Moviebase Open Windows

Open Windows
Open Windows

Bewertung: 40%

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Originaltitel: Open Windows
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 27.01.2015
DVD/Blu-Ray Verleih: 02.01.2015
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 100 Minuten
Studio: Antena 3 Films, Apaches Entertainment
Produktionsjahr: 2012
Regie: Nacho Vigalondo
Drehbuch: Nacho Vigalondo
Darsteller: Elijah Wood, Sasha Grey, Neil Maskell, Iván González, Brian Elder, Trevante Rhodes, Ulysses Lopez

Auch wenn Elijah Wood für Peter Jacksons „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ noch einmal einen Kurzauftritt als Frodo Beutlin absolvierte, also in die Rolle zurückkehrte, die ihn weltweit bekannt machte, hat er sich längst von seinem knuffig-heldenhaften Image gelöst. Schauspielerisch schlug der Amerikaner schon kurz nach dem Ende der „Herr der Ringe“-Trilogie im Jahr 2003 neue Wege ein und verkörperte etwa in der düster-brutalen Comic-Verfilmung „Sin City“ einen gestörten Serienkiller. Das von Alexandre Aja produzierte Remake des kontrovers diskutierten Slasherfilms „Maniac“ zeigte den Mimen 2012 schließlich erneut als kaltblütigen, traumatisierten Frauenmörder. Woods Interesse am Abgründigen und Schaurigen manifestiert sich allerdings nicht nur in seinem darstellerischen Schaffen. Auch hinter der Kamera war er in letzter Zeit mit seiner eigenen, auf Horrorstoffe spezialisierten Produktionsfirma „SpectreVision“ (Mitbegründer: Daniel Noah und Josh C. Waller) äußerst umtriebig.

Zu den jüngeren Errungenschaften des Unternehmens zählt der Thriller „Open Windows“, der von spanischer Seite umfassend koproduziert wurde. Für Regie und Drehbuch zeichnete der iberische Genre-Kenner Nacho Vigalondo verantwortlich, dem bereits 2007 mit seinem Spielfilmdebüt „Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit“ ein Achtungserfolg gelang. Dass er Herausforderungen nicht scheut und stark am Zeitgeist interessiert ist, wird in „Open Windows“ schon nach wenigen Minuten deutlich. Schließlich vollzieht sich die gesamte Handlung auf dem Laptop-Bildschirm des von Elijah Wood höchstpersönlich gespielten Protagonisten.

Voller Vorfreude richtet sich der Blogger Nick Chambers in seinem Hotelzimmer ein und verfolgt an seinem Computer den Live-Stream zur Präsentation des neueste Horrorstreifens, in dem sein Idol, die attraktive Schauspielerin Jill Goddard (Sasha Grey), zu sehen ist. Als Betreiber einer Jill-Goddard-Fanseite hat er außerdem ein Abendessen mit dem B-Film-Star gewonnen, das direkt nach der laufenden Fragerunde über die Bühne gehen soll. Als sich jedoch ein Anrufer namens Chord (Neil Maskell) bei ihm meldet und als Mitarbeiter der offiziellen Filmseite ausgibt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Da Jill das geplante Treffen angeblich ohne Begründung abgesagt hat, macht der Unbekannte Nick ein verlockendes, wenn auch moralisch verwerfliches Entschädigungsangebot. Über die Kamera ihres Smartphones, das Chord geknackt hat, kann der schüchterne Fanboy seinen Schwarm während der Promo-Veranstaltung aus besonderen Blickwinkeln beobachten. Seine anfängliche Faszination schlägt allerdings schnell in Panik um, denn die Hackerfähigkeiten des Anrufers sind umfassender als gedacht und dessen Absichten keineswegs ehrbar.

