Moviebase The Neon Demon

The Neon Demon
The Neon Demon

Bewertung: 70%

Userbewertung: 90%
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Originaltitel: Neon Demon, The
Kinostart: 23.06.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: 27.10.2016
DVD/Blu-Ray Verleih: 27.10.2016
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 118 Minuten
Studio: Space Rocket Nation, Vendian Entertainment, Bold Films, Koch Media
Produktionsjahr: 2016
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Mary Laws, Polly Stenham
Darsteller: Christina Hendricks, Keanu Reeves, Jena Malone, Elle Fanning, Abbey Lee, Desmond Harrington, Bella Heathcote, Jamie Clayton, Alessandro Nivola, Charles Baker, Karl Glusman, Taylor Marie Hill, Cameron Brinkman

Er polarisiert wie nur wenige Filmemacher. Er provoziert mit großem Vergnügen. Überschreitet die Grenzen des guten Geschmacks. Schenkt dem Zuschauer aber auch Bilder, an denen man sich nicht sattsehen kann. Die etwas Geheimnisvolles ausstrahlen. Und von elektrisierenden Klängen begleitet werden. Die Rede ist hier vom dänischen Regie-Exzentriker Nicolas Winding Refn, der sich mit seinem häufig offen zur Schau gestellten Selbstbewusstsein durchaus angreifbar macht. Auch in seinem jüngsten Werk „The Neon Demon“, das in Cannes mit Buhrufen bedacht wurde. Als „NWR“ firmiert er im Vorspann kurz und bündig, womit er unmissverständlich betont, dass er sich mittlerweile als Marke sieht. Kühn und größenwahnsinnig, ja. Allerdings nicht aus der Luft gegriffen. Immerhin beweist Winding Refn mit seinem hypnotischen Trip in die Modewelt von Los Angeles einmal mehr sein Gespür für atemberaubende Kompositionen und ein psychedelisches Farbenspiel. Einen echten Genrefilm sollte man sicher nicht erwarten. Wohl aber ein stimmungsvolles Abgleiten in einen Albtraum, der mit unterschiedlichsten Horror-Motiven garniert ist.

Als die 16-jährige Vollwaise Jesse (Elle Fanning, „Maleficent – Die dunkle Fee“) ihre Zelte in der kalifornischen Metropole aufschlägt, um die Laufstege zu erobern, zeigt sich nicht nur die Visagistin Ruby (Jena Malone, „Sucker Punch“) von ihrem zarten Wesen und ihrer natürlichen Schönheit angetan. Agenturchefin Roberta (Christina Hendricks, „Lost River“) attestiert dem schüchternen Mädchen vom Lande eine besondere Ausstrahlung und vermittelt ihr ein Shooting bei Branchenguru Jack (Desmond Harrington, „Wrong Turn“), der sich ebenfalls für Jesse begeistern kann. Während die junge Frau einen schier unglaublichen Aufstieg erlebt und sich nebenbei mit dem sympathischen Fotografen Dean (Karl Glusman, „Ratter – Er weiß alles über Dich“) trifft, blicken Rubys Freundinnen Gigi (Bella Heathcote, „Stolz und Vorurteil & Zombies“) und Sarah (Abbey Lee, „Mad May: Fury Road“), zwei künstlich optimierte Mannequins, zunehmend eifersüchtiger auf die neue Mitbewerberin.

Das Grundgerüst ist alles andere als originell: Unerfahrene Provinzschönheit sucht ihr Glück im Glitzer- und Glamour-Hotspot L.A. und gerät dabei auf gefährliche Abwege. Eine ähnliche Geschichte erzählt beispielsweise David Lynch in seinem wunderbar verrätselten Mystery-Thriller „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“, der die Neurosen und Abgründe des Filmgeschäfts seziert. Bei Winding Refn ist es die Modebranche, deren funkelnde Fassade lustvoll eingerissen wird. Eine Welt, in der Besuche beim Schönheitschirurgen gang und gäbe sind. In der man sich mit seinen „Anpassungen“ brüstet. In der Blicke Machtverhältnisse bestimmen und in der ein schier unmenschlicher Konkurrenzdruck herrscht, der zahlreiche gebrochene Persönlichkeiten hervorbringt.

