Moviebase Das Geheimnis von Marrowbone

Das Geheimnis von Marrowbone
Das Geheimnis von Marrowbone

Bewertung: 70%

Userbewertung: 75%
bei 38 Stimmen

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Originaltitel: Marrowbone
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 26.10.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 26.10.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 110 Minuten
Studio: Lions Gate International, Marrowbone, Mogambo
Produktionsjahr: 2017
Regie: Sergio G. Sánchez
Drehbuch: Sergio G. Sánchez
Darsteller: George MacKay, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton, Matthew Stagg, Mia Goth, Nicola Harrison, Kyle Soller

In den letzten Jahren kamen aus dem spanischen Sprachraum in schöner Regelmäßigkeit eindringliche Horror- und Thriller-Werke, zu denen zweifelsohne auch der von Guillermo del Toro mitproduzierte Gruselfilm „Das Waisenhaus“ gehört. Dessen Drehbuchautor Sergio G. Sánchez, der im Anschluss unter anderem das Skript zum Katastrophendrama „The Impossible“ verfasste, hat sich für den mit iberischen Geldern finanzierten, allerdings auf Englisch gedrehten Schauerstreifen „Das Geheimnis von Marrowbone“ zum zweiten Mal auf den Regiestuhl gesetzt. Herausgekommen ist ein elegant bebilderter, gut gespielter und schleichend unheimlicher Mystery-Beitrag, der erst auf der Zielgeraden etwas ins Straucheln kommt.

Ende der sechziger Jahre flüchtet eine Frau (Nicola Harrison, „Mayday“) gemeinsam mit ihren Kindern Jack (George MacKay, „Herr der Diebe“), Jane (Mia Goth, „Suspiria“), Billy (Charlie Heaton, „Stranger Things“) und Sam (Matthew Stagg, „Bodyguard“) vor dem grausamen Ehemann und Vater (Tom Fisher, „The Illusionist“) von Großbritannien nach Amerika, um in ihrem Elternhaus, dem Marrowbone-Anwesen, einen Neustart zu wagen. Ihren Namen und ihre Erlebnisse soll die Familie endlich hinter sich lassen, was anfangs auch zu funktionieren scheint. Als ihre Mutter schwer erkrankt und schließlich stirbt, sind die vier Geschwister aber urplötzlich auf sich allein gestellt. Aus Angst vor einer Trennung verheimlichen sie den Tod und ziehen sich noch mehr in das einsam gelegene Heim zurück. Einzig Jack hält Kontakt zur Außenwelt und fährt gelegentlich in die nächste Stadt, wo er sich mit seiner Freundin Allie (Anya Taylor-Joy, „Split“) trifft. Skeptisch beäugt wird das Ganze vom jungen Anwalt Porter (Kyle Soller, „Titan – Evolve or Die“), der mit Jacks Mutter dringende Formalitäten zu klären hat und der Familie daher einen Besuch abstatten will. Als wäre das nicht schon problematisch genug, werden die Marrowbone-Bewohner in ihren eigenen vier Wänden auch noch von einer furchteinflößenden Präsenz verfolgt.

Ein großes Geheimnis etabliert Sánchez bereits nach rund zehn Minuten, als ein Schuss ein Fenster des Anwesens durchschlägt und die nach dem Trauerfall ohnehin verflogene Aufbruchsstimmung weiter verdunkelt. Was im Folgenden geschieht, blendet das vom Regisseur erdachte Drehbuch jedoch aus und verleitet den Zuschauer nach einem sechsmonatigen Zeitsprung zum Spekulieren: Was hat der ständig erwähnte Hausgeist mit dem gewaltsamen Ereignis zu tun? Und warum sind alle Spiegel mit großen Laken bedeckt? Ohne Hektik entwirft der Mystery-Thriller im weiteren Verlauf ein Klima der Beklemmung, das sich vor allem aus dem düster-angestaubten Setting und der selbst auferlegten Gefangenschaft der Hauptfiguren speist. Jack und seine Liebsten sind gebunden an einen Ort, der es ihnen nicht erlaubt, die Dämonen der Vergangenheit abzustreifen. Besonders an die Nieren gehen die Momente, in denen die Geschwister über ihre trostlose Lage diskutieren und der im Inneren brodelnde Schmerz mit aller Macht hervorbricht.

Wo andere Filmemacher ungehemmt laute Schockeffekte bemühen würden, vertraut der spanische Regisseur in erster Linie auf den situationsbedingten Horror, der das Zusammenleben in Marrowbone immer unerträglicher macht. Dass man als Zuschauer mit den schwer angeschlagenen Protagonisten mitleidet, liegt freilich auch an den durchweg soliden bis guten Schauspielleistungen, wobei man George MacKay in der Rolle des ältesten Sohnes lobend hervorheben muss.

Eingetrübt wird der positive Eindruck durch einen letzten Akt, der – wie so oft bei groß vorbereiten Geheimnissen – eine leider nicht rundum zufriedenstellende, im Genre häufig anzutreffende Wendung präsentiert. Obschon der Film einige Hinweise auf seine Offenbarung ausstreut, wirken die Geschehnisse gegen Ende nicht ganz stimmig, da die Inszenierung vom subtilen in den effekthascherischen Modus wechselt und die Glaubwürdigkeit etwas auf der Strecke bleibt. In „Das Waisenhaus“ konnte Sánchez seine traurige finale Volte auf jeden Fall besser mit der Geschichte in Einklang bringen.

>> von Christopher Diekhaus

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