auch gerne so.

Wurde in diesem Teil wieder mehr mit Animatronics gearbeitet?

Ja, hier und da gab es welche. Aber die ganz großen Viecher, die man im Film zu Gesicht bekommt, sind computeranimiert. In einer der letzten Szenen haben wir aber tatsächlich noch mit einem dreidimensionalen Modell gearbeitet. Wir setzen also immer noch auf handgemachte Effekte, so wie es sie in „Tremors“ 1 gab. Nach jedem neuen Film kam zwar immer mehr CGI zum Einsatz, aber Animatronics sind nach wie vor ein Bestandteil der Reihe.

Mal angenommen, du würdest in der Welt aus „Tremors“ leben: Würdest du eher die Graboids in der Luft oder die im Sand fürchten?

(überlegt) Das ist interessant. Ich schätze, ich hätte mit beiden meine Schwierigkeiten, aber ich kann mich irgendwie gerade nicht entscheiden. (lacht) Die im Sand würden mir wohl immer noch den größten Schrecken einjagen. Wir halten den Boden alle für sicher, aber in einer Welt, in der es Graboiden gibt, ist das schlichtweg nicht der Fall. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich ziemlich gut damit identifizieren kann. Ich lebe in Kalifornien, wo es immer wieder mal Erdbeben gibt. Daher gerate ich jedes Mal ins Zittern, wenn sich der Boden unter mir bewegt. (lacht)

„Tremors 7“ wurde bereits angekündigt. Wie stellst du dir den nächsten Ausflug nach Perfection vor?

Ich habe tatsächlich einen Wunsch für die Fortsetzung. Ich würde gerne zurück zu den Wurzeln gehen, also zum Original und den drei ersten Fortsetzungen. Es gab da ein paar Grundlagen, die ich seither etwas vermisse. Aber auch was Burt betrifft, habe ich mir schon einige Gedanken über ihn und seine neuen, persönlichen Herausforderungen gemacht. Wir überlegen uns auch immer wieder, wie wir die Monster neu erfinden können. Aber ob meine Ideen jemals umgesetzt werden? Wer weiß. Doch die Tatsache, dass „Tremors“ 7 bereits diskutiert wird, freut mich sehr, da somit unsere Kreativität schön in Takt bleibt.




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