Bevölkert ist „The Neon Demon“ mit stereotypischen Figuren, die nur eine Währung kennen: ihr äußeres Erscheinungsbild. Gigi und Sarah treten als herablassende Profimodels auf, belächeln Jesse anfangs für ihre Naivität, schalten jedoch in den Furienmodus, als sie plötzlich ihre Felle davonschwimmen sehen. An Solidarität mit der Newcomerin ist nicht zu denken, da der eigene Vorteil alle Handlungen diktiert. Branchenkennerin Roberta gibt sich fürsorglich und aufmunternd, hat aber schon unzählige Mädchenträume vernichtet, wie eine kurze Szene während des Vorstellungsgesprächs mit Jesse zeigt. Nicht fehlen darf freilich ein herrlich selbstverliebter Modedesigner, der bedeutungsvoll über den Wert unverfälschter Schönheit philosophiert und potenziellen Laufsteggrazien nur dann Aufmerksamkeit schenkt, wenn es ihm beliebt. Als Prototyp des knallharten, unnachgiebigen Starfotografen fungiert Jack, dessen stechender Blick wahrlich furchteinflößend ist.

Dass der dänische Regisseur und Drehbuchautor aus diesem Klischeepersonal und einem recht dünnen Plot einen fesselnd-irritierenden Film kreieren kann, hat vor allem zwei Gründe: Hauptdarstellerin Elle Fanning besitzt trotz ihres eher durchschnittlich hübschen Gesichtes ein ungeheures Charisma und schafft es mittels kleiner Gesten und Regungen, ihre „Black Swan“-artige Wandlung vom verhuschten Neuankömmling zum selbstbewussten Vamp greifbar zu machen. Verrenkungen der Hände drücken in einer Szene großes Unbehagen aus, während der Anflug eines Lächelns in einem anderen Moment ihre zunehmende Souveränität andeutet. Neben Fannings facettenreicher Performance stechen auch die hyperästhetischen, bis in den letzten Winkel durchkomponierten Bilder hervor. Schon das Auftakt-Shooting, das Jesse als Leiche mit blutverschmiertem Hals zeigt, ist ein echter Augenschmaus, der eine abgehobene, unwirkliche Stimmung erzeugt. Farben, Formen und Töne entfachen einen surreal anmutenden Sog, der im letzten Drittel absurd-makabre Züge erreicht. Einige Grenzüberschreitungen wirken dabei sicher etwas selbstzweckhaft. Kaltlassen wird die überraschende, im Fundus des Horrorkinos schwelgende Richtungsänderung den Zuschauer aber nicht.

Dem Vorwurf, „The Neon Demon“ sei erschreckend frauenfeindlich, lässt sich entgegenhalten, dass der Regie-Provokateur nach den Testosteron-Fantasien „Drive“ und „Only God Forgives“ hier vor allem weibliches Befinden ins Zentrum des Interesses rückt. Immer wieder gibt es Situationen, in denen man mit Jesse mitleidet. Etwa, wenn sich der Teenager unter den gierigen Augen des Starfotografen unsicher windet und der Film so die Dominanz des maskulinen Blicks im Modegeschäft problematisiert. Überhaupt zeichnet der eigenwillige Fashion-Thriller ein erstaunlich niederschmetterndes Männerbild, das nicht zuletzt in der Figur des übergriffigen Motel-Managers Hank (Keanu Reeves, „Knock Knock“) zum Ausdruck kommt. Ein stets aggressiver Zeitgenosse, der in seiner schäbigen Herberge mit großen Träumen nach L.A. kommende junge Frauen aufs Übelste ausbeutet. Halbwegs normal erscheint lediglich Jesses Verehrer Dean, der allerdings irgendwann aus der Handlung herausfällt. Inmitten einer auf Äußerlichkeiten bedachten und auf Eigennutz gegründeten Welt ist kein Platz für die Liebe – davon scheint Winding Refn fest überzeugt.

>> von Christopher Diekhaus

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