The Ward

Du hast eine lange Pause vom Filmemachen genommen. Während dieser Zeit wurde eine große Anzahl von deinen frühen Filmen von jungen Regisseuren neu verfilmt. Mal abgesehen davon, wie du zu der Qualität dieser Filme stehst: War das nicht ein komisches Gefühl?

Nein, das war schon in Ordnung. Es war eigentlich recht interessant zu sehen, wie andere Filmemacher mit meinen Storys umgegangen sind, zu beobachten, wie sich ihre Entscheidungen von den meinen unterscheiden. Und nur weil sie sich unterscheiden, sind sie ja nicht weniger wert.

Haben dich diese modernen Versionen deiner älteren Filme denn dazu angespornt, auch wieder an einem Projekt zu arbeiten?

Nun, nach meinem letzten Film im Jahr 2001 war ich einfach fertig mit dem Filmbusiness. Ich wollte keine Filme mehr machen, ich hatte meine Liebe für das Kino verloren. Also hörte ich auf, zog mich zurück, auch aus persönlichen Gründen. Die Lust aufs Filmen entstand bei mir erst wieder im Verlauf der Serie "Masters Of Horror", deren Produktion mir enorm viel Spaß gemacht hat. Ich dachte mir: "Wenn das richtige Projekt auftaucht, sollte ich es annehmen." Dann las ich das Drehbuch zu "The Ward" und es war absolut perfekt für mich.


"The Ward" wirkt trotz seines modernen Looks vor allem thematisch wie ein "klassischer" Horrorfilm: Es geht um Irrenhäuser, einen Fluch, Geister... Was hat dich zu der Machart des Films inspiriert?

Die Machart,der Stil des Films muss immer anhand seines Inhalts gewählt werden. Bei "The Ward" handelt es sich um einen Ensemble-Film mit einem kleinen Cast in einer abgeschotteten Umgebung. Das ist bekanntes Terrain für mich. Also dachte ich, es würde Sinn machen dem Film einen klassischen Look – damit meine ich eine schnörkellose, direkte Art – zu verpassen.

Hast du dich dabei von einer bestimmten Periode des Horrorfilms oder sogar von bestimmten Filmen inspirieren lassen?

Nein, ich habe mich in diesem Fall nicht von anderen Filmen inspirieren lassen, ich habe mich komplett auf die Story verlassen.

Der Soundtrack beispielsweise schien mir teilweise stark von Argento-Filmen wie "Deep Red" und "Suspiria" beeinflusst zu sein...

Mein Composer bei diesem Film, Mark Kilian, ist sehr talentiert. Und tatsächlich habe ich ihn gebeten, sich einmal den Soundtrack zu "Suspiria" anzuhören, an dem er sich dann orientiert hat.

Wie sieht es denn mit deinen eigenen Filmen aus? Hast du dich an deinem eigenen Werk orientiert, vielleicht um den Fans nach der langen Pause mit deinem neuen Film sozusagen ein Gefühl von Kontinuität zu geben?

Nun ja, ich glaube, dass "The Ward" ein vielfach variierbares Thema behandelt: Menschen, die auf engem Raum gefangen sind und von irgendetwas bedroht werden. Das könnte man durchaus mit "Assault on Precinct 13" ("Das Ende") vergleichen, wo die Bedrohung von außen kommt. Bei "The Ward" kommt diese Bedrohung jedoch tatsächlich von innen. Das ist also eher eine Umkehr der alten Idee, mit der ich seit Jahren schon arbeite.


Ein wenig musste ich auch an "Halloween" denken: In beiden Filmen stehen weibliche Teenager im Vordergrund, der Killer erscheint wie der "Boogeyman" ständig scheinbar aus dem Nichts... Wolltest du hier einige deiner klassischen Motive wieder aufleben lassen?

An so etwas denke ich nicht, wenn ich Filme mache. Mir ging es bei "The Ward" um das geradlinige Erzählen einer Geschichte. Darüber hinaus hatte ich keinerlei Ambitionen.

Hast du denn gar keinen Druck von Seiten der Fans gespürt, ihnen "den" John Carpenter zurückzugeben, auf den sie so lange gewartet haben?

Also... (seufzt) … ich kann natürlich nicht so tun, als würde es meine alten Filme nicht geben. Die wird es immer geben. Aber: Nein, ich fühle keinerlei Druck.

Du verstehst aber sicher, dass sich viele Menschen auf deinen neuen Film gefreut haben und ihre Erwartungen dementsprechend hoch waren...

(gereizt) Tja, was soll ich dagegen machen?

Anderes Thema: Wie schätzt du die Veränderungen im Horrorgenre ein, die sich seit deines vorläufigen Ausscheidens entwickelt haben? Ist es schwerer geworden, den Zuschauern Angst einzuflößen?

Horror ist komplett im Mainstream angekommen. Es gibt große Erwartungen an neue Technologien, Special Effects und so weiter. Außerdem ist auch das inhaltliche Spektrum gewachsen: Es gibt alles von FSK12-Vampirstreifen bis hin zu Folterfilmen und Zombiekomödien. Horror ist nicht mehr der "Outlaw" unter den Genres, wie es zu meiner Zeit noch war.


