Silent Hill 2Dein Film sollte als Fortsetzung zur Christophe Gans Adaption von 2006, aber auch als Verfilmung des dritten Silent Hill-Videospiels funktionieren. Wie schwierig war dieser Spagat?

Es wird sich noch zeigen müssen, ob wir alle Gruppen von Fans erreichen können. Die erste und bedeutsamste Herausforderung war aber zunächst das Projekt selbst. Samuel Hadida, der den Erstling und meinen Film „Solomon Kane“ produziert hat, wollte eine Fortsetzung machen. Da ich selbst ein großer Fan von „Silent Hill“ bin, haben wir uns dann zusammengesetzt und besprochen, ob es sich tatsächlich um einen Film handelt, den wir gemeinsam stemmen wollen. Wir wussten, dass es ein Sequel werden sollte und wir demnach die Geschichte um Sharon, Christopher und Rose Da Silva weiterspinnen mussten. Wir mussten also herausfinden, welche die ursprüngliche Idee von Christophe Gans und Roger Avary war und welcher inhaltliche Schritt der nächste sein könnte.

Es erwies sich anschließend als logisch, das dritte Spiel als Basis zu nehmen, weil es die Geistergeschichte fortsetzt. Wir haben dann überlegt, welche Elemente wir daraus adaptieren können. Der Film soll nämlich unbedingt auch für diejenigen funktionieren, die den ersten Film nicht gesehen und die Spiele nie gespielt haben. Gleichzeitig waren wir uns aber auch darüber im Klaren, dass die Fans vom ersten Film wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht. Gleichzeitig sollte man aber auch die Spiele auf der Leinwand wiedererkennen. Unsere Aufgabe war es also, die inhaltlichen Abschnitte aus dem Videospiel zu verwenden, die sich für eine filmische Erzählweise anbieten und in die fortführende Handlung von Heather Mason passen.

In Wahrheit handelt es sich bei ihr ja um die kleine Sharon - oder besser gesagt um Cheryl, wenn man die Spiele kennt -, die in den fünf, sechs Jahren seit den Ereignissen zu einem erwachsenen Mädchen herangewachsen ist. Ihre Erinnerungen an die Erlebnisse von damals sind mittlerweile verschwommen, sie befindet sich stets auf der Flucht, gemeinsam mit ihrem Vater, der nach wie vor von Sean Bean verkörpert wird. Auf ihrem Weg erfährt sie dann, wer sie tatsächlich ist. Sie beginnt ihre Vergangenheit zu verstehen. Am Ende unseres Films findet sie schließlich heraus, wer sie in Wahrheit ist und wird so zu einer vollständigen Person.

Dann war also nie geplant, die Geschichte einfach nochmal neu aufzurollen? Immerhin sind sechs Jahre seit dem letzten Film vergangen.

Darüber wurde natürlich auch diskutiert. Wir haben zum Beispiel mit dem Gedanken gespielt, eines der anderen Spiele auf die Leinwand zu bringen. „Silent Hill 2“ wäre ein populärer Kandidat gewesen und hätte sich durchaus für einen Film angeboten. Aber Samuel Hadida war es letztlich wichtiger eine Fortsetzung zum bestehenden Film zu machen. Er wollte, dass wir Heathers Geschichte zu Ende erzählen. Als wir uns dann ganz sicher waren, war uns auch ziemlich schnell klar, in welche Richtung das alles führen würde. Fest stand also, dass wir den Vater zurückholen, wenn wir die Handlung des kleinen Mädchens fortsetzen wollen. Ich bin ja sowieso ein Fan von Sean Bean, weshalb ich diese Gelegenheit natürlich ergreifen wollte. Dieses Mal hat er auch weitaus mehr zu tun. Er repräsentiert sozusagen das emotionale Zentrum der Geschichte.

Er verschwindet zwar für eine längere Zeit aus der Handlung, wird aber zu einem immer wichtigeren Teil, nachdem wir seine Präsenz in Heathers Leben verstehen. Und ich bin wirklich der Meinung, dass Sean das auf emotionaler Ebene prima verkörpert hat. Radha (Mitchell) wollte ich dann auch wieder in die Geschehnisse einbinden. Ich möchte den Zuschauern natürlich nicht zu viel verraten, aber ich kann sagen, dass auch ihre Anwesenheit eine Daseinsberechtigung hat. Zudem ist auch Deborah Kara Unger wieder als Dahlia mit dabei. Generell haben wir einige neue Charaktere aus der Vorlage übernommen: Martin Donovan schlüpfte in die Rolle von Douglas Cartland, Claudia wurde von Carrie-Anne Moss dargestellt und Malcolm McDowell tritt als Leonard in Erscheinung. Es existieren also neue und alte Charaktere, die hier aufeinandertreffen.

Was wurde aus Rose D Silva?

