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BlairWitch.de: Lin, du wurdest in "Insidious 3" von der Neben- zur Hauptdarstellerin befördert.

Lin Shaye: Das ist so aufregend! Ich glaube, so glücklich war ich noch nie in meinem Leben. Und so was jetzt noch sagen zu dürfen, ist etwas ganz Wunderbares. Schließlich bin ich fast 104 Jahre alt. (lacht) Aber Spaß beiseite, ich liebe die Leute, die involviert sind, die Geschichte und meine Figur. Ich verspüre so viel Dankbarkeit und hoffe, dass den Fans der Film gefällt. Ich drücke die Daumen.

Dieses Mal wird die Vorgeschichte erzählt. Gab es nie irgendwelche Bedenken? Denn egal wie brenzlig es wird: Man weiß, dass Elise auf jeden Fall überlebt.

Für uns ist das inzwischen zum Running Gag geworden. James Wan bereute es, meine Figur im Erstling getötet zu haben, weil Elise von vielen gemocht wurde. Aber dann hat er sich wieder daran erinnert, dass es sich hierbei um eine Geistergeschichte handelt und darin kann so gut wie alles geschehen. Und so fand er einen Weg, wie er mich in die Fortsetzung integrieren konnte. Dort tauche ich ja im Verlauf des Films in der Geisterwelt auf. Anschließend haben wir uns überlegt, dass ein Prequel die ideale Lösung wäre, um Elise zurück in die Welt der Lebenden zu holen. Dafür bin ich ihm und seiner Crew sehr dankbar. Diese Reise in die Vergangenheit öffnet uns zahlreiche Türen, da der Film im Jahr 2008 spielt. Sollte das Prequel erfolgreich genug sein, können wir so mehr Filme drehen, die inhaltlich vor dem Original angesiedelt sind. Oder wie James Wan so schön sagt: „Niemand will eine tote Lin Shaye sehen – alle wollen eine lebende Lin Shaye sehen, mit all ihrer Macht und wie sie wirklich ist!“ (lacht) Das neueste Kapitel legt einen großartigen Grundstein. Man erlebt Elise am Tiefpunkt ihres Lebens. Und dann findet eine Entwicklung statt. Quasi vom Strick zum Elise-Outfit. (lacht) Ernsthaft, diesen Übergang bekommt man tatsächlich mit dem bloßen Auge zu sehen. (lacht) Für mich als Schauspielerin war es wundervoll, die Figur zu entfalten.

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Elise versucht nun erneut eine Familie zu retten, deren Kind heimgesucht wird. Welche Maßnahmen waren erforderlich, um dem Zuschauer nicht das Gefühl zu geben, lediglich eine Wiederholung oder eine Art „Best Of“ zu sehen?

Die eine Sache, die dieses Mal anders ist, ist, dass es sich weniger um einen Spuk und mehr um eine Besessenheit handelt. Leigh Whannell hat thematisch gesehen einen Film kreiert, der sich um Verluste dreht. Jeder im Film hat einen geliebten Menschen verloren. Und wir sprechen von erkennbaren Verlusten. Genauso wie der Dämon in diesem Kapitel erkennbar agiert. Der Designer kam auf Leigh Whannell zu und wollte wissen, woran er sich visuell orientieren soll. Als Antwort folgte die Frage: „Wie würde Krebs im Körper eines Menschen aussehen, wenn die Krankheit ein Gesicht hätte?“ Dieser Dämon verspürt eine gewisse Menschlichkeit, ganz anders als der Lippenstift-Dämon aus dem Erstling. Er fühlt sich daher nicht wie ein übernatürliches Wesen an, sondern eher wie eine Person. Und die wiederum will Besitz von einer anderen Person ergreifen. Der Film ist in vielerlei Hinsicht auch gewalttätiger als die anderen beiden und das auf zermürbende Weise. Man macht nämlich mit der tragischen Realität der einzelnen Figuren Bekanntschaft. Elise muss beispielsweise den Selbstmord ihres Mannes verkraften, der an Depressionen litt.

