Monster – Ryan Murphy wehrt sich gegen Kritik von Erik Menendez

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Am 20. August 1989 haben die beiden Brüder Lyle und Erik Menendez ein Verbrechen begangen, für das sie noch immer im Gefängnis sitzen; sie haben ihre Eltern ermordet und behaupten bis heute, dass ihre Tat eine Reaktion auf Missbrauch gewesen sei.

Inzwischen wurde dieser Abschnitt ihres Lebens von Ryan Murphy, dem Mann hinter American Horror Story und American Horror Stories, verfilmt und als Serie auf Netflix veröffentlicht. Diese trägt den Titel Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez und will als indirekter Nachfolger von Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer verstanden werden. Das Ziel sei es, mit jeder Staffel einen anderen True Crime-Fall abzuarbeiten.

Nun also die Geschichte der Gebrüder Menendez. Doch wie viel Wahrheit steckt in Murphys Produktion? Laut Erik Menendez, der sich auf Social Media via Ehefrau Tammi Menendez zu Wort meldete, herzlich wenig: «Ich dachte, die Zeiten der Lügen und zerstörerischen Darstellungen meines Bruders Lyle seien endlich vorüber, doch auch die Serie ist in dieser Hinsicht mehr als unverschämt», ist sich Menendez sicher.

Jetzt auf Netflix: Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez

«Das haben die mit Absicht getan. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ryan Murphy derart naiv ist und falsche Informationen verbreitet, ohne dabei böswillige Absichten zu haben. Es ist traurig, dass Netflix mit diesem Format die Wahrheit erneut verschleiert und uns in eine Zeit zurückversetzt, in der man in der Gesellschaft noch davon ausging, dass Männer keine Opfer von Missbrauch sein können oder das Trauma solcher Erfahrungen anders verarbeiten als Frauen.»

«Diese Lügen wurden inzwischen von unzähligen und mutigen Opfern entlarvt, die ihre Schamgefühle seit geraumer Zeit beiseitelegen und die Wahrheit aussprechen. Reicht die Wahrheit denn nicht? Wieso muss Murphy zwei Jahrzehnte der Entwicklung wieder ungeschehen machen, indem er ein falsches Licht auf Kindesmissbrauch wirft?»

«Ich kann nur hoffen, dass niemals in Vergessenheit gerät, dass durch Gewalt gegen Kinder heimlich Verbrechen entstehen, auch wenn sie keine Lösung und sehr tragisch sind», so Menendez. Und was meint Murphy zu diesen ganzen Anschuldigungen? Er wehrt sich in einem offiziellen Statement via Entertainment Weekly: «Es ist echt interessant, dass er die Serie verurteilt, ohne sie gesehen zu haben», sagt Murphy.

Ryan Murphy verteidigt seine Recherchearbeit

«Zu wissen, dass dein Leben verfilmt wurde und von der gesamten Welt am TV verfolgt werden kann, muss hart sein. Er erwähnt aber mit keinem Wort, dass sich rund 60 bis 65% der Serie mit jenem Missbrauch auseinandersetzen, den er schildert. Wir waren da sehr vorsichtig und haben ihnen auch den Tag vor Gericht gewidmet, wo sie offen darüber geredet haben.»

«In einem Zeitalter, wo jeder über sexuellen Missbrauch reden, schreiben und Meinungen dazu haben kann, wird oft alles als kontrovers betrachtet. Aber in dieses Verbrechen waren letzten Endes vier Leute involviert, von denen zwei tot sind. Was ist mit den Eltern? Wir hatten auch ihnen gegenüber die Pflicht als Geschichtenerzähler, deren Sicht der Dinge zu porträtieren – und auch das haben wir recherchiert», so Murphy abschließend.

An dieser Stelle bietet sich womöglich ein kleiner Reminder an, dass am Ende des Tages ohnehin kein Biopic und auch kein True Crime-Format jemals die ganze Wahrheit erzählen kann und einiges an Fiktion unumgänglich ist. Außenstehende und Filmemacher können sich lediglich an Aussagen orientieren und müssen dann entscheiden, was davon sie als die Wahrheit erachten. Und für Menendez ist Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez eine Lüge.

©Netflix

Geschrieben am 25.09.2024 von Carmine Carpenito