Gehört ihr auch, wie unser Janosch, zu der Sorte von Horrorfans, die einfach jeden Gruselstreifen schon gesehen haben? Dann solltet ihr gut und gewissenhaft mal wieder Flagge zeigen und zu einem Buch greifen! Exklusiv bei BlairWitch.de präsentieren wir nämlich unsere erste Buchkritik. Sollte dieses Feature auf positive Resonanz stoßen (die fleißigen Kommentare-Schreiber sind herzlich eingeladen), werden wir BlairWitch.de um ein Kapitel erweitern. Nun aber erstmal viel Spass mit der Buchrezension "Herstellung des Grauens"!

 

Herstellung des Grauens

Diese Review ist eine besondere Review. Denn eigentlich ist es gar keine Review, sondern eine Rezension. Verwirrt? Zurecht! Wer denkt, „Herstellung des Grauens“ sei ein Horrorfilm, liegt leider falsch. Horror spielt zwar eine große Rolle, doch muss man sich diese erlesen. Ja, richtig, ich spreche von einer Lektüre. Und zugleich der ersten Lektürenbesprechung auf BlairWitch.de. Nicht nur im Kino oder auf dem heimischen Fernsehgerät lauert das Grauen, auch in und auf anderen Medien, wie zum Beispiel als Hörspiele auf CDs oder eben als Textform in Büchern. Der wissenschaftliche Aufsatz von Jung-Autor Jan C.L. König, der sich mit der Herstellung des Grauens und des Horrors in Filmen und Literatur beschäftigt, wird in dieser Rezension genauer unter die Lupe genommen.

„Ach, es gruselt mir..!“… aber warum eigentlich? Wie gelingt es einem Regisseur oder Autor, dass der Rezipient sich fürchtet? Und wie können Film und Literatur überhaupt diese Wirkung erzielen? Diese Arbeit beantwortet diese Fragen und bietet dem Leser eine umfassende Studie zur wirkungsorientierten Darstellung in Film und Literatur. Die klassische germanistische Wirkungsästhetik als Analysinstrument wurde für die Arbeit um Erkenntnisse aus Kommunikationswissenschaft und Psychologie erweitert, ins Besondere auch um die emotional-kognitiv basierte Rezeptionsforschung. Exemplarisch werden die einzelnen Wirkungsmechanismen und –komponenten des Films „The Fog – Nebel des Grauens“ von John Carpenter mittels einer wirkungsästhetischen Analyse entschlüsselt; zusätzlich werden die Ergebnisse mit weiteren Beispielen aus Film und Literatur belegt und verglichen, so dass diese Studie erstmals eine grundlegende Bearbeitung des Themas bietet. Eine ausführliche Abhandlung der Geschichte der Schauerfiktion rundet die Arbeit ab; Schnittlisten zur Erfassung der visuellen Rhythmik des Films liegen dem Buch in der Kartentasche bei.

Zu kompliziert? Mitnichten. Was uns der 21-jährige Autor in diesem Fachbuch erklärt, hat es zwar in sich, aber alle aufgezeigten Punkte sind ausführlich beschrieben, erklärt und nachvollziebar. Aber Vorsicht: Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist, wird seine Probleme bekommen, denn meist sind aufgeführte Zitate auf englisch und nicht übersetzt. Dennoch ist es von Anfang an interessant zu sehen, auf welche Ergebnisse Jan C. L. König in seiner Arbeit kommt. Welche Kameraperspektive setzt Carpenter bei „The Fog“ ein, was bewirkt diese, welche Rolle spielt die Musik und die Art der Schnittsequenzen? Alle Fragen werden umfassend untersucht und eigentlich auch immer zufriedenstellend beantwortet, ja sogar eine Verbindung zu altertümlichen Texten und Filmen wird in passenden Momenten hergestellt. Doch auch modernere Horrorfilme wie „Scream“ berücksichtigt der Autor bei seinen Vergleichen und Parallelen, so dass der ein oder andere „Aha“-Effekt beim Leser durchaus ausgelöst wird. Auch Freunde des Visuellen werden bedacht. Soweit vorhanden, wird Bildmaterial in die Erläuterungen und Untersuchungen mit eingebaut, demonstriert die Absicht des Autors dadurch besser. Der Leser bekommt durch die Illustrationen das Ergebnis deutlicher vermittelt, Missverständnisse, die an einigen Stellen eventuell im Text auftreten, werden dadurch gemindert.

Zum Schreibstil: Da es ein wissenschaftliches Fachbuch ist, finden sich lange, oftmals stark verwinkelte und komplizierte Satzbauten vor, die erst durch wiederholtes Lesen vollständig erfasst werden können. Zitate verwendet König sehr häufig, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Denn dadurch wird dem Leser erst einmal richtig bewusst, seit wie vielen Jahrhunderten es Formen von Grauen, Horror etc. schon gibt. Auch Fachsprache ist natürlich unumgänglich, teilweise auch recht schwierig und komplex. Doch das beigefügte Extra reißt das raus. Denn hinten im Buch befindet sich der ganze Film „The Fog“ – als analysierte Schnittliste; Action/Handlung, Kameraführung, Mis-en-Scene, Geräusche und Dialoge sowie Musik und die Einbettung dieser Elemente in den John Carpenter-Film werden genaustens beleuchtet und detailliert aufgeführt. Ein ganzer Film auf drei Bögen Papier: Eine klasse Idee.

Wer das Buch gelesen hat und danach den ein oder anderen im Buch behandelten Film ansieht, wird mit Sicherheit an die herausgestellten Ergebnisse und Thesen Königs denken und eventuell auch überprüfen, ob der Autor Recht haben könnte. Fazit: Ein sehr interessantes und detailliertes, aber auch recht komplexes und stellenweise schwieriges Werk. Romanleser einfach gestrickter Lektüren dürften ihre Probleme bekommen, Wissensdurstigen und wissenschaftlich Interessierten ist dieses etwas andere Horrorbuch zu empfehlen. Und was der erst 21jährige Autor Jan C. L. König mit seiner Analyse geschaffen hat, ist äußerst bemerkenswert.

>> verfasst von Janosch Leuffen

"Herstellung des Grauens" ist im Peter Lang Verlag erschienen.




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