Moviebase Rupture

Rupture
Rupture

Bewertung: 55%

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Originaltitel: Rupture
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 20.01.2017
DVD/Blu-Ray Verleih: 20.01.2017
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 97 Minuten
Studio: Splendid Film
Produktionsjahr: 2016
Regie: Steven Shainberg
Drehbuch: Steven Shainberg
Darsteller: Noomi Rapace, Peter Stormare, Kerry Bishé, Michael Chiklis, Ari Millen

Wenn ausländische Produktionen den deutschen Markt erreichen, stolpert man nicht selten über skurrile Titelabwandlungen und -zusätze. Auch Steven Shainbergs jüngste abendfüllende Regiearbeit „Rupture“ kommt hierzulande mit erklärenden Hinweisen in den Handel. „Überwinde deine Ängste“ heißt es auf dem Cover, womit die Marketingstrategen die Thriller-Aspekte des Films betonen wollen. Etwas unglücklich ist allerdings, dass die Ergänzung bestimmte Handlungselemente zu entzaubern droht. Ohne die Titelfußnote würde das erste Drittel möglicherweise noch geheimnisvoller wirken, in dem der Zuschauer ähnlich wie die Hauptfigur von unerklärlichen Geschehnissen überrollt wird.

Während die Kamera am Anfang mit einem langsamen Schwenk eine beschaulich daliegende Siedlung zeigt, setzt die Tonspur bereits andere Akzente. Unheimliche Klänge künden kommendes Unheil an, das sich wenig später auch optisch in bedrohlichen Überwachungsbildern bemerkbar macht. Renee (Noomi Rapace), die von ihrem Mann getrennt ist und mit ihrem leicht erregbaren Sohn (Percy Hynes White) zusammenlebt, steht offenbar unter dauerhafter Beobachtung und wird kurz darauf bei einem Pannenstopp angegriffen, in einen Lastwagen gezerrt und angekettet. Ihre Entführer (unter anderem Michael Chiklis und Lesley Manville) gehen routiniert und systematisch vor, wollen aber nicht verraten, warum sie Renee gefangen nehmen. Nach einer längeren Fahrt wird sie schließlich in ein ranziges Lagerhaus gebracht, wo andere Opfer, eingesperrt in Zellen, bereits auf ihr Schicksal warten.

Ab und an geraten Werkzeuge in den Blick, die auf drastische Foltermethoden schließen lassen. Torture-Porn-Ambitionen in „Hostel“-Manier hegt Shainberg allerdings nicht. Viel wichtiger ist dem Regisseur und Drehbuchmitverfasser (Koautor: Brian Nelson) die Etablierung einer beklemmend-mysteriösen Atmosphäre. Fallen die Anfangsszenen noch recht natürlich aus, entwickelt der Film spätestens mit Renees Ankunft im Fabrikkomplex surreale Qualitäten. Künstliches rotes, blaues und lilafarbenes Licht lässt das unübersichtliche, aus vielen Gängen und Zellen bestehende Gebäude unwirklich erscheinen. Passend dazu verhalten sich die Kidnapper – zu denen Kerry Bishé und Charakterkopf Peter Stormare hinzustoßen – überaus merkwürdig. Ihre leicht entrückte Art zu sprechen offenbart ein zunächst nicht fassbares Sendungsbewusstsein. Und auf dem Programm der Entführten stehen ausführliche Befragungen, die einem wissenschaftlich-medizinischen Interesse dienen.

Was genau im Inneren der Anlage vor sich geht, findet Renee nur langsam heraus. Unter anderem, indem sie mit einem Mitgefangenen über das Lüftungsgitter kommuniziert. Die Kamera klebt fast ausschließlich an der Protagonistin, gewährt uns also keinen größeren Überblick, sodass man sich zwangsläufig mit ihr und ihrem Leiden identifiziert. Renees Ausbruchsversuche sind vorhersehbar, lassen den Betrachter aber vor allem deshalb mitgehen, weil Hauptdarstellerin Noomi Rapace als wehrhafte Überlebenskämpferin glaubwürdig agiert. Panik und Unsicherheit spielt die durch Stig Larsons „Millenium“-Trilogie bekannt gewordene Schwedin ebenso überzeugend wie wilde Entschlossenheit, mit der Renee im Gegensatz zu anderen Verschleppten Fluchtmöglichkeiten erforscht.

Je weiter die Handlung voranschreitet, umso weniger ist zu übersehen, dass das Drehbuch etwas auf der Stelle tritt. Bestimme Spannungsszenarien wiederholen sich in leicht abgewandelter Form. Und die Macher scheinen die Raffinesse ihrer Geschichte ein bisschen zu überschätzen. Die Auflösung der Entführungshintergründe sorgt für Unwohlsein, ist, gemessen an der vorher betriebenen Geheimniskrämerei, aber nicht originell genug. Was den Zuschauer nachhaltig erschüttern soll, wirkt letztlich nur bedingt verstörend. Wohl auch, weil sich die Kidnapper am Ende zu sehr in bedeutungsschwangerem Geschwätz verlieren. Wer nicht gerade panische Angst vor Spinnen hat, wird diesen ordentlichen, allerdings spürbar ausbaufähigen Horrorthriller ohne allzu heftige Furchtattacken überstehen.

>> von Christopher Diekhaus

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