PossessionEin unheimliches Haus, eine neue Familie und ein Kind, welches schon früher als andere mit dem Übernatürlichen in Kontakt tritt. Wie sehr wurde „Sinister“ von Genreklassikern wie „The Amityville Horror“ inspiriert?

Ich liebe „Silent House“ Filme. Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass uns dieser eine Film speziell dazu inspiriert hat. Tatsächlich waren es eher Beiträge wie der George C. Scott Klassiker „The Changeling“ und natürlich auch „The Shining“, die einen größeren Einfluss auf unseren Film hatten.

„Sinister“ dreht den Found Footage-Spieß einfach um, indem Ethan Hawke selbst im Film auf das Material stößt und der Zuschauer nur einen kleinen Teil der 8 mm Aufnahmen zu Gesicht bekommt, beide Elemente werden also geschickt vermengt. Hätte „Sinister“ auch als echter Found Footage- oder Handycam-Horrorfilm funktioniert und gab es Überlegungen in der Hinsicht?

Die Idee hinter dem Projekt war stets die, einen Film zu machen, der das Found Footage-Genre so einbindet, dass etwas Neues dabei entsteht. Es ist kein klassischer Found Footage-Film, eher eine Geschichte über einen Mann, der solches Material entdeckt. Und genau das war es auch, was den Film für mich von Anfang an so interessant gemacht hat. Ich meine, ich habe einige Found Footage-Filme genossen und liebe Vertreter wie „Paranormal Activity“ oder auch „Rec“ und „Cloverfield“. Aber ich kann mir für mich nicht vorstellen, jemals selbst einen Film dieser Art zu drehen. Ich mag es, das volle Sortiment des Kinos zu nutzen. Eben Dinge wie musikalischer Score, Sound Design, Schnitt, Kinematographie und so weiter. Und bei solchen Filmen ist das eben leider kaum möglich.

Ellison bei der Sichtung der unheimlichen Familienvideos.

Ethan Hawke hat sich in der Vergangenheit häufig gegen das Genrekino ausgesprochen. Was genau war bei „Sinister“ anders, so dass es bei diesem Projekt dann doch auf eine Zusage hinauslief?

Zum einen war es mit Sicherheit der Charakter Ellison Oswalt, den er verkörpern sollte und zum anderen die Gespräche, die er mit mir geführt hat. Ich habe ihm ganz genau erklärt, was für einen Film wir hier machen wollen. Viele schlechte Horrorfilme sind aus dem Grund so schlecht, weil sie sich selbst auf die Gruselszenen reduzieren und die Figuren zur Nebensache verkommen lassen. So was funktioniert in der Regel einfach nicht. Viele Genrevertreter beinhalten schwache Schauspieler, mies geschriebene Dialoge oder Teenager, die völlig alberne Diskussionen führen. Und meine Grundvoraussetzungen für einen tollen Horrorfilm sind mitunter die dramatischen Szenen. Diese müssen überzeugen, denn sie sind genauso von Bedeutung wie die Gruselszenen. Wenn du bei einem guten Horrorfilm alle unheimlichen Szenen entfernst, dann hast du trotzdem immer noch einen Film, der einen Blick wert ist. Und als Ethan Hawke dann realisiert hat, dass es mir sehr wichtig war, gut ausgearbeitete Charaktere zu kreieren und eine Geschichte über eine Person, die von Ellison Oswalt, zu erzählen, war er überzeugt und hat schließlich zugesagt.

Wir bekommen den Bughuul bereits sehr früh in den Trailern und Clips zu Gesicht. Gab es keine Befürchtungen, die Zuschauer könnten im Vorfeld bereits etwas abstumpfen?

Ich habe mich nur auf den Film konzentriert, über den ich die volle Kontrolle hatte. Und als Filmemacher denke ich mir: Wenn mich ein Produktionshaus respektiert und einen Film so machen lässt, wie ich es vorgesehen habe, dann werde ich auch die Art und Weise respektieren, wie sie den Film bewerben wollen. Damit hatte ich also nicht wirklich etwas zu tun. Das Studio hat eben ein Recht darauf, ein Projekt so zu verkaufen wie sie es wünschen. Aber wenn die Leute die Befürchtung haben, ein Trailer könne ihnen zu viel verraten, dann sollten sie das Trailerschauen vielleicht einfach lassen. Zum Vergleich: ich habe mir neulich „Looper“ angesehen und war davor sehr gespannt auf den Film. Ich habe mir allerdings weder irgendwelche Kritiken durchgelesen, noch einen Trailer angeschaut. Es liegt also wirklich an dir selbst. Es ist leider sehr oft so, dass man den Zuschauern gewisse Dinge schon vorab zeigen muss, um sie auch wirklich zu überzeugen.

Ethan Hawke geht gewaltsam gegen das Übel vor.

Drehbuchautor C. Robert Cargill äußerte sich in einem Interview über die Ängste der Menschen und dass eine davon die sei, etwas könne mit unseren Kindern nicht stimmen. Glaubst du, die Kinogänger können mit einer sich in Gefahr befindenden Familie eher sympathisieren als mit Teenagern oder einer Gruppe von Fremden?