Quinn verlor ihre Mutter an den Brustkrebs. Das sind alles greifbare Probleme für die Zuschauer, da sie echt sind und keinen übernatürlichen Ursprung haben. Ich bin sicher, dass jeder im Publikum mitfühlen wird. Denn alle, egal ob jung oder alt, haben schon Verluste erlitten. Das macht den Film auch furchteinflößender, da man mit den weniger schönen Schicksalen des realen Lebens konfrontiert wird. Unser Ziel war es, darauf aufzubauen und unseren Dämon ebenfalls greifbar zu machen und ihn wie eine kranke Person aussehen zu lassen. Er wirkt richtig entsetzlich und wird hervorragend von Michael Reid MacKay porträtiert, der in „Se7ven“ den Victor spielte. Ich habe ihn am Set nie ohne das Make-up gesehen und er hat mir ordentlich Angst eingejagt. (lacht) Das war so was von schräg, als er am frühen Morgen mit seiner Maske erschien und allen anderen einen guten Morgen wünschte. Er sah so unheimlich aus, dass wir ihm fast schon aus dem Weg gehen wollten. (lacht) Ein wirklich wunderbarer und individueller Schauspieler.

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James Wan inszenierte neben dem Original und der Fortsetzung auch noch „The Conjuring“. Wie leicht oder schwer fällt es dir, Leuten wie Lorraine Warren Glauben zu schenken? Immerhin behaupten sie, die Fähigkeiten von Elise im wahren Leben zu besitzen.

Die Wahrheit ist doch, dass es so viele Dinge gibt, über die wir so wenig wissen. Wir Menschen haben im Grunde keine Ahnung von der spirituellen Welt. Deswegen jagt der Gedanke daran vielen Leuten auch so viel Angst ein. Das Ungewisse ist stets am Unheimlichsten. Aber Lorraine Warren und Elise, auch wenn es sich bei letztgenannter lediglich um eine fiktive Figur handelt, sind meiner Meinung nach sehr gute Zuhörer sowie Empfänger und verfügen über die notwendige Ausstattung, um einen Fuß in die andere Welt zu setzen. Ich betrachte das als Geschenk. Sie lassen zu, dass sich in ihnen eine Pforte öffnet, die in regulären Menschen verschlossen bleibt. Das liegt aber in unserer Natur und der Art und Weise, wie wir leben. Man kann schließlich nicht dauerhaft verletzlich sein, dazu passiert einfach viel zu viel. Menschen sind ängstlich. Daher blocken sie auch jegliche Option ab, sich der Geisterwelt zu öffnen. Lorraine Warren und Elise sind eben dazu in der Lage, dies zu tun. Und zwar für das Bessere sowie Schlechtere, denn man lässt sowohl das Positive als auch das Negative herein. Auf einem gewissen Level empfinde ich es als Gabe.

Man muss jedoch hart daran arbeiten, sie zu verwalten, wenn man so was wie Lorraine Warren oder Elise machen will. Aber eben, viele Menschen sind dem gegenüber sehr verschlossen und dadurch auch gegen alles ziemlich verwundbar. Unsere Gesellschaft wird von Brutalität angeführt. Von der Kommerzialisierung bis hin zum Fernsehen, der Technologie, den Smartphones oder dem Simsen. Jeder entscheidet selbst, wen oder was er in sein Leben lässt. Durch den Druck des Alltags, der auf uns lastet, sperren viele Menschen einen Großteil ihrer selbst einfach weg. Leute wie Elise oder Lorraine Warren werden mit der Begabung ausgestattet, über ein solch einfühlsames Instrumentarium zu verfügen. Ich bin keine Pessimistin. Ich glaube, alles ist möglich und real. Eben so real, wie alles andere. Wer weiß, was für Diskussionen geführt werden, wenn man Realität definieren müsste. Wir alle haben eine symbolische Ausrüstung und es selbst in der Hand, was gegenüber wir uns öffnen wollen. Und bei Lorraine Warren und Elise ist es ganz offensichtlich. (lacht)

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Lorraine Warren und auch Elise riskieren tagtäglich ihr Leben, um das von anderen zu retten. Wie viel Respekt und vor allem Verständnis hegst du gegenüber Menschen, die ihr eigenes Leben für das von Fremden auf das Spiel setzen?