Ich kann mir gut vorstellen, dass es dir als Regisseur sehr am Herzen lag, auch die Hardcore Fans mit unerwarteten Wendungen zu überraschen und du gerade auch deshalb keine 100%ig treue Umsetzung des Videospiels beabsichtigt hast, oder?

Ja, ich denke schon. Allerdings würde ich nicht so weit gehen und behaupten, dass eine 1:1 Umsetzung niemals klappen würde. Jedoch sind Film und Spiel gänzlich unterschiedliche Unterhaltungsmedien. Es sind zwei verschiedene Paar Schuhe, ob du nun eine Geschichte zu einem Videospiel oder eine zu einem Film ausarbeitest. Man muss alles auf die jeweiligen Zuschauer oder Spieler anpassen. Filme nehmen wir anders wahr, wir sehen sie anders. Ein Spiel kombiniert neben der Handlung eine Reihe von anderen Elementen. Aus Sicht des Films muss man einfach klarstellen und herauskristallisieren, was der Punkt in deiner Geschichte ist und wo sich der emotionale Kern darin befindet. Man trifft als Filmemacher in einem solchen Fall keine Entscheidungen für sich, man trifft sie für den Zuschauer und die Charaktere.

Ich musste also sehr vorsichtig an all das herantreten. Als Fan will ich natürlich auch vieles aus den Spielen in den Film einbauen, einfach weil auch ich sie so sehr liebe. Aber unsere wichtigste Aufgabe lag nun einmal darin, einen Film zu machen, der als solcher funktioniert. Es gab einige Dinge mehr, die ich nur zu gerne adaptiert hätte, das dann aber mitunter auch wegen der Produktionskosten, des Designs oder anderen Gründen kaum möglich war

In deiner Charakter-Aufzählung hast du Kit Harington als Vincent ausgelassen. Die Figur wurde ja bereits im Vorfeld sehr stark von Fans kritisiert, da sie völlig von der Vorlage abweichen soll. Wie viel Vincent aus dem Spiel steckt denn tatsächlich noch im Vincent aus dem Film?

Im Videospiel war seine Anwesenheit durchaus hilfreich. Aber meiner Meinung nach handelt es sich nicht um einen Charakter, der für die Handlung in unserem Film besonders wichtig gewesen wäre. Ich brauchte einfach eine Figur, die etwas Zeit mit Heather verbringt. Vincent ließ sich gut umformen. Im Grunde habe ich nur seinen Namen übernommen, aber nahezu alles andere abgeändert. Im Nachhinein betrachtet denke ich mir, wäre es vielleicht besser gewesen, ihm einen anderen Namen zu geben und somit einen völlig neuen Charakter aus Vincent zu machen. Damals habe ich mir eben so was gesagt wie: „Das ist zwar immer noch Vincent, aber eben anders“. Aber wie gesagt, es handelt sich hierbei nicht um eine exakte Umsetzung der Vorlage. Es kommen neue Dinge vor, andere Ideen wurden umgesetzt und am Ende kann man nur hoffen, dass die Fans trotzdem zufrieden sind und erkennen, dass sich unser Film dennoch sehr an „Silent Hill 3“ orientiert.

Steht Heather vor ihrem blutverschmierten Spiegelbild?

Malcolm McDowell verkörpert die Rolle des Leonard, den wir im Spiel nie in seiner menschlichen Form gesehen haben. War es deine Absicht, der Figur mehr Persönlichkeit zu verleihen, indem du Leonard im Film nicht nur als Monster auf die Zuschauer loslässt?

Also im Spiel bekommen wir ja immerhin seine menschliche Stimme zu hören, wenn auch nur am Telefon. Aber sobald Heather dann zu ihm geht, erlebt sie ihn eben als Kreatur, die in diesem Gebäude haust. Ich wusste von Anfang an, dass ich Leonard in unserem Film haben will, weil sich ein Teil der Geschichte um seine Familie dreht. Er ist ja Claudias Vater und ihre Verbundenheit ergibt einen sinnvollen Nutzen. Sobald man den Film gesehen hat, versteht man sicherlich besser, was genau ich mit „Familie“ meine. Wenn Heather nach dem Schlüssel sucht um ihren Vater zu finden, wäre es eine coole Idee, wenn Leonard diese Schlüsselperson wäre.

Deshalb musste sie einfach zuerst auf seine menschliche Seite treffen. Wissend, dass ich einen menschlichen Leonard - ein verrückter, alter und von Claudia weggesperrter Mann - brauchen würde, ging es schließlich darum, einen Schauspieler zu finden, der diese Rolle in den paar Szenen auch wirklich großartig darstellen kann. Und Malcolm McDowell war einer dieser fantastischen Schauspieler, bei denen man die Auswahl keineswegs bereut. Er hat betont, solche königlichen Rollen sehr zu mögen. Fans werden allerdings natürlich auch die monströse Seite von Leonard zu sehen bekommen. Wir haben also beide Versionen in unseren Film integriert.

