Moviebase Devil's Pass

Devil's Pass
Devil's Pass

Bewertung: 60%

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Originaltitel: The Dyatlov Pass Incident
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 28.01.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 23.12.2013
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 106 Minuten
Studio: Aldamisa Entertainment, K. JAM Media, Midnight Sun Pictures
Produktionsjahr: 2012
Regie: Renny Harlin
Drehbuch: Vikram Weet
Darsteller: Richard Reid, Matt Stokoe, Holly Goss, Luke Albright

Der Found-Footage-Horror ist aus der heutigen Zeit kaum mehr wegzudenken und dient Produktionsstudios immer wieder als sichere Einnahmequelle bei relativ geringen Herstellungskosten. Zuletzt versuchte sich Oscar-Preisträger Barry Levinson mit „The Bay“ mit mäßigem Ergebnis am Genre, nun steigt auch Renny Harlin mit der eigenen Aufbereitung einer wahren Begebenheit ein.

Dabei kehrt der Regisseur von „Cliffhanger“, „Stirb langsam 2“, „Deep Blue Sea“ oder auch „Nightmare on Elm Street 4“ gewollt oder ungewollt zu den Wurzeln des Subgenres zurück. Denn sein „Devil’s Pass“ liefert nicht nur eine auffallend ähnliche Thematik wie der Gründerfilm „Blair Witch Project“ von 1999, sondern sogar eine nahezu identische Herangehensweise. Offenbar scheint Harlin getreu dem Motto „Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht“ zu handeln. Das gelingt ihm bisweilen auch ganz gut, doch dann rutscht er auf dem eisigen Schnee des Uralgebirges schließlich komplett ins Absurde ab.

Schon das wahre Unglück aus dem Jahr 1959 lässt einem allein beim Nachlesen kalte Schauer den Rücken hinunterlaufen. Damals begab sich eine Gruppe aus zunächst elf Studenten auf eine Expedition zum russischen Berg Otoroten. Angekommen sind sie da aber nie. Tage später fand man ihre Leichen und das Equipment, was den Ermittlern Rätsel aufgab. Ein Zelt wurde von innen aufgeschlitzt und die Unterkühlungen an den Leichnamen wiesen daraufhin, dass die Gruppe die Zelte barfuß und in Unterwäsche bekleidet verlassen hatte – bei Temperaturen von bis zu -30° Grad. Außerdem wurde bei der Obduktion radioaktive Strahlung an einem Körper festgestellt. Bis heute kann niemand erklären, was sich dort im Schnee abgespielt hat. Renny Harlin stellt zusammen mit Drehbuchdebütant Vikram Weet nun seine ganz individuelle Theorie auf.

Zunächst werden – und hier lassen sich die Parallelen zum bereits angesprochenen „Blair Witch Project“ direkt erkennen – die engagierten Studenten im Wechselspiel mit Experten-Interviews vorgestellt. Dank der sich rapide verändernden Technikwelt sehen wir die Bilder 14 Jahre nach der Hexenjagd von Eduardo Sánchez und Daniel Myrick in gestochen scharfen HD-Bildern und ohne großes Ruckeln. So müssen wackelkamera-phobe Zuschauer nicht gleich das Weite suchen. Sonst jedoch hat sich nicht viel verändert. Wir begleiten das fünfköpfige Team auf seiner Reise zum sagenumwobenen Dyatlov Pass und auf der Suche nach Gesprächspartnern. Einige von denen wirken zwielichtig, andere geben sich als selbsternannte Besserwisser.
 
Wer mit Found-Footage-Filmen bisweilen eh schon wenig anfangen konnte, wird wohl auch an „Devil’s Pass“ keinen Gefallen finden – obwohl der Ausgangspunkt ein sehr interessanter ist. Spannend wird es vor allem dann, wenn die Studenten nachts auf der endlos weiten Schneedecke ihr Lager aufschlagen und die seltsamsten Geräusche zu hören meinen. Mysteriöse Schneespuren und abgetrennte Gliedmaßen, die auf Hochständen liegen, tun ihr übriges. Aufmerksame Zuschauer werden in einer solchen Szene bereits recht früh einen Hinweis auf einen entscheidenden Wendepunkt in der Handlung erkennen.

Zwei Drittel der Laufzeit gibt Regisseur Harlin den Reiseleiter eines zwar nicht innovativen, aber dennoch gelungenen und kurzweiligen Trips. Freilich: Von den Figuren erfahren wir wenig bis gar nichts, können nur durch deren Verhalten Sympathien entwickeln. Doch der eingestreute trockene Humor und die einwandfreien Bilder machen das Unterfangen zu einem anschaulichen Szenario. Bis Renny Harlin aufs Finale zusteuert und damit die nachvollziehbare Ausgangslage komplett auf den Kopf stellt. Plötzlich verlässt die Geschichte ihr bis dato authentisches Grundgerüst und driftet in Science-Fiction ab, holt sich zur Verstärkung sogar noch ein weiteres, ungeklärtes Phänomen aus dem Zweiten Weltkrieg hinzu. Ungereimtheiten übernehmen das Zepter, die bis dahin aufgebaute Stimmung ändert sich schlagartig.

Das, was Autor Weet als Lösung für die merkwürdigen Vorkommnisse am Dyatlov Pass präsentiert, hinkt gewaltig und wirkt vollkommen fehl am Platze. Konnte man der Erzählung bis zum absurden Finale ohne Probleme Glauben schenken, geht die Fantasie hier mit den Filmemachern durch. So wird aus dem anfänglichen schneeweißen „Blair Witch Project“ mit einem Mal eine Mischung aus „Chernobyl Diaries“ und „Stargate“ – ein haarsträubender Stilbruch. Renny Harlin beweist mit seinem „Devil’s Pass“, dass der Ursprung aller Found-Footage-Filme immer noch hoch im Kurs steht. In der ersten Stunde überzeugt die Expedition mit ihren unverkrampft spielenden Darstellern und packenden Momenten im Gebirge. Dann aber verkommt das Werk zu einem unerklärlichen Genremix, dem der Authentizitäts-Faktor völlig abhanden gerät.

>> verfasst von Janosch Leuffen

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