Glaubst du denn, dass dieser Verlust des "Outlaw-Status" es für das Genre schwerer macht, seinen eigentlichen Zweck zu erfüllen: Die Zuschauer zu schocken und zu verängstigen?

Nein, das funktioniert immer noch. Das Zielpublikum hat sich einfach vergrößert. Es ist doch so: Die meisten Horrorfilme, die erscheinen, sind schlecht, ein paar sind in Ordnung und ganz, ganz wenige sind gut. Das hat sich nicht verändert.

Als du angefangen hast Horrorfilme zu drehen, gab es mit dir, Romero, Craven, Hooper und anderen eine echte Welle an Regisseuren, die das Genre für immer verändern sollten. Hast du das Gefühl, dass es zurzeit etwas annähernd Äquivalentes zu dieser damaligen Bewegung in Hollywood gibt?

Horror verändert sich mit jeder neuen Generation von Regisseuren. Immer wieder gibt es junge Regisseure, die sich dem Thema nähern, selbstverständlich mit anderen Werkzeugen als die Generation zuvor. Das sorgt dafür, dass das Genre wächst und sich stetig verändert.

Was ist denn mit solchen neuen Talenten wie Eli Roth, James Wan und so weiter, die unter anderem mit deinen Filmen aufgewachsen sind? Würdest du sie als legitime Nachfolger eurer Generation anerkennen?

Das sind alles junge Superstars, denen ich höchsten Respekt zolle. Weißt du, als ich anfing, gab es eine ganze Reihe von uns, die langsam in die Industrie Eingang fanden. Jetzt gibt es eben eine neue Generation. So ist das Leben.


Gab es in den letzten Jahren bestimmte Genre-Filme, die dich besonders begeistert oder sogar gegruselt haben?

Nein, nein, ich grusele mich nie im Kino. Ich weiß schließlich, wie die Mechanismen funktionieren. Gefallen haben mir aber "Let The Right One In" und das "Dawn Of The Dead"-Remake.

Wenn du die relativ kleinen Budgets deiner frühen Filme mit den absurd hohen Summen vergleichst, die junge Horrorregisseure in Hollywood heute zur Verfügung haben, verändert das deiner Meinung nach nicht auch das Wesen des Genres?

Es gibt viele Faktoren. Hauptsächlich aber liegt das an den Zeiten, in denen wir leben: Horror ist immer noch sehr populär und jede neue Generation von Filmemachern formt das Genre entsprechend ihren Vorstellungen.

Aber glaubst du denn, dass die höheren Budgets die Qualität der Filme verändern?

Das weiß ich nicht. Warum sollte mehr Geld die Filme besser machen? Es macht sie teurer, so viel steht fest.

Nicht unbedingt besser, vielleicht ja sogar das Gegenteil. Zu deiner Zeit war es mit großen Anstrengungen verbunden, das Geld für den eigenen Film aufzutreiben – man musste es wirklich wollen. Heutzutage bekommen junge Regisseure einen Batzen Geld in die Hand gedrückt, die vorher nicht viel mehr als ein paar Videoclips gedreht haben...

Das glaube ich kaum. Das Filmbusiness ist soviel härter geworden in den letzten Jahren. Der DVD-Markt ist geschrumpft, es gibt immer weniger Möglichkeiten im Mainstream, einen Film produziert zu bekommen. Meiner Meinung nach hat jeder Respekt verdient, der es trotzdem schafft.


Wie stehst du denn zu neuen Formen des Geschichtenerzählens, etwa Videospielen? Du hast ja selbst an einem mitgewirkt, "F.E.A.R. 3". Glaubst du, dass diese Medien das Kino letztendlich überflüssig machen könnten?

Videospiele sind einfach etwas völlig anderes. Sie sind keine künstlerische Konkurrenz fürs Kino, sie konkurrieren mit ihm nur um eines: Nämlich um dein Geld. Es macht viel Spaß, Videogames zu spielen, ich selbst bin geradezu süchtig nach ihnen. Aber ein Ersatz für Filme? Niemals!

Aber viele Spiele wirken mit ihren realistischen Bildern und komplexen Stories immer mehr wie echte Filme...

Mag sein, aber man spielt sie. Man schaut nicht nur zu. Das ist etwas völlig anderes – eine aktive im Gegensatz zur passiven Rolle im Kino. Das kann man also gar nicht vergleichen.

Wie sehen denn nun deine Pläne für die Zukunft aus? "The Ward" hat ja eher gemischte Kritiken bekommen – hat dich das entmutigt, auch weiterhin Filme zu drehen? Fühlst du dich vielleicht nicht mehr willkommen in der Szene?

Doch, ich bin sehr glücklich über meine Rückkehr und bin stolz auf den Film. Es ist ein ganz kleines Projekt, aber ich bin sehr zufrieden mit den dramatischen Aspekten des Films und den Leistungen meiner Schauspieler. Also freue ich mich schon sehr auf mein nächstes Projekt.

Kannst du denn dazu schon nähere Details verraten?

Ich arbeite zurzeit an mehreren Projekten, keine Ahnung, was dabei herauskommt.

>> geführt und verfasst von Tim Lindemann




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