Die Optik (bzw. die Art und Weise der Präsentation) ist ohne Frage der große Clou von „Open Windows“. Wie der Titel (auch eine Anspielung auf Alfred Hitchcocks Kultfilm „Fenster zum Hof“) bereits anklingen lässt, spielen sich alle Ereignisse mittels Überwachungskameras, Voice- und Video-Chats in unterschiedlichen offenen Fenstern auf Nicks Desktop ab. Eine gewöhnungsbedürftige Darstellungsform, die jedoch schnell ihren eigenen Reiz entfaltet. Immerhin macht sie ein unverstelltes Erleben möglich, das an Found-Footage-Filme erinnert, ohne deren häufig enervierendes Kameragewackel zu imitieren. Obwohl des Öfteren mehrere Geschehnisse gleichzeitig stattfinden und es zu einem permanenten Wechsel zwischen den offenen Fenstern (und damit den diversen Perspektiven) kommt, hat man nicht das Gefühl, den Überblick zu verlieren.

Thematisch befindet sich Vigalondo mit seinem perfiden, fragwürdigen Überwachungs- und Beobachtungsszenario definitiv am Puls der Zeit, wie beispielsweise die im Sommer 2014 veröffentlichten Celebrity-Fotos (zahlreiche Bilder von Hollywoodstars wurden aus deren Cloud-Servern gestohlen) belegen. Private Rückzugsräume verschwinden mehr und mehr. Nicht zuletzt, weil wir uns in der schönen neuen Internetwelt bereitwillig selbst entblößen und oftmals nur auf die nächsten Enthüllungsnachrichten warten. Das bisweilen krankhafte Interesse am Leben anderer Menschen, insbesondere des Alltags von Stars und Sternchen, spiegelt der Film jedoch nicht nur in der Figur des allmächtig wirkenden Kameramanipulators Chord. Auch der unscheinbare Nick, der seine Fanseite mit allen erdenklichen Bildern seines Idols füttert, ist eine Spielart des übersteigerten Voyeurismus, der in der heutigen Mediengesellschaft leider gang und gäbe ist.

Auf den Punkt bringt Vigalondo seine kritischen Bestandsaufnahmen, wenn Chord Nick in einer Szene veranlasst, Jill zu einem Striptease vor der Kamera zu nötigen und der Zuschauer all dies aus der Perspektive des Voyeurs/Täters beobachten muss. Erinnerungen an Michael Powells Klassiker „Augen der Angst“ werden spätestens hier unweigerlich wach, der bekanntermaßen auf äußerst beunruhigende Weise mit der Schaulust des Publikums spielt. Zusätzliche Bedeutung erfährt diese sicherlich diskussionswürdige Passage dadurch, dass Jill Goddard von niemand Geringerem als der früheren Pornodarstellerin Sasha Grey verkörpert wird, die der Film auch in anderen Momenten bewusst als Projektionsfläche für männliche Sehnsüchte und Fantasien inszeniert.

Dass „Open Windows“ trotz zahlreicher interessanter Ansätze eher unbefriedigend ausfällt, liegt vor allem am schwachen Drehbuch, das das nahezu in Echtzeit ausgetragene Katz- und Mausspiel zwischen Nick und Chord rasch in absurde Gefilde lenkt. Lächerlich wirkt beispielsweise das Verhalten einer anderen Hacker-Gruppe, die plötzlich auf der Bildfläche erscheint und dem panischen Protagonisten mit Rat und Tat zur Seite steht, während sich das Geschehen aus dem Hotelzimmer in einen Mietwagen verlagert. Halbgare Verfolgungsjagden und neue Erkenntnisse halten das Spannungsniveau gerade noch aufrecht, bis in der letzten halben Stunde schließlich ein irrwitziger Twist den nächsten jagt und man zwangsläufig den Bezug zu den Figuren verliert.

Anfangs gewährt uns Vigalondo Einblick in den betont abgeschmackten Zombie-Streifen, für den Jill bei der Promo-Tour auf der Bühne steht. Ein amüsant-augenzwinkernder Auftakt, der in der Rückschau allerdings geradezu prophetisch erscheint, nähert sich „Open Windows“ mit zunehmender Dauer doch der trashigen Qualität dieses Films im Film an. Beeindrucken kann daher letztlich nur noch die formale Ambition, mit der der Spanier seine eskalierenden Ideen vorträgt.

>> von Christopher Diekhaus

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