Moviebase Suspiria [2018]

Suspiria [2018]
Suspiria [2018]

Bewertung: 70%

Userbewertung: 65%
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Originaltitel: Suspiria
Kinostart: 15.11.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 29.03.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 29.03.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 146 Minuten
Studio: Frenesy Film Company, Mythology Entertainment, Amazon Studios
Produktionsjahr: 2018
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch: Dario Argento, Daria Nicolodi
Darsteller: Chloë Grace Moretz, Dakota Johnson, Tilda Swinton, Mia Goth, Renée Soutendijk, Jessica Harper, Angela Winkler, Sylvie Testud

Dass er ein Filmemacher ist, der vor Herausforderungen nicht zurückschreckt, stellte Luca Guadagnino nach dem Erfolg seines preisgekrönten Liebesdramas „Call Me by Your Name“ eindrucksvoll unter Beweis. Statt auf Nummer sicher zu gehen, stürzte sich der Italiener voller Enthusiasmus in eine Neuverfilmung des weithin verehrten Okkult-Streifens „Suspiria“, mit dem sich sein Landsmann Dario Argento Ende der siebziger Jahre in die Geschichte des Horrorkinos einschreiben konnte. Guadagnino legt nun allerdings kein Remake im eigentlichen Sinne vor, sondern nutzt das zum Klassiker avancierte Original als Ausgangspunkt für eine komplexere, anspielungsreiche, deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmende Erzählung, die andere Schwerpunkte setzt und in abgewandelter Ästhetik daherkommt. Wo bei Argento der visuelle Exzess regierte, vertraut sein Kollege auf betont ausgewaschene Impressionen, die von Anfang an ein Gefühl durchdringender Trostlosigkeit entstehen lassen.

Im Jahr 1977 verschlägt es die aus der amerikanischen Provinz stammende, streng religiös erzogene Susie Bannion (Dakota Johnson, „Bad Times at the El Royale“) in das geteilte Berlin, wo sie an der berühmten Markos Tanzakademie studieren will. Zu ihrer eigenen Verwunderung kann sie die künstlerische Leiterin Madame Blanc (Tilda Swinton, „Only Lovers Left Alive“) gleich nach ihrer Ankunft von ihren Fähigkeiten überzeugen und hat noch dazu das Glück, dass durch das mysteriöse Verschwinden der Elevin Patricia (Chloë Grace Moretz, „Die 5. Welle“) gerade erst ein Platz im Ensemble freigeworden ist. Susie darf sich über ihre Aufnahme freuen, findet in der Kommilitonin Sara (Mia Goth, „Das Geheimnis von Marrowbone“) schnell eine Vertraute und steigt rasch zur tragenden Säule des neuen Stücks auf. Parallel geht der gebrechliche Psychoanalytiker Dr. Josef Klemperer (unter einer dicken Maske und dem Pseudonym Lutz Ebersdorf ebenfalls gespielt von Tilda Swinton) den Hinweisen seiner vermissten Patientin Patricia nach, die ihm panisch davon berichtet hat, dass die Tanzschule unter dem Einfluss eines Hexenzirkels stehe.

Schon im Anfangsdrittel lassen Guadagnino und Drehbuchautor David Kajganich („The Terror“) keinen Zweifel daran, dass hinter den Mauern der Akademie merkwürdige Dinge vor sich gehen. Patricias wirrer Auftritt bei Klemperer spricht ebenso Bände wie die unheilvollen Gespräche der Markos-Angestellten, die des Öfteren in Voice-over-Form dargeboten werden. Übernatürliche Kräfte scheinen hier zu walten. Und Neuankömmling Susie wird für höhere Weihen auserkoren. Schleichendes Unbehagen macht sich nicht nur dank einer manchmal geisterhaft irrlichternden und plötzlich umschwenkenden Kamera breit. Auch das allgemeine Klima sorgt für eine diffuse Verunsicherung. Der neue „Suspiria“ ist ganz konkret in der Zeit des Deutschen Herbstes angesiedelt, weshalb der Terror der RAF und die Brüche innerhalb der Gesellschaft immer wieder aufblitzen. Zuweilen mögen die historische Verortung und die Bezüge etwas bemüht und plakativ anmuten. Die angestoßene Diskussion über die Nachwehen des Zweiten Weltkriegs, die Macht der Manipulation, das Erstarken des Feminismus und die Konflikte zwischen den Generationen erweitert Argentos eher simpel gestrickte Ursprungsgeschichte jedoch auf interessante Weise.

Passend zur damals frostigen, angsterfüllten Atmosphäre kleidet Guadagnino seine Neuinterpretation in herbstlich-ungemütliche Bilder und zeigt dem Publikum ein hoffnungslos tristes Berlin. Größer könnte der Kontrast zu den knallig-surrealen Farbenspielen des Originals nicht sein. Auch wenn sich das Geschehen im aktuellen Film eher bedächtig entfaltet, überrascht der Regisseur zwischendurch mit einigen hochintensiven Passagen. Eine echte Wucht sind die brillant choreografierten Tanzsequenzen, die stets etwas Aggressives, seltsam Rituelles und Verstörendes an sich haben. Body Horror par excellence bietet etwa eine grandios geschnittene Szenenfolge, bei der sich Susies ruckartige Bewegungen fatal und schmerzhaft auf die Physis einer Mitstudentin auswirken. Selbst unerschrockene Genrefreunde dürften an dieser Stelle leicht zusammenzucken.

Positiv ins Auge stechen auch die Leistungen der Darstellerinnen, wobei man Dakota Johnson und das filmische Chamäleon Tilda Swinton in besonderem Maße hervorheben muss. Während Erstere an ihre ausdrucksstarke Performance im Mystery-Thriller „Bad Times at the El Royale“ anknüpft, zeigt Letztere, die gegen Ende sogar in eine bizarre dritte Rolle schlüpft, einmal mehr ihre fast schon beispiellose Wandlungsfähigkeit. Wer die Oscar-Preisträgerin als Dr. Klemperer auf Deutsch parlieren hören möchte, sollte „Suspiria“ unbedingt im Originalton schauen.

Gemischte Gefühle hinterlässt das große Finale, da Guadagnino hier plötzlich über alle Stränge schlägt und ein rituelles Blutbad mit Trash-Anklängen entfacht. Irgendwie hat es den Anschein, als wolle der Italiener mit diesem Paukenschlag den Zuschauer für den vorher oftmals schwer fassbaren Schrecken entschädigen – was in dieser Form allerdings nicht nötig gewesen wäre. Anerkennung gebührt ihm dennoch. Immerhin hat er es geschafft, einen Horrorklassiker auf seine ganz eigene Weise zu interpretieren und mit zahlreichen neuen Ideen aufzuladen. Ähnliches kann man heutzutage nur über sehr wenige Remakes sagen.

>> von Christopher Diekhaus

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