Johannes, der erste Teil ist bereits zehn Jahre her. Hattest du keine Bedenken, dass der Zug für eine Fortsetzung längst abgefahren sein könnte?

Doch! Im Grunde war es viel zu spät für ein Sequel, aber auch zu früh für ein Reboot. Daher befanden wir uns in einer kleinen Zwickmühle. Vor fünf Jahren hätte es sich vom Timing her noch richtig angefühlt, einen Nachfolger zu drehen. Aber wir haben nach eifriger Überlegung und trotz der großen Lücke den Entschluss gefasst, das Fortsetzen der Geschichte einem Neustart vorzuziehen. Wie wir das anstellen würden, wollte jedoch gut durchdacht sein, denn schließlich war die Zielgruppe solcher Filme bei der Veröffentlichung des Vorgängers noch viel zu jung, um ihn zu kennen oder im Kino gesehen zu haben. Vielleicht sind sie mal beim Zappen über ihn gestolpert, aber es war trotzdem etwas, das wir berücksichtigen mussten.

Dies ist das erste Mal, dass du das Franchise eines anderen Filmemachers übernommen hast. Wie herausfordernd war es, gleichzeitig das Original zu ehren und dem Sequel deine eigene Note zu verpassen?

Das hat sich alles mit der Zeit ergeben, während der ich am Film gearbeitet habe. Ich bin ein großer Fan vom Original, obwohl ich kein Freund von Slashern oder Home Invasion-Thrillern bin. Daher war es natürlich spannend, einen Film zu machen, der sich trotz erzählerischer Abweichung so anfühlt, als würde er in die Welt aus dem ersten Teil gehören. Noch spannender war es aber, mit meinen bevorzugten Elementen wie dem Zurückschlagen der Familie zu spielen. Ich wollte mit dem Sequel ein 80er Jahre Feeling erzeugen. Ganz einfach aus dem Grund, weil das meinem persönlichen Geschmack entspricht. Es ist dennoch immer noch ein "The Strangers", aber eben auch etwas Eigenes.

Wie viel hast du am Drehbuch von Bryan Bertino geändert?

Sein Drehbuch wanderte lange Zeit von einem Schreibtisch zum nächsten. Bis irgendwann Ben Ketai an Bord kam und es für uns umschrieb. Ich wollte einen Film im Stile von John Carpenter auf die Beine stellen. Ich war mir sicher, dass wir auf diese Weise etwas sehr Interessantes hinkriegen würden.

Entspricht es der Wahrheit, dass eine frühe Drehbuchfassung die Rückkehr von Liv Tylers Figur Kristen McKay vorsah?

Ich habe so ziemlich alle Fassungen gelesen, die auf Papier gebracht wurden. Als ich das Franchise in die Finger bekam, wollte ich natürlich wissen, was sich in den vergangenen zehn Jahren alles angehäuft hat. Kristen tauchte in keinem der vielen Entwürfe auf. Obwohl: eine Fassung gab es tatsächlich, in der sie wieder dabei war - aber es war ein katastrophales Skript, wirklich furchtbar!

Lass mich raten: Sie ging in der Fassung nach ein paar Minuten drauf, richtig?

Ganz genau! (lacht)

Wie hilfreich war es, all das, was du an Slashern und Home Invasion Filmen nicht magst, in etwas für dich Zufriedenstellendes zu verwandeln?

Die Distanz zum Slasher-Kino konnte ich zu meinem Vorteil nutzen. Das Umsetzen eines Films, der die klassischen Regeln eines Slashers befolgt, aber mit persönlichen Einflüssen erweitert wird, macht eine Menge Spaß. In diesem Fall diente vor allem "Christine" als große Inspirationsquelle. Wir haben uns vom Home Invasion-Szenario verabschiedet und stattdessen mit Elementen aus "Christine" oder "The Fog" herumexperimentiert, was uns verdammt viel Spaß gemacht hat.

Mit "Christine" meinst du mit Sicherheit den Wagen.

Richtig! Horror lebt von erbarmungslosen Taten und emotionslosen Killern, die es nicht im Geringsten interessiert, was du zu sagen oder zu verlieren hast. Sie sind ohne Gnade und ziehen ihr Ding durch. Siehe Michael Myers oder Jason Voorhees. Sie sind im Grunde wie Dollface und Co. und morden, ohne sich von irgendwelchen Gefühlen in die Irre leiten zu lassen. Aber das Faszinierende am Wagen aus unserem Film ist, dass er bei jeder Erscheinung als gesichtslose und nicht menschliche Bedrohung wahrgenommen wird. Das verleiht den Szenen das gewisse Etwas.

In deinem Horror-Thriller "F" hast du die Killer nie unmaskiert gezeigt, ebenso wenig wie Bryan Bertino in "The Strangers". Wie einfach oder schwer fiel dir hier die Entscheidung, ob und welches Gesicht du entlarven möchtest?

Das ist sehr interessant. Bryan Bertino wollte die Gesichter der Killer schon immer zeigen. Im ursprünglichen Ende seines Films legten die Mörder nämlich ihre Masken ab. Doch irgendwann war er auf einmal der Ansicht, dass man die Gesichter doch nicht enthüllen sollte, obwohl es ihn sehr gereizt hat, was das eigentlich für Leute sind. Das Drehbuch zum Sequel sah nie vor, eines oder mehrere der Gesichter zu zeigen. Aber der Moment, während dem eines der Gesichter zum Vorschein kommt, fühlte sich beim Drehen einfach richtig an. Das war so eine Gefühlssache.

Abschließend würde es uns noch interessieren, wie der aktuelle Stand bei "48 Meters Down" ist.

Im Moment sieht es ganz danach aus, als könnten wir im Verlauf des Jahres mit den Dreharbeiten beginnen. Wir kommen wirklich sehr gut voran und mögen unsere Prämisse, die eine Gruppe von Frauen in ein von Haien besetztes Unterwasserhöhlensystem schickt. Ein unheimlicher Gedanke!




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