Moviebase A Cure For Wellness

A Cure For Wellness
A Cure For Wellness

Bewertung: 65%

Userbewertung: 55%
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Originaltitel: A Cure For Wellness
Kinostart: 23.02.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Blind Wink Productions, New Regency Productions
Produktionsjahr: 2016
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Justin Haythe
Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Celia Imrie, Mia Goth, Carl Lumbly, Johannes Krisch

Obwohl Gore Verbinski mit seinen „Fluch der Karibik“-Arbeiten und dem grandios gescheiterten „Lone Ranger“ in den letzten Jahren im Abenteuer- und Westerngenre unterwegs war, dürfte sein Name vielen horroraffinen Kinogängern ein Begriff sein. 2002 gelang dem US-Amerikaner mit „Ring“ ein verhältnismäßig überzeugendes Grusel-Remake, das ihm den internationalen Durchbruch bescherte. Sein Interesse an Schauergeschichten blitzte auch in den Piratenfilmen rund um Captain Jack Sparrow auf, findet allerdings noch deutlicher Niederschlag in seinem neuen Werk, das auf den Titel „A Cure for Wellness“ hört. Gedreht wurde der mit Zitaten und Versatzstücken gespickte Mystery-Thriller größtenteils in Deutschland, was ihn vor dem Hintergrund der hiesigen, schwach ausgeprägten Horrorfilmproduktion umso interessanter macht. Wie die ersten Trailer bereits vermuten ließen, besticht Verbinskis Rückkehr ins düstere Fach mit tollen Bildern und eindrucksvollen Schauplätzen. Handlungstechnisch verliert der stimmungsvolle Genrestreifen aber auf Dauer an Faszination.

Bedrohlich ragen zu Beginn die gläsernen Bauten Manhattans auf. Die Hochhaustürme an der Wall Street, in denen finanzielle Strippenzieher sitzen. Nach Dienstschluss quält sich ein beunruhigter Mann im leeren Großraumbüro ab, erleidet plötzlich einen Herzinfarkt und reißt den Wasserspender zu Boden, dessen entweichende Flüssigkeit die Kamera großformatig einfängt. In unserem Streben nach Gewinnen, nach persönlicher Entwicklung arbeiten wir uns regelrecht zu Tode, will uns der Prolog sagen, der mit dem Umstoßen des Getränkeapparates ein Leitmotiv etabliert. Wasser und seine vermeintlich heilende Kraft werden im weiteren Verlauf immer wieder eine Rolle spielen.

Nach dem finsteren Einstieg lernen wir den eigentlichen Protagonisten Lockhart (Dane DeHaan) kennen, einen aufstrebenden, ehrgeizigen Börsianer, der von seinen Vorgesetzten einen alles andere als spannenden Auftrag erhält. So schnell wie möglich soll er seinen Chef, der sich in einem Schweizer Sanatorium vergraben hat, nach New York zurückbringen, da dessen Unterschrift eine vorbereitete Fusion besiegeln muss. Lockhart sträubt sich zunächst, wird jedoch unter Druck gesetzt und macht sich daher auf den Weg nach Europa. Vom hochmodernen Bankenviertel verschlägt es ihn in eine entlegene Alpenregion, die das ominöse Wellness-Center von Dr. Volmer (Jason Isaacs) beherbergt. Ein neugotischer Bau, in dem der junge Aufsteiger widerwillig als Patient eincheckt, nachdem er bei einem Autounfall einen Beinbruch erlitten hat. Während Lockhart anfangs noch hofft, mit seiner Zielperson so schnell wie möglich abreisen zu können, verliert er sich schon bald in den Gängen und Geheimnissen von Volmers Heilanstalt.

