Moviebase Boar

Boar
Boar

Bewertung: 30%

Userbewertung: 30%
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Originaltitel: Boar
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 30.11.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 30.11.2018
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 96 Minuten
Studio: Slaughter FX
Produktionsjahr: 2016
Regie: Chris Sun
Drehbuch: Chris Sun
Darsteller: Nathan Jones, John Jarratt, Roger Ward, Bill Moseley, Sheridyn Fisher

Zu den Dingen, die Steven Spielbergs Leinwandklassiker „Der weiße Hai“ eindrucksvoll untermauert hat, zählt auch die uralte Horrorfilmerkenntnis, dass man sein Monster aus Gründen der Spannungssteigerung so lange wie möglich dem Kamerablick entziehen sollte – besonders dann, wenn keine großen finanziellen Mittel für die Gestaltung des Ungetüms zur Verfügung stehen. Den australischen Regisseur und Drehbuchautor Chris Sun („Charlie’s Farm“) scheinen derartige Überlegungen nicht zu interessieren. Wie sonst lässt es sich erklären, dass er in seinem Tierschocker „Boar“ schon recht früh mit seinem titelgebenden Riesenwildschwein hausieren geht und „dank“ einiger dürftiger Effekte die Verstörungskraft seines Films leichtfertig aufs Spiel setzt.

Kenner des Horrorkinos made in Down Under dürften sich bei dem Gedanken an einen nashorngroßen, mörderischen Keiler an das mittlerweile kultisch verehrte creature feature „Razorback“ erinnert fühlen, sollten ihre Erwartungen an den von Sun inszenierten Monsterstreifen allerdings besser nach unten schrauben. Während Russell Mulcahys Outback-Thriller von 1984 zumindest etwas Handlung rund um die Überfälle des aggressiven Wildschweins strickte, mag man mit Blick auf „Boar“ nicht von einer Geschichte sprechen. Eine mutierte Bestie greift wahllos Menschen an. Mit diesem schlichten Satz ist der Inhalt des neuen Ozploitation-Machwerks treffend umschrieben, auch wenn es ab und an zaghafte Versuche gibt, die auftretenden Figuren mit ein bisschen Background auszustatten.

Die lachhaft halbherzigen Bemühungen können aber keine Früchte tragen, da Sun und die an der Story-Entwicklung beteiligte Autorin Kirsty Dallas offensichtlich nur wenig Gespür dafür haben, wie man eine Erzählung wirkungsvoll aufzieht. Obwohl eine im Jagdrevier des Monsterkeilers urlaubende Patchwork-Familie (unter anderem verkörpert von Simone Buchanan und „3 From Hell“-Mime Bill Moseley) zunächst als Protagonisten-Gruppe eingeführt wird, lässt der Film sie nach dem Einstieg eine ganze Weile links liegen, um sich anderen Personen – ergo zusätzlichem Kanonenfutter – zu widmen, die dem bösen Wildschwein in die Quere kommen. Die plumpe Abzähldramaturgie ruft die meiste Zeit ein großes Achselzucken hervor. Einzig als der kauzige Einheimische Ken („Wolf Creek“-Fiesling John Jarratt in einer erstaunlich sympathischen Rolle) und sein alter Kumpel Bob (Steve Bisley, „Red Hill“) in Bedrängnis geraten, macht sich ein bisschen Anteilnahme breit – was jedoch nicht am Drehbuch liegt, sondern am kernig-amüsanten Zusammenspiel der beiden Darsteller.

Dass „Boar“ unter keinen Umständen als furchteinflößendes Tierhorror-Meisterwerk in die Geschichtsbücher eingehen wird, hängt auch mit der recht fahrigen Inszenierung und der qualitativ schwankenden Effektarbeit zusammen. Vollkommen beliebig streut Sun immer wieder die verzerrte subjektive Perspektive des Killerschweins ein und schafft es dabei nicht, dem verfremdeten Blickwinkel etwas Unheimliches abzugewinnen. Die Angriffe des Monsters fordern einen hohen Blutzoll und wirken dann am stärksten, wenn man die wilde Kreatur nur ausschnittweise sehen kann. Die animatronische Attrappe erscheint gewiss etwas mechanisch, ist aber dreimal überzeugender als die Computeranimationen, die vor allem bei den Sprints des Keilers zum Einsatz kommen. In Momenten großer Bewegung ist leider offenkundig, dass die Figuren einem digital erzeugten Wesen gegenüberstehen, wodurch der Zuschauer ein ums andere Mal aus dem ohnehin nicht sonderlich atmosphärischen Geschehen herausgerissen wird.

Wie beunruhigend das Nichtzeigen des blutrünstigen Antagonisten sein kann, demonstriert Sun in einer Szene, in der eine junge Frau in einem Zelt sitzt und das Wüten des Wildschweins zunächst fast nur akustisch wahrnimmt. Das Getrampel, das bedrohliche Grunzen und die vorbeihuschenden Schatten treiben den Puls für einige Augenblicke ordentlich nach oben. Umso ärgerlicher ist es, dass sich der Regisseur nicht häufiger an Spielberg orientiert und auf eine etwas subtilere Spannungserzeugung vertraut hat.

>> von Christopher Diekhaus

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