Moviebase Midnight Special

Midnight Special
Midnight Special

Bewertung: 75%

Userbewertung: 80%
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Originaltitel: Midnight Special
Kinostart: 18.02.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 111 Minuten
Studio: Tri-State Pictures, Warner Bros.
Produktionsjahr: 2016
Regie: Jeff Nichols
Drehbuch: Jeff Nichols
Darsteller: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver, Jaeden Lieberher, Sam Shepard

Den immensen Einfluss Steven Spielbergs auf das Science-Fiction-Genre wird niemand ernsthaft bestreiten wollen. Interessant aber ist, genau welche seiner Filme in jüngerer Zeit als visuelles Vorbild für viele Regisseure des Genres dienten. Es sind nämlich vor allem seine düsteren Zukunftsvisionen "Minority Report" und "War Of The Worlds", die in den letzten Jahren die Science Fiction maßgeblich beeinflusst haben: "Minority Report" entwarf die Blaupause für den derzeitigen Look hochtechnisierter Überwachungsgesellschaften der Zukunft, "War of the Worlds" einen realitätsnahen Stil im Kontext von Krieg und Vernichtung. Paranoia und Hoffnungslosigkeit dominieren also derzeit das Sci-Fi-Genre, zweifellos ein Spiegel der Weltlage. Regisseur Jeff Nichols aber geht mit seinem vierten Film "Midnight Special" einen Schritt zurück und orientiert sich am alten, optimistischen Spielberg-Werk: Sein stylischer Genre-Beitrag steht in der Tradition der Klassiker "Unheimliche Begegnung der dritten Art" und "E.T.", ist aber zugleich ein beinharter Verfolgungsthriller.    

Nichols dürfte Genre-Fans bislang kaum ein Begriff sein. Dabei ist sein bisheriges Schaffen im Bereich des US-Indie-Films hochgradig empfehlenswert: Mit "Take Shelter" unternahm er einen verstörenden Ausflug ins Thriller-Gefilde, mit dem gefühlvollen Southern-Gothic-Drama "Mud" trug er erheblich zur Wiederbelebung der Karriere von Matthew McConaughey bei. "Midnight Special" ist sein erster kommerziell ausgerichteter und von einem großen Studio produzierter Film – seine individuellen Ecken und Kanten hat Nichols trotz gesteigertem Budget behalten. So siedelt er auch diesen Science-Fiction-Film in seiner präferierten filmischen Landschaft an: dem verarmten Süden der USA mit seinen tristen Motels, endlosen Highways und sterilen Vorstädten. Der Kontrast zu den überirdischen Fähigkeiten seiner jungen Hauptfigur wirkt dort umso drastischer.

Es handelt sich bei diesem Protagonisten um den achtjährigen Alton (Jaeden Lieberher), der von seinem Vater Roy (Michael Shannon) und dessen Jugendfreund Lucas (Joel Edgerton) aus den Fängen einer mysteriösen Sekte entrissen wurde und nun zu einem uns zunächst unbekannten Ort gebracht werden soll. Ohnehin darf man über die Story von "Midnight Special" wirklich nicht zu viel verraten, bedient sich der Regisseur Nichols doch eines cleveren erzählerischen Mittels: Zu Anfang wissen wir nur sehr wenig über die Umstände der Flucht des Trios sowie über Altons angedeutete Fähigkeiten.

Schnell stellt sich allerdings heraus, dass der Junge von den Anhängern des religiösen Kultes als Messias verehrt wird: Er hat das Talent, Leuten durch bloßen Augenkontakt wundersame Dinge zu offenbaren; gleichzeitig aber ist er auch zu handfester, telekinetischer Zerstörung fähig. Kein Wunder, dass nicht nur die Mitglieder der Sekte, sondern auch diverse Geheimdienste der US-Regierung hinter Alton her sind. Angeführt wird der militärisch ausgerüstete Verfolgungstrupp von NSA-Agent Sevier (Adam Driver), den eine besondere Verbindung an den Jungen zu knüpfen scheint...

Nichols' Film ist hervorragend besetzt. Besonders Michael Shannon, der bisher in jedem einzelnen Film des Regisseurs auftauchte, überzeugt als undurchsichtige Vaterfigur auf ganzer Linie. Einerseits ist er unerschütterlich tough wenn es um die Sicherheit und die mysteriöse "Mission" seines Sohnes geht, gleichzeitig aber spürt man zu jeder Zeit die fürsorgliche, väterliche Angst um Alton – die Szenen zwischen Vater und Sohn sind wahrhaft ergreifend. "Star Wars"-Star Adam Driver wirkt leider ein wenig unterfordert – seine Figur verliert Nichols zu schnell aus dem Auge und verschenkt so ein wenig leichtfertig einen weiteren interessanten Akteur im Geschehen. Kirsten Dunst als Altons Mutter hingegen erstaunt mit einer unaufgeregten, aber intensiven Performance. Sie ist es auch, die mit ihrem Sohn das hochspannende, verblüffende Finale durchstehen muss. Hier erinnert der Film in seiner Inszenierung gesichtsloser staatlicher Gewalt im Angesicht des Wunderbaren ganz besonders an Spielbergs Klassiker "Unheimliche Begegnung der dritten Art".

Der Showdown der ruppigen Verfolgungsjagd durch den verwahrlosten amerikanischen Süden ist in jeder Hinsicht der Höhepunkt von "Midnight Special". Mögen einige visuelle Effekte zuvor ein wenig zu generisch wirken, gelingt dem Regisseur in den letzten fünfzehn Minuten des Films eine visuell wie narrativ spektakuläre Innovation. Die Geister werden sich lediglich an der unironischen Eindeutigkeit dieser Bilder scheiden: Nichols erzählt "Midnight Special" nicht als Coming-Of-Age-Metapher und verzichtet auch auf jeglichen selbstreflexiven Humor. Er hat ein rundes, konzentriertes Genre-Stück geschaffen, das den nur noch selten praktizierten Spagat zwischen Mainstream und Anspruch wagt.

>> von Tim Lindemann

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