Sie haben meinen allergrößten Respekt! Wir alle stammen vom gleichen Ort ab. So viel steht fest. Egal was für ein Ort, eine Energie oder ein Universum es auch sein mag und was Leben schenken sowie der Glaube an eine Seele bedeutet. Doch Menschen unterscheiden und verbarrikadieren sich vor dem Unbekannten. Die Leute sind von unfassbar viel Angst umhüllt. Sei es nun die Furcht vor dem eigenen Nachbarn, den Behörden, dies oder jenem. All das schränkt uns dabei ein, anderen etwas Gutes zu tun. Aber eigentlich könnte man nur davon profitieren, sich der Allgemeingültigkeit zu öffnen und das zu teilen, was wir gemeinsam erleben. Wir sind doch im Grunde nur ein kleiner Teil von einem großen Ganzen oder sogar ein kleines Nichts dessen. Wir sind streng genommen noch nicht einmal ein Punkt auf einer Landkarte. Wir hören immer wieder Menschen dabei zu, die die Bandbreite des Universums zu erklären versuchen. Aber was auch immer wir sind, was dieser Hauch Energie repräsentiert, Menschen werden trotz allem von ihrem Ego geleitet. Alles soll sich immer nur um einen selbst drehen. Man will immer besser sein als Person XYZ, aus welchen Gründen auch immer. Aber wir befinden uns letztlich dennoch alle im gleichen Topf.

Deshalb habe ich viel Achtung vor Menschen, die sich dessen bewusst sind, diese Blockade durchbrechen und bedürftigen Leuten unter die Arme greifen. Wenn man jemandem in die Augen blickt, egal wem, kann man etwas erkennen - es sei denn, der- oder diejenige macht die Schotten dicht. Am Ende sind die Augen allerdings das Tor zur Seele und daran glaube ich. Und wenn wir diesen einen Moment wahrnehmen, in dem wir erkennen, dass jemand an Schmerzen oder Angst leidet, sagt unsere darauf resultierende Aktion etwas über uns aus. Wir haben so viele Helden. Man nehme nur mal Feuerwehrmänner als Beispiel, die durch das Feuer springen, um Menschen zu helfen. Oder auch andere Fälle, von denen man in den Nachrichten hört. Man fragt sich dann immer wieder selbst, ob man auch so eine Person wäre, die im Notfall alles Stehen und liegen lassen würde. Ich hoffe, ich wäre es. Aber Furcht steuert uns nun einmal. Und das wiederum beunruhigt mich, weil uns die Angst so im Grunde nur terrorisiert.

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Mal angenommen, die Geisterwelt aus „Insidious“ würde wirklich existieren, welche deiner Eigenschaften würde siegen: Neugierde oder Angst?

Ich hoffe Ersteres, befürchte jedoch Letzteres. (lacht) Es wäre schön, wenn in diesem Fall mein Mut, meine Neugierde und sogar mein Selbstwertgefühl die Überhand nehmen würden. Und natürlich die notwendige Furchtlosigkeit, in diese Welt einzutauchen. Im Bezug auf bestimmte Dinge in meinem Leben besitze ich die bereits. Aber ob das auch auf das plötzliche Verschwinden zutrifft? (lacht) Dafür bin ich wohl etwas zu sterblich. Aber ich mag es, meine eigene Spiritualität zu nähren. Ich bin eine ziemlich emotionale Person. Deshalb muss ich auch aufpassen, was ich jetzt sage, ansonsten fange ich an zu weinen. (lacht) Aber ich bin wirklich ein unglaublich gefühlsbetonter Mensch. So was hat seine Vor- und Nachteile. Ich liebe mein Leben und das Leben im Allgemeinen. Ich mag es hier einfach sehr. Wenn mir jemand anbieten würde, ewig hier zu bleiben, würde ich ohne Wenn und Aber dankend annehmen. Das würde ich wirklich. Wobei ich zur Absicherung trotzdem nach dem Ausgang fragen würde. (lacht) Aber ich liebe es hier so sehr. Daher bin ich mir auch unsicher, wie ich darüber denken soll, woanders zu existieren.

Genau aus diesem Grund liebe ich die Schauspielerei. Sie bietet die Möglichkeit, auf emotionaler Ebene jeden erdenklichen Ort zu besuchen. Man darf dann so tiefgründig, wütend oder traurig werden, wie man es eben sein muss. Man darf sich in der fiktiven Umgebung sicher fühlen, da man weiß, dass man danach wieder zurück nach Hause kann. Ich finde es großartig, einen Platz zu haben, an dem ich die Tiefe meiner Gefühle oder Philosophie erkunden kann. Ich bin mir allerdings unsicher, ob ich mich physisch an einen Ort begeben wollen würde, von dem es kein Zurück mehr gäbe. Ich wünschte, ich würde es wagen, glaube aber nicht, dass ich es auch sicher täte.

  • von Carmine Carpenito




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