Apropos Monster: Im Film gibt es eine Kreatur, die sehr nach einer Kreuzung zwischen dem „Mannequin“ und dem „Shopping Mall Worm“ aussieht. Wie kam es denn dazu?

Also dieses Ding nennen wir „Das Mannequin-Ungeheuer“. Diese Gliederpuppen empfand ich als ziemlich gruselig. Im Film von Christophe Gans wurde sogar schon einige Male auf sie hingedeutet. Fans der Spiele kennen sie aber garantiert noch aus der Vorlage, in denen diese schrägen Mannequins vorkommen. Für mich war es ein reizender Gedanke, dieses Wesen für den Film zu erneuern und eine noch unheimlichere Kreatur zu erschaffen. In der Sequenz sehen wir, wie sie sich selbst kreiert hat. Das ist ziemlich irre. Aber es handelt sich in der Tat um kein Monster aus der Vorlage, sondern um eine Evolution bereits existierender Wesen aus „Silent Hill“.

Wie du bereits erkannt hast, haben wir diverse Eigenschaften anderer Elemente übernommen und diese verändert, um den Zuschauern etwas völlig Neues, aber trotzdem immer noch familiäres zu geben. Es ist übrigens auch die einzige Kreatur im gesamten Film, die rein digital umgesetzt wurde. Wir haben zwar ein paar praktische Sachen ausprobiert und mit Puppen, Modellen und anderen Dingen herumexperimentiert, aber es hat leider nicht so funktioniert, wie ich es gerne gehabt hätte. Also haben wir jetzt ein digitales Monster geschaffen, welches zwar komplett am Computer entstand, aber trotzdem ziemlich genial aussieht.

Malcolm McDowell als menschlicher Leonard.

Ziemlich unheimlich ist auch die Spiegelszene aus „Silent Hill 3“. Gab es den Gedanken, diese populäre und von Fans geliebte Sequenz auf sinnvolle Weise in „Revelation“ reinzupacken?

Bei „Silent Hill“ haben wir das Problem, dass das Universum vollgepackt ist mit solch fantastischen Szenen. Es würde sich so vieles anbieten, was ich nur zu gerne umgesetzt hätte. So manches musste ich aber während der Produktion wieder aus dem Drehbuch streichen, weil es unser Budget nicht zuließ oder für die eigentliche Entwicklung der Handlung nicht wirklich relevant gewesen wäre. Ich meine, ich liebe diese Szenen, wo die Spiegel mit Blut anlaufen. Die sind absolut fantastisch! Ich habe da ein paar Sachen ausgewählt, bei denen die Fans beim Schauen des Films dann ganz klar erkennen dürften, woher diese Ideen stammen. Aber eine finale Auswahl zu treffen erwies sich als ziemlich schwierig. Ich hoffe sehr, dass Zuschauer die Dinge, die ich adaptiert habe, genießen können und gleichzeitig Verständnis dafür haben, dass ich gewisse Dinge weglassen musste.

Wie sieht die Zukunft von „Silent Hill“ aus?

Mit „Silent Hill 2: Revelation 3D“ haben wir die Geschichte von Heather abgeschlossen. Die Spiele sind großartig und haben brillante Geschichten. Die Fans werden sicherlich auch den ein oder anderen kleinen Bonus aus „Downpour“ oder eines der anderen Spiele wahrnehmen. Falls wir noch einen Film machen, wäre es mir eine Freude, wieder das Ruder übernehmen zu dürfen. Wie wäre es denn, wenn wir eine völlig eigene, originale Handlung in diesem Universum erzählen? Wir könnten die Spiele so stehen lassen wie sie sind und mit den Filmen andere Aspekte zeigen, indem wir neue Charaktere einführen. Andererseits gäbe es da auch noch die hervorragenden Comics, die auf den Spielen basieren. Eines davon befasst sich zum Beispiel mit der Geschichte der Stadt, was thematisch also auch sehr interessant wäre. Falls ich also zurückkehren sollte, dann wäre ich für die Umsetzung anderer Quellen mehr als offen. Ich würde es aber eben auch toll finden, völlig neue Wege einzuschlagen und etwas Eigenes in der Welt von „Silent Hill“ auszuprobieren.

Was wurde eigentlich aus der geplanten Solomon Kane-Fortsetzung?

Die Fortführung des Solomon Kane Abenteuers wäre ein Traum. In der Tat sprechen wir aktuell sogar darüber, den Film womöglich als TV-Serie fortzusetzen. Die Vorlage bietet so viel guten Stoff für eine Serie. Das Ende des ersten Films würde es mir erlauben, echte Adaptionen der einzelnen Geschichten zu drehen. Ich würde es zum Beispiel toll finden, Kane nach Afrika zu schicken. Unmöglich wäre es jedenfalls nicht, da Samuel Hadida und ich derzeit nach den richtigen Wegen suchen.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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