Moviebase Glass

Glass
Glass

Bewertung: 60%

Userbewertung: 89%
bei 70 Stimmen

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Originaltitel: Split 2
Kinostart: 17.01.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Blumhouse, Universal Pictures
Produktionsjahr: 2018
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Darsteller: Bruce Willis, James McAvoy, Samuel L. Jackson

Seinen spätestens mit „Das Mädchen aus dem Wasser“ beginnenden Karrieresinkflug konnte der einst für „The Sixth Sense“ gefeierte M. Night Shyamalan 2015 mit einer kleinen, persönlichen Regiearbeit beenden. „The Visit“ war sicher nicht der ganz große Wurf, führte den Zuschauer mit seiner amüsant-unheimlichen Geschichte aber recht gekonnt an der Nase herum. Zu einem fulminanten Kassenschlager avancierte schließlich sein Folgefilm „Split“, in dem der im wahrsten Sinne des Wortes furiose James McAvoy einen Mann verkörpert, der unter einer dissoziativen Identitätsstörung leidet. In der letzten Szene dieses Psychoschockers überraschte Shyamalan das Publikum mit einem Kurzauftritt der in  „Unbreakable – Unzerbrechlich“ auftauchenden Figur des Security-Mitarbeiters David Dunn (Bruce Willis, „Sin City“) und stellte so eine Verbindung zwischen beiden Werken her. Mit „Glass“ schickt der Regisseur nun den abschließenden Teil einer Trilogie ins Rennen, die um die Gesetzmäßigkeiten des Superheldengenres kreist.

Gemeinsam mit seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark, „Warte, bis es dunkel wird“)  führt der erwähnte Dunn inzwischen ein Geschäft für Sicherheitstechnik, macht aber nach wie vor Gebrauch von seinen übernatürlichen Fähigkeiten und zieht regelmäßig böse Menschen aus dem Verkehr. Ins Visier nimmt er dieses Mal den psychisch kranken Entführer und Mörder Kevin Wendell Crumb (James McAvoy, „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“), der am Ende von „Split“ mit der sogenannten „Bestie“ eine monströse, über Superkräfte verfügende 24. Persönlichkeit ausbildete.

Wer angesichts dieser Prämisse nun eine actionreiche Hatz erwartet, dürfte sich verwundert die Augen reiben, dass die beiden Männer bereits im Anfangsdrittel aufeinanderstoßen. Unterbrochen wird ihre Prügelei von der Ankunft einer Spezialeinheit der Polizei. Auf Geheiß der Psychiaterin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson, „Bird Box – Schließe deine Augen“) landen die Verhafteten in einer Nervenklinik, in der sich auch der übermenschlich intelligente Attentäter Elijah Price alias Mr. Glass (Samuel L. Jackson, „Kong: Skull Island“) aufhält, der in den letzten Momenten von „Unbreakable – Unzerbrechlich“ offenbarte, diverse Katastrophen – auch das Zugunglück, das Dunn ohne einen Kratzer überlebte – orchestriert und dadurch endlich seine Bestimmung als Davids Widersacher gefunden zu haben.

Dr. Staple hält die außergewöhnlichen Fertigkeiten der drei Insassen für Hirngespinste und will sie daher davon überzeugen, dass sie keine Superhelden sind, sondern einer besonderen Form des Größenwahns anhängen. Während die Ärztin ihren Patienten auf den Zahn fühlt, stoßen außerhalb der Krankenhausmauern Joseph und Crumbs früheres Entführungsopfer Casey Cooke (Anya Taylor-Joy, „Das Geheimnis von Marrowbone“) auf interessante Hinweise.

Die Art und Weise, wie Shyamalan das Superheldenphänomen angeht, ist auch in „Glass“ durchaus faszinierend und originell. Wie schon in den beiden vorangegangenen Teilen der Trilogie wirkt das Geschehen geerdeter als in den großen Marvel- und DC-Blockbustern, denen kein Effekt zu teuer scheint. Actionmomente sind spärlich auf den über zweistündigen Film verteilt. Und die therapeutischen Gespräche erinnern entfernt an die Wortgefechte aus dem Thriller-Meilenstein „Das Schweigen der Lämmer“, ohne freilich deren Raffinesse zu erreichen. Der Regisseur greift die Muster der Comic-Erzählungen auf, spielt mit ihnen und kommentiert sie, wobei immer mal wieder offene Kritik am kommerziellen Ausverkauf des Superheldentums hervorbricht.

„Glass“ soll anders sein als die pompösen Schlachtepen, wird seinen lobenswerten Ambitionen jedoch nicht durchgehend gerecht. Manche Schritte verkauft Shyamalan cleverer, als sie in Wahrheit sind. Und einige der aus den Vorgängerfilmen bereits bekannten Protagonisten bekommen zu wenig Entfaltungsraum. Besonders gilt dies für David Dunn, mit dem das Drehbuch nach der Inhaftierung eine ganze Weile nicht viel anzufangen weiß. Weniger präsent und handlungsaktiv ist zudem die in „Split“ spannend gezeichnete Casey Cooke, wobei man auch erwähnen muss, dass die junge Frau zwei erstaunlich berührende Augenblicke mit ihrem früheren Peiniger Kevin erhält. Überraschen kann zweifellos die Tatsache, dass der Titelheld Mr. Glass über eine Stunde lang bis auf kleine Zuckungen im Gesicht keine großen Reaktionen zeigt und als graue Eminenz im Hintergrund ausharrt. Irgendwann tritt er dann allerdings mit Verve ins Rampenlicht. Als Garant für beklemmend-unheimliche Szenen erweist sich erneut der Vollblutmime McAvoy, dessen Wechsel von einer Identität zur nächsten dem Betrachter schlichtweg den Atem rauben.

Kontroverse Meinungen dürften – wie man es bei Shyamalan erwartet – der Showdown und sein Nachklapp hervorrufen, die mehr als eine Wendung parat haben. Auch hier präsentiert der Regisseur ansprechende Ideen, überspannt den Bogen aber doch ein bisschen und lässt mitunter eine Selbstgefälligkeit aufblitzen, auf die er besser verzichtet hätte. Obwohl nicht alles funktioniert und „Glass“ unter dem Strich schwächer als die beiden ersten Kapitel ist, bietet der Meta-Superhelden-Thriller halbwegs annehmbare Spannungsunterhaltung und kann so manche formelhaft erzählte Big-Budget-Comic-Adaption locker in die Tasche stecken.

>> von Christopher Diekhaus

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