Moviebase Carrie

Carrie
Carrie

Bewertung: 70%

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Originaltitel: Carrie
Kinostart: 05.12.2013
DVD/Blu-Ray Verkauf: 04.04.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 04.04.2014
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: - Minuten
Studio: MGM; Sony Pictures
Produktionsjahr: 2013
Regie: Kimberly Peirce
Drehbuch: Roberto Aguirre-Sacasa
Darsteller: Chloë Grace Moretz, Julianne Moore, Judy Greer, Alex Russel, Gabriella Wilde, Portia Doubleday, Ivana Baquero, Ansel Elgort

Gleich zwei Genre-Remakes schickt Hollywood in diesen Tagen ins Kinorennen. Während „Oldboy“ von Spike Lee eher die hartgesottenen Zuschauer anspricht, schlägt Kimberly Peirce („Boys Don’t Cry“) mit der Neuauflage des Brian De Palma-Klassikers „Carrie“ etwas ruhigere Töne an. 37 Jahre ist das Original nun schon alt und verlangte nach einer Frischzellenkur.

Liebhaber von De Palmas Werk werden das sicherlich erst einmal anders sehen. Damals sorgte die junge Sissy Spacek („Der Fluch der Betsy Bell“) als telekinetisch begabte Carrie White für Gänsehaut beim Kinovolk und Ärger bei ihrer Mutter, gespielt von Piper Laurie („Faculty“). In der aktuellen Adaption des Romans von Horrorspezialist Stephen King übernehmen diese Rollen die erst 16-Jährige Chloë Grace Moretz („Dark Shadows“) und die Oscar-Nominierte Julianne Moore („Shelter“).

Moretz ist Carrie, ein schüchternes, fast schon ängstliches Mädchen, das in der Schule von ihren Mitschülerinnen gemobbt wird. Als sie eines Tages nach dem Sportunterricht unter der Dusche ihre erste Periode bekommt, wird sie von den anderen Mädchen mit Tampons beworfen, ausgelacht und dabei gefilmt. Das Video landet im Internet und Carrie wird zum Gespött der ganzen Schule.

Doch eines der Mädchen plagt Gewissensbisse. Um ihre Tat wieder gutzumachen, bittet sie ihren Freund Billy (Alex Russell aus „Chronicle“) mit Carrie zum Abschlussball zu gehen. Carrie zeigt sich skeptisch, geht aber schließlich auf das Angebot ein. Ihre strengreligiöse Mutter hält von dieser Idee gar nichts und tut alles dafür, dass ihre Tochter nicht zur Feier kommen kann. Aber Carrie setzt sich mittels ihrer neugewonnenen telekinetischen Fähigkeiten über das Verbot hinweg. Der Abend verläuft besser, als es sich Carrie jemals hätte träumen lassen. Sie ist zum ersten Mal glücklich – bis ein böser Streich die ausgelassene Stimmung abrupt beendet und den Saal in ein Schlachtfeld verwandelt.

Im Grunde ist „Carrie“ ein Highschool-Film über eine Außenseiterin, die von Kameraden und der eigenen Mutter alles andere als gut behandelt wird. Allerdings nimmt Peirces Regiearbeit mit der düsteren Grundstimmung dem Szenario gleich von Beginn an jede Fröhlichkeit. Wir begleiten ein Mädchen, dessen Leben von Angst, Leid und Schmerz geprägt ist. Moretz verkörpert Carrie als zerbrechliches, schwaches Geschöpf, das sich nichts mehr wünscht, als Freunde zu haben.

Auf der anderen Seite spielt Julianne Moore beeindruckend die manisch depressive und besessene Mutter Margaret, die ihre Tochter vor dem Abenteuer Leben beschützen will. Das Gesicht ist zerfallen, die Seele und Psyche zerstört. Ihre Wut und den Hass gegenüber Menschen erstickt sie, indem sie sich selber Schmerzen hinzufügt. Doch auch wenn Moores Charakter grundsätzlich unsympathisch erscheint, erntet sie für ihre Taten Mitleid. Man wird das Gefühl nicht los, dass sie für ihr Handeln selbst nichts kann und es am liebsten unterlassen würde.

Die Momente zwischen Tochter und Mutter stehen diesmal deutlich mehr im Vordergrund und sorgen für Spannung. Man möchte Carrie zu Hilfe kommen und sie aus den Fängen von Margaret befreien. Aber die Schülerin hat den Kampf noch nicht aufgegeben und setzt ihre neue Begabung vor allem ein, um aus ihrem bisherigen Dasein auszubrechen. Die Telekinese verschafft ihr Gehör und bringt ihr endlich den nötigen Respekt. Peirce führt das Horrordrama behutsam zum feurigen und blutigen Höhepunkt, spart sich nicht zuletzt deshalb das ausufernde Inferno für den Schlussakt auf. Hier entlädt sich dann die komplette Wut und macht aus Carrie eine reife Frau mit starkem Selbstbewusstsein.

Einige offene Fragestellungen und Ungereimtheiten lassen sich dennoch ausmachen. Nebenbei wird erklärt, wie Carrie eigentlich zu ihren Kräften kommt. Schlüssig und nachvollziehbar wirken die Gründe allerdings nicht. Hier hätte der Geschichte mehr Tiefgang mit Bezug auf Hintergrundinformationen gut getan. Gänzlich ohne Klischees kommt die Neuauflage auch nicht aus. Wie in jedem Highschool-Drama gibt es die stereotypischen Figuren, deren Verhalten teilweise überzogen ausfallen. Dass ist einerseits der Vorlage geschuldet, hätte trotzdem authentischer ins Drehbuch geschrieben werden können.

Für die heutige Generation, die das Original von 1976 nicht kennt und sich auf ein intensiv gespieltes Stück einlassen kann und will, ist „Carrie“ eine Sichtung wert. Aber auch Fans von De Palmas Arbeit dürfen einen Blick riskieren. Die Darsteller machen ihren Job hervorragend und die extreme Mutter-Tochter-Beziehung macht aus der einfach erscheinenden Geschichte ein phasenweise fesselndes Coming-of-Age-Drama.

Fazit: Chloë Grace Moretz überzeugt als Satans jüngste Tochter in einem zurückhaltend inszenierten Psychohorror, dessen entwickelte Kraft im teuflischen Finale komplett explodiert.

>> verfasst von Janosch Leuffen

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