Moviebase 10 Cloverfield Lane

10 Cloverfield Lane
10 Cloverfield Lane

Bewertung: 70%

Userbewertung: 70%
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Originaltitel: 10 Cloverfield Lane
Kinostart: 31.03.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: 11.08.2016
DVD/Blu-Ray Verleih: 11.08.2016
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Bad Robot, Paramount Pictures
Produktionsjahr: 2015
Regie: Dan Trachtenberg
Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

„The Blair Witch Project“ hat es vorgemacht. Das Internet eignet sich hervorragend, um einen Film ins Gespräch zu bringen und das Interesse der Öffentlichkeit nachhaltig zu steuern. Zu beobachten war dieses Phänomen auch beim Monsterfilm „Cloverfield“, für den der Produzent J. J. Abrams („Lost“, „Super 8“, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) eine clevere Online-Kampagne entwickeln ließ. Informationshäppchen und ausgewähltes Bewegtbildmaterial entfesselten einen regelrechten Hype, der die Vorfreude in ungeahnte Höhen schraubte. Erinnerungen an diesen Marketingcoup wurden Anfang 2016 wach, als im Internet wie aus dem Nichts ein Trailer erschien, der einen Film namens „10 Cloverfield Lane“ bewarb. Kein echtes Sequel des Monsterhits von 2008, wie Abrams selbst betonte. Sondern eine Art „Blutsverwandter“, der unter strengster Geheimhaltung entstanden war.

Schon visuell hebt sich das neue Werk vom Found-Footage-Stil seines Stiefbruders ab. Und auch das Setting erstrahlt in gänzlich anderem Licht. Bekommen wir in „Cloverfield“ ein zerstörtes New York zu sehen, befinden wir uns hier die meiste Zeit in einem Bunker. Protagonistin und Bindeglied zum Zuschauer ist die junge Michelle (Mary Elizabeth Winstead), die ganz zu Anfang ihren Freund verlässt und im Anschluss merklich aufgewühlt durch das nächtliche Louisiana braust. Ein heftiger Zusammenstoß schickt ihren Wagen in den Graben. Und nur wenig später erwacht sie in einem fensterlosen Raum. Angeschlossen an einen Tropf und fixiert mit einer Kette an der Wand. Als sich das Unfallopfer aus seiner misslichen Lage befreien will, taucht plötzlich der beleibte Howard (John Goodman) auf, der sich als ihr Retter vorstellt. Nach einem chemischen oder nuklearen Angriff – Genaueres weiß der Unbekannte nicht – sei die Menschheit ausgelöscht und die Luft verpestet worden, weshalb sie den Bunker nicht verlassen könnten. Eine schier unglaubliche Geschichte, die ein dritter „Bewohner“, der leicht verletzte Emmett (John Gallagher Jr.), kurz darauf bestätigt. Seine Versicherungen hindern Michelle allerdings nicht daran, einen Ausbruchsversuch zu unternehmen.

Drei Menschen eingesperrt auf engstem Raum und im Hintergrund ein vermeintlich apokalyptisches Szenario, das sich durch ein leichtes Beben und Stromausfälle anzukündigen scheint. Die Prämisse von „10 Cloverfield Lane“ klingt nicht nur vielversprechend, sondern bereitet tatsächlich den Boden für ein nervenzerrendes Psychospiel, bei dem man sich zu keinem Zeitpunkt sicher sein kann. Mit wenigen Strichen entwirft das Drehbuch eine höchst bedrohliche Grundstimmung, die nur gelegentlich von heiter-entspannten Momenten durchbrochen wird. Die meiste Zeit dominieren in der Enge des ausgebauten Bunkers Anspannung und Misstrauen, was vor allem der beunruhigenden Präsenz von Verschwörungsprophet Howard zu verdanken ist. Der wunderbare John Goodman spielt den bärigen Eigenbrötler als Mischung aus pragmatischer Vaterfigur und aufbrausendem Neurotiker, der es partout nicht duldet, wenn man sich seinen Regeln widersetzt. Häppchenweise erfahren wir mehr über den Ex-Marine, der sich schon vor Jahren ein unterirdisches Refugium geschaffen hat, und müssen uns gemeinsam mit Michelle fragen, wie wir neue Erkenntnisse bewerten sollen.

Überhaupt gelingt es dem Mysterythriller auf bemerkenswerte Weise, uns ständig in die Position der Protagonistin zu manövrieren. Was würden wir an ihrer Stelle tun? Den „Gastgeber“ überwältigen? Einen Fluchtplan schmieden? Oder uns in unser Schicksal fügen? Immerzu schwirren einem Gedanken wie diese durch den Kopf, während man der tapferen Michelle die Daumen drückt. Ein großes Lob gebührt Hauptdarstellerin Mary Elizabeth Winstead, die aus ihrem nicht sonderlich originellen Part erstaunliche Nuancen destillieren kann. Weniger imposant fällt im Vergleich die Darbietung ihres Kollegen John Gallagher Jr. aus, dessen Figur in erster Linie als Sidekick in Erscheinung tritt. 

Dass „10 Cloverfield Lane“ lange Zeit großes Unbehagen schürt und Spannung aufbaut, liegt neben den überzeugenden Schauspielern und einigen gut platzierten Wendungen auch an der Art und Weise, wie Production Designer Ramsey Avery und seine Mitarbeiter den klaustrophobischen Handlungsort gestalten. Der kalte, karge Raum, in dem Michelle wieder zu sich kommt, grenzt an einen voll möblierten Wohn- und Essbereich, dessen spießig-verstaubte Einrichtung ein beklemmendes Gefühl erzeugt. In diesem Umfeld mit zwei fremden Männern eingesperrt zu sein ist sicher keine Freude.

Verloren geht ein Stück der Wirkung, wenn die Macher zum Ende hin ihre Karten auf den Tisch werfen und die Neugier des Zuschauers befriedigen. Der letzte Akt erscheint im Rückblick etwas konstruiert und ist dem ungewissen Kammerspielszenario deutlich unterlegen. Eine kleine Enttäuschung, die jedoch nicht vergessen macht, dass Regisseur Dan Trachtenberg und Produzent J. J. Abrams uns hier eine reizvolle Abwechslung zum oftmals öden Sequel-Einerlei offerieren.

>> verfasst von Christopher Diekhaus

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