Moviebase Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Bewertung: 55%

Userbewertung: 60%
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Originaltitel: The House With A Clock On Its Walls
Kinostart: 20.09.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 6
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Amblin Entertainment, Mythology Entertainment
Produktionsjahr: 2018
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eric Kripke
Darsteller: Jack Black, Cate Blanchett, Owen Vaccaro, Kyle MacLachlan, Colleen Camp, Renée Elise Goldsberry, Vanessa Anne Williams, Sunny Suljic

Fällt der Name Eli Roth, denkt man sicher nicht an familientaugliche Gruselunterhaltung, sondern hat Bilder von rüdem Splatter-Horror vor Augen. Mit dem Virus-Albtraum „Cabin Fever“ gab der US-Amerikaner 2002 sein Spielfilmdebüt und erwarb sich nur drei Jahre später dank seines beinharten Folterstreifens „Hostel“ den Ruf eines kompromisslosen Bluthundes. Da auch im Anschluss einige unbequeme, in die Magengrube schlagende Werke entstanden, konnte man sich durchaus verwundert die Augen reiben, als Roth für die Jugendbuchadaption „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ verpflichtet wurde. Das von Steven Spielbergs Produktionsschmiede Amblin Entertainment auf den Weg gebrachte Fantasy-Schauerstück steht im Zeichen großer Leinwandklassiker wie „E.T. – Der Außerirdische“ und „Gremlins – Kleine Monster“, wird sich aber, anders als die im Presseheft eindringlich beschworenen Vorbilder, keinen prominenten Platz in der Kinogeschichte sichern können. Trotz einer phasenweise ordentlichen Gruselstimmung wirkt die Verfilmung eines 1973 veröffentlichten Romans von John Bellairs zu uneben, um dem Publikum ein von Anfang bis Ende packendes Vergnügen zu bereiten.

Nach dem Tod seiner Eltern kommt der zehnjährige Lewis Barnavelt (Owen Vaccaro, „Daddy’s Home 2: Mehr Väter, mehr Probleme!“) in die Obhut seines exzentrischen Onkels Jonathan (Jack Black, „Gänsehaut“), der in einer verschlafenen Kleinstadt in einer riesigen, alten Villa haust. Dass es in dem Gemäuer nicht mit rechten Dingen zugeht, merkt der Waisenjunge schnell und staunt nicht schlecht, als er erfährt, dass sein Verwandter und dessen nicht minder schrullige Nachbarin Mrs. Zimmerman (Cate Blanchett, „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“) Hexenmeister sind. Lewis ist sofort Feuer und Flamme und möchte ebenfalls die Kunst der Zauberei erlernen. Nur wenig später nutzt er die neu erworbenen Kenntnisse, um seinen abweisenden Mitschüler Tarby Corrigan (Sunny Suljic, „The Killing of a Sacred Deer“) nachhaltig zu beeindrucken. Dummerweise führt er jedoch einen Erweckungshokuspokus durch, der den bösen Magier Isaac Izard (Kyle MacLachlan, „Twin Peaks“) von den Toten auferstehen lässt. Mit einer besonderen, unablässig tickenden Uhr, die sich irgendwo in Jonathans Anwesen befindet, hat der Zurückgekehrte unheilvolle Pläne.

Dass es dem Film in einigen Passagen gelingt, ein wohliges Unbehagen zu erzeugen, liegt vor allem am kreativen, detailverliebten Szenenbild (verantwortlich: Jon Hutman), das den titelgebenden Handlungsort in all seiner skurrilen Pracht zur Geltung bringt. Lewis‘ neues Zuhause ist ein mysteriöser Abenteuerspielplatz mit knarzenden Dielen, breiten Treppen und dicken Holztüren, in dem es vor kuriosen Gegenständen nur so wimmelt. Jede Wand ist mit unterschiedlichen Uhren geschmückt. Ein Sessel und ein Klavier führen ein amüsantes Eigenleben. Auf dem Weg nach oben passiert man ein Buntglasfenster, das sein Motiv ständig verändert. Und besonders morbide sind die Puppen und Automatenfiguren, die in einer der gruseligsten Szenen über Lewis, seinen Onkel und Mrs. Zimmerman herfallen.

„Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ bietet fraglos einiges fürs Auge und richtet sich mit seinen größtenteils milden Schreckmomenten vor allem an ein Familienpublikum, ist für ganz kleine Kinder aber dennoch ungeeignet. Auch wenn das Geschehen permanent humoristisch abgefedert wird, können einzelne Sequenzen leicht verstörend wirken, zumal der Film des Öfteren abrupt den Tonfall wechselt. Eine Maßnahme, die der Spannung und der emotionalen Ausdruckskraft leider nicht immer zuträglich ist. Besonders im Finale kommt es – Stichwort: Babykörper – zu seltsamen Schwankungen, die eher lächerlich denn unterhaltsam sind. Verzichtbar ist zweifelsohne die Pups- und Pipi-Komik, mit der Roth und Drehbuchautor Eric Kripke (Schöpfer der Fernsehserie „Supernatural“) offenbar die jungen Zuschauer bei Laune halten wollen. Auch sie darf man jedoch durchaus mit weniger plumpen Gags beglücken.

Einen unrunden Eindruck hinterlassen nicht zuletzt die im Jahr 1955 spielende Geschichte und die Zeichnung der Figuren. Der ein bisschen altkluge, von Wörtern faszinierte Lewis könnte ein spannender Protagonist sein, fühlt sich letztlich aber etwas unterentwickelt an. Sein Außenseiterdasein in der Schule vermittelt der Film über plakative Bilder – unter anderem durch obligatorische Demütigungen im Sportunterricht. Und die Trauer über den Verlust der Eltern geht nur bedingt ans Herz, obwohl der Schmerz mehrfach thematisiert wird. Zu wenig machen Roth und Kripke ferner aus der interessanten Anlage von Mrs. Zimmerman, die – wie eine beiläufige Einstellung zeigt – Schreckliches erlebt haben muss. Leider löst sich ihr daraus erwachsener Unwille, zu zaubern, im Showdown recht simpel auf, weil es das Skript an dieser Stelle so verlangt. Die Erzählung, die mit ihren Bezügen zum Zweiten Weltkrieg und ihrem magisch-verschrobenen Anstrich an die Handlung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ erinnert, wird routiniert, also nicht sonderlich originell abgespult und hätte gerade im letzten Akt, wo Bösewicht Izard seine Pläne darlegt, etwas mehr Feinschliff vertragen können.

All die genannten Schwächen führen dazu, dass Eli Roth sein Ziel verfehlt, das nach eigenem Bekunden darin bestand, den nächsten großen Amblin-Film zu drehen. „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ ist kein kompletter Reinfall, aber doch ein gutes Stück entfernt von rundum gelungener Mystery-Familienunterhaltung.

>> von Christopher Diekhaus

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