Moviebase The Night Eats the World

The Night Eats the World
The Night Eats the World

Bewertung: 65%

Userbewertung: 65%
bei 59 Stimmen

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Originaltitel: La nuit a dévoré le monde
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 06.06.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 06.06.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 90 Minuten
Studio: Haut et Court, Canal+, Ciné+
Produktionsjahr: 2017
Regie: Dominique Rocher
Drehbuch: Pit Agarmen, Jérémie Guez
Darsteller: Anders Danielsen Lie, Golshifteh Farahani, Sigrid Bouaziz, Denis Lavant, David Kammenos

Nur etwas mehr als eine Woche nach der hiesigen Heimkinopremiere des Zombie-Thrillers „The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen.“, der eine faszinierende Prämisse zu bieten hatte, erscheint mit der französischen Romanadaption „The Night Eats the World“ eine weitere Genreübung, die sich an einer Variation des nach wie vor immens beliebten Untoten-Motivs versucht. Spielfilmdebütant Dominique Rocher gewinnt dem Überlebenskampf seines Protagonisten spannende Facetten ab, hätte bei aller Freude über den minimalistischen, wenig effekthascherischen Ansatz in manchen Momenten aber das Tempo etwas anziehen dürfen. Wer auf einen unter Dauerstrom stehenden Actionschocker hofft, ist definitiv im falschen Film, da sich der Regisseur vor allem für das bedrückende Gefühl der Einsamkeit und Ungewissheit interessiert.

Eigentlich will Sam (Anders Danielsen Lie, „Personal Shopper“) nur kurz auf einer Party seiner Ex-Freundin Fanny (Sigrid Bouaziz, „The Tunnel – Mord kennt keine Grenzen“) vorbeischauen, um seine letzten Habseligkeiten einzusammeln. Doch dann kommt alles anders. Als er sich in eines der Zimmer zurückzieht, wegdämmert und einige Zeit später wieder erwacht, muss er entgeistert feststellen, dass eine Zombieapokalypse über Paris hereingebrochen ist. In seiner Not verbarrikadiert sich Sam in der komplett verwüsteten, nun leeren Wohnung seiner früheren Partnerin und beobachtet durch die Fenster argwöhnisch das grauenhafte Treiben in den Straßen. Irgendwann begibt er sich auf eine Erkundungstour durch das mehrstöckige Wohnhaus und beginnt schließlich damit, Verpflegung und Wasser zu horten. Die Isolation und die ständige Angst vor einem Angriff werden mehr und mehr zu einer psychischen Belastungsprobe.

„The Night Eats the World“ beleuchtet genau die Phase, die in der dänischen Endzeitserie „The Rain“ in wenigen Minuten abgehandelt wird. Was passiert mit einem Menschen, wenn er aus heiterem Himmel ganz auf sich allein gestellt ist? Wenn eine tödliche Gefahr den Kontakt zur Außenwelt verhindert? Und die Einsamkeit plötzlich dramatisch an den Nerven zehrt? An die Stelle eines reißerischen, hektischen Zombieinfernos tritt in Rochers Romanverfilmung ein größtenteils ruhig in Szene gesetztes, stimmungsvoll bebildertes Horror-Kammerspiel, das nur gelegentlich mit blutigen Aktionsmomenten aufwartet und ein wenig an den deutschen Genrebeitrag „Rammbock“ denken lässt. Im Zentrum steht das Empfinden der bedauernswerten Hauptfigur, deren schleichenden Verfall Hauptdarsteller Anders Danielsen Lie recht glaubwürdig vermittelt.

Gesprochen wird nur selten. Äußerst sparsam ist der Musikeinsatz. Unaufhörlich betont der Regisseur die Monotonie des Einsiedlerlebens. Und doch ist es durchaus reizvoll, zu sehen, wie sich Sam, einem urbanen Robinson Crusoe gleich, provisorisch in der nicht näher erläuterten Krisensituation einrichtet. Mithilfe von Töpfen und Schüsseln sammelt er auf dem Dach des Wohnhauses Regenwasser. Und immer mal wieder nutzt er alltägliche Gegenstände, um Klänge zu erzeugen, sich in einen kleinen Rausch zu spielen und so gegen die überhandnehmende Langeweile anzukämpfen. Ab und an erlaubt sich Rocher sogar humorvolle Zwischentöne. Etwa dann, wenn Sam mit einem Paintball-Markierer auf die in den Straßen umherstolpernden Untoten schießt. Amüsant und schmerzlich zugleich erscheinen die Passagen, in den der junge Mann mit dem Zombie Alfred (auch ohne Worte ausdrucksstark: Denis Lavant, „Deep in the Woods – Allein mit der Angst“) zu sprechen versucht, den er im Aufzug des Gebäudes festgekettet hat. Gerade hier wird deutlich, wie sehr Sam unter seinem Dasein leidet und wie sehnlich er sich eine Bezugsperson wünscht.

Während der Lagerkoller langsam Wahn und Verzweiflung hervorbrechen lässt, fordert der Film dem Zuschauer einiges an Geduld ab. Etwas mehr Dynamik kommt erst mit einer gut platzierten Wendung ins Geschehen, das zum Ende hin klassische Zombie-Jagdszenen bemüht. In Erinnerung bleiben allerdings weniger die Schocks als vielmehr der Eindruck des Verlorenseins, den das französische Horrordrama eindringlich beschwört.

>> von Christopher Diekhaus

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