Moviebase Ghost Stories

Ghost Stories
Ghost Stories

Bewertung: 65%

Userbewertung: 80%
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Originaltitel: Ghost Stories
Kinostart: 19.04.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 06.09.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 06.09.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 98 Minuten
Studio: Warp Films, Altitude Film Entertainment, Catalyst Global Media
Produktionsjahr: 2017
Regie: Andy Nyman, Jeremy Dyson
Drehbuch: Andy Nyman, Jeremy Dyson
Darsteller: Martin Freemann, Andy Nyman, Paul Whitehouse, Alex Lawther, Jill Halfpenny, Paul Whitehouse, Kobna Holdbrook-Smith, Lesley Harcourt, Daniel Hill

Mit ihrem Theaterstück „Ghost Stories“, das 2010 in Liverpool seine Premiere feierte, verfassten Jeremy Dyson und Andy Nyman eine Liebeserklärung an den klassischen Horrorfilm und huldigten vor allem dem britischen Anthologie-Grusel. Nach dem beachtlichen Siegeszug der Bühnenaufführung verpflanzen die beiden Gänsehautenthusiasten ihren Stoff nun auf die große Leinwand – dorthin also, woher sie ihre Inspirationen nahmen. Obwohl die Episodengeisterstunde viele bekannte Versatzstücke zusammenträgt und nur wenige wirklich innovative Ideen zu bieten hat, macht sich eine wohlige Schauerstimmung breit. Auch dank eines turbulenten, mit diversen erschütternden Offenbarungen gespickten Schlussdrittels bleibt „Ghost Stories“ etwas länger im Gedächtnis haften als viele andere Filme, die den Zuschauer das Fürchten lehren wollen.

Das Aufwachsen unter einem streng religiösen Vater, der einen ungesunden Aberglauben propagierte, hat Professor Goodman (Mit-Regisseur Andy Nyman, „Severance – Ein blutiger Betriebsausflug“) zu einem großen Skeptiker werden lassen. Im Rahmen seiner Fernsehsendung „Psychic Cheats“ entlarvt der bedingungslos an die Kraft des Verstandes glaubende Mann Hellseher und Geisterexperten, die den Schmerz und die Trauer von Hinterbliebenen in seinen Augen schamlos ausnutzen. Eines Tages erreicht ihn eine Anfrage eines vor Jahrzehnten unter mysteriösen Umständen verschwundenen Psychologen, der Goodman auffordert, drei besonders knifflige Fälle mit vermeintlich übernatürlicher Note unter die Lupe zu nehmen. Fest davon überzeugt, dass es für alles eine rationale Erklärung gibt, hört sich der Professor die Geschichten des ehemaligen Nachtwächters Tony Matthews (Paul Whitehouse, „The Death of Stalin“), des verstörten Simon Rifkind (Alex Lawther, „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“) und des Geschäftsmannes Mike Priddle (Martin Freeman, „Fargo“) an.

Suchen Dämonen die Welt der Lebenden heim? Oder sind vermeintliche Spukanzeichen bloß Ausdruck einer von Neurosen und Schuldgefühlen belasteten menschlichen Seele? Diese im Horrorkino oft behandelten Fragen stehen auch im Zentrum von Dysons und Nymans Bühnenadaption, die schon zu Anfang auf augenzwinkernde Weise mit den Elementen des Genres spielt. Für einen kurzen Augenblick wähnt man sich in einem Found-Footage-Streifen, da Goodman direkt in die Kamera spricht und das Publikum wortreich in sein Denken und seine Tätigkeit einweist. Nachdem der kleine, untersetzte Mann die Bühne eines Scharlatans gestürmt hat, gibt das Regiegespann allerdings den dokumentarischen Ansatz auf.

Die Schilderungen der Spukopfer, die im Anschluss nacheinander bebildert werden, sind weder komplex noch sonderlich originell, erzeugen aber durchaus ein Gefühl des Unbehagens. Dyson und Nyman demonstrieren ein gutes Gespür beim Timing ihrer Schockeffekte und machen sich immer wieder geschickt die Urangst vor der Dunkelheit zunutze. Auch wenn nicht jeder Angriff auf das Nervenkostüm vollends erfolgreich ist, stellt sich eine bedrückende Atmosphäre ein, in der die Verunsicherung und der Schmerz der drei Berichterstatter greifbar werden. Besonders beunruhigend ist der Strang rund um den hypernervösen Simon Rifkind, der im Wald nach einer Autopanne eine grauenhafte Begegnung hat. Allein das mit unheimlichen Zeichnungen vollgestopfte Zimmer des jungen Mannes sagt viel über sein aufgewühltes Innenleben aus. Alex Lawthers fiebrig-eindringliche Performance unterstreicht Simons Qualen nur noch mehr und lässt den Betrachter echtes Mitleid empfinden.

Überzeugend ist auch der süffisante Auftritt von Hobbit-Darsteller Martin Freeman, dessen Figur eine Schlussphase mit einigen irrwitzigen Überraschungen einläutet. Die Geister scheiden werden sich vor allem an der letzten Drehbuchvolte, bei der die erzählerischen Rädchen zwar gut geölt ineinandergreifen, die man so oder ähnlich allerdings schon in anderen Filmen gesehen hat. Positiv gewendet ist der finale Dreh ein weiterer Beweis für die jederzeit spürbare Leidenschaft der beiden Regisseure, die sich mit ihrem aus vertrauten Bausteinen zusammengesetzten, aber meistens wirkungsvollen Gruselwerk tief vor dem Horrorkino verneigen.

>> von Christopher Diekhaus

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