Auf jeden Fall, da eine Familie mit Kindern eine gewisse Unschuld repräsentiert. Also etwas, das beschützt werden muss. So was ist schon von Natur aus verstörend und beängstigend. Wenn ein Familienkind dann verführt oder korrumpiert und böse wird, dann ist das umso furchteinflößender.

Die letzten Horrorfilme von Jason Blum, „Paranormal Activity“ und „Insidious“, wurden nach ihren Erfolgen fortgesetzt. Da „Sinister“ ebenfalls sehr erfolgreich lief: Wäre ein weiterer Ableger, womöglich sogar ein Prequel mit den Familien aus den Videobändern, auch in diesem Fall denkbar?

Ich hoffe sogar sehr, dass es Fortsetzungen geben wird. Die Mythologie bietet noch viel Luft nach oben, die ausgearbeitet werden kann. Wir haben unser Drehbuch sogar mit diesem Gedanken im Hinterkopf verfasst, weil ich einfach gehofft habe, weitere Filme machen zu können. Aber man muss die richtige Zutat verwenden und die nennt sich „Entwicklung“. Es darf keine Wiederholung sein, man muss die Mythologie entfalten und mit neuen Elementen erweitern. Jason Blum hat das bereits sehr gut gelöst bei „Paranormal Activity 2“ und „Paranormal Activity 3“. Ich kann zwar nichts zu Teil 4 sagen, weil ich den Film noch nicht gesehen habe, aber die ersten beiden Fortsetzungen haben gut auf dem Erstling aufgebaut. Sie haben neue Dinge hinzugefügt, weshalb man nicht dieses Gefühl hatte, sich gerade den gleichen Film ein zweites oder drittes Mal anzusehen. Man sah etwas, das ein kreativer Zusatz zum Original war. Genau so müssen Sequels auch sein.

Lauert da etwas im Dunkeln?

Du hast bereits den größeren Genrefilm „The Exorcism of Emily Rose“ in Szene gesetzt, der rund sieben Mal so teuer war wie „Sinister“. Hat sich dieser Unterschied stark bemerkbar gemacht?

Ja, denn man kann bei kleineren Filmen sehr viel länger an einem Drehbuch schreiben. Bei einer intimeren Produktion dauert die Drehbuchphase so lange wie sie eben dauert. Allerdings hat man sehr viel weniger Zeit, den Film zu drehen, weil einfach zu wenig Geld da ist. Den größten Unterschied macht jedoch die Kontrolle aus. Bei „Sinister“ hatte ich die totale Kontrolle über den Film. Es waren alle damit einverstanden, den Film so zu machen, wie ich es beabsichtigte. Und das frei von irgendwelchen Beeinträchtigungen. Das wird auch ein Grund dafür sein, weshalb ein so effektiver Film daraus entstanden ist.

Würdest Du solche kleineren Projekte in Zukunft Filmen wie „The Day the Earth Stood Still“ vorziehen, eben genau wegen dieser Freiheit?

Um ehrlich zu sein würde ich diesen Vergleich gar nicht ziehen, denke ich. Was wirklich zählt ist die Geschichte und der Freiraum, den man mir einräumt. Ich bin glücklich, wenn ich mit jeder Art von Budgetgröße arbeiten kann, sofern das Projekt interessant ist und man meine kreative Kontrolle respektiert.

Das unheimliche Wesen hat es auf Ellisons Kinder abgesehen.

Du wirst demnächst außerdem für „The Breathing Method“, eine Stephen King Verfilmung, verantwortlich zeichnen. Hierfür arbeitest Du ein weiteres Mal mit Blumhouse Productions zusammen. Wird das auch eine Low Budget-Produktion werden?

Nein, dieser Film wird wesentlich größer.

Wie genau wird man sich denn an der Vorlage orientieren?

Nun, wer die Geschichte kennt, der weiß, dass es unbedingt eine richtige Adaption der Vorlage werden muss.

Was wurde eigentlich aus dem „Two Eyes Staring“ Remake? Bist Du noch in das Projekt involviert?

Ja, das Drehbuch wurde mittlerweile komplettiert. Ich habe es für Charlize Theron geschrieben, die es bereits gelesen hat und liebt. Leider haben sich unsere Zeitpläne bis dato noch nicht gekreuzt. Ich hoffe, wir können den Film noch eines Tages machen, aber im Augenblick sind wir leider anderweitig sehr beschäftigt.

Dann würde Charlize Theron den Film also nicht nur produzieren, sondern auch in die Hauptrolle schlüpfen?

Absolut! Als ich das Drehbuch auf Papier gebracht habe, tat ich das stets mit ihr im Hinterkopf.

Wie stark würde sich Dein Film denn vom Original unterscheiden?

Es handelt sich um ein amerikanisches Remake. Ein paar Dinge sind also anders, aber ich wüsste jetzt ehrlich gesagt nicht, wie ich Dir diese Sachen am besten beschreiben könnte.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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