Verbinski und Drehbuchautor Justin Haythe („Anatomie einer Entführung“) greifen mit „A Cure for Wellness“ unverkennbar die krankhaften Auswüchse des Kapitalismus an. Auch, indem sie ihrer Hauptfigur eine traumatische Familiengeschichte auf den Leib schreiben, die sich über Rückblenden langsam entfaltet. Immer mal wieder plädiert der Film für eine Entschleunigung, für ein Loslassen vom gehetzten Arbeitsalltag, stellt gleichzeitig aber auch den heute grassierenden Gesundheitswahn in Frage, wenn er Volmers Sanatorium mehr und mehr als eine trügerische Insel der Glückseligkeit beschreibt. Schon früh hat es den Anschein, als würden die begüterten, fast ausnahmslos älteren Patienten hier ihres Willens beraubt und geschickt manipuliert.

Noch bevor der Gruselthriller in die verwunschene Welt der Kurstätte eintaucht, legt sich bereits eine mysteriöse Stimmung über das Geschehen. Gleich am Anfang erklingt ein unheimliches Wiegenlied, das an die verstörende Melodie aus Roman Polanskis Okkult-Klassiker „Rosemaries Baby“ erinnert. Lockhart erhält von seiner Mutter eine geheimnisvolle Spieluhr. Und bei der Fahrt zur Heilanstalt sind Gemeinsamkeiten mit der Eröffnung von Stanley Kubricks Stephen-King-Verfilmung „Shining“ nicht von der Hand zu weisen, wenn das Auto des Protagonisten auf einer schmalen Alpenstraße den Berg erklimmt. Die abgeschiedene Klinik lässt schließlich an Martin Scorseses Psychoschocker „Shutter Island“ und an Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ denken, den der Regisseur in Interviews als Inspirationsquelle nennt.

Das Netz an Verweisen ist eng geknüpft. Und die beunruhigende Atmosphäre wird mit Lockharts unfreiwilligem Aufenthalt weiter forciert. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Tatsache, dass Dane DeHaan die Verunsicherung seiner Figur glaubhaft zum Ausdruck bringt. Großen Anteil an der bedrückenden Wirkung haben auch die atemberaubende Ästhetik und das gelungene Szenenbild, in dem man sich regelrecht verlieren kann. Ausführlich erkundet Bojan Bazellis Kamera die langen Flure des Sanatoriums und seine antiquierte Inneneinrichtung. In einer besonders beklemmenden Szene begibt sich Lockhart für eine seltsame Unterwasserkur in einen wuchtigen Tank und wird während der Behandlung von Aalen überrascht.

Während jede Einstellung optische Leckerbissen bereithält, verweigert sich Verbinski den plumpen Jump-Scare-Methoden vieler Kollegen und richtet stattdessen seine Aufmerksamkeit auf die diffus bedrohliche Atmosphäre. Was eine ganze Weile gut funktioniert, bekommt jedoch irgendwann erste Kratzer, weil sich auf Plot-Ebene einiges wiederholt. Dafür, dass schon recht früh Indizien auftauchen, die den Anstaltsalltag ins Zwielicht rücken, scheint der junge Amerikaner mit einem Brett vor dem Kopf durch die Gänge der Heilstätte zu stolpern. Ein Ausflug in das nahegelegene Dorf soll Spannung und Unbehagen steigern, wirkt in seiner Aufmachung aber recht künstlich und bemüht zudem diverse Genre-Klischees. Geht das umständlich ausgewalzte Treiben schließlich in den letzten Akt über, verfällt „A Cure for Wellness“ in hysterische Melodramatik, die einmal mehr opulent inszeniert wird. Da man die abstruse Auflösung schon von weitem riechen kann, verliert das Schauer-Spektakel leider an Intensität. Hoch anrechnen muss man den Machern trotz alledem, dass sie mit ihrem visuell beeindruckenden Mystery-Streifen in einer von Fortsetzungen und schablonenhaften Horror-Produktionen geprägten Welt Wagnisse eingehen. Auf die Gefahr hin, mit manchen Ideen zu scheitern.

>> von Christopher Diekhaus

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