Moviebase Patient Zero

Patient Zero
Patient Zero

Bewertung: 35%

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Originaltitel: Patient Zero
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 25.10.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 25.10.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 87 Minuten
Studio: Sony Pictures Home Entertainment
Produktionsjahr: 2016
Regie: Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: Mike Le
Darsteller: Stanley Tucci, Natalie Dormer, Matt Smith, Agyness Deyn, John Bradley

Mehrfach angekündigt und jedes Mal verschoben – seit Ende der Dreharbeiten im Jahr 2015 stand der Endzeitthriller „Patient Zero“ unter einem denkbar schlechten Stern. Ursprünglich sogar für einen deutschen Kinostart vorgesehen, erscheint die dritte englischsprachige Regiearbeit des Österreichers Stefan Ruzowitzky („Die Hölle – Inferno“) hierzulande nun lediglich auf Blu-ray und DVD – wo das optisch wenig abwechslungsreiche, schludrig heruntergekurbelte Kammerspiel auch am besten aufgehoben ist. Stellt sich anfangs noch die Hoffnung auf eine intensive, spannungsgeladene Variation des allgegenwärtigen Zombie-Motivs ein, zeigt sich viel zu schnell, dass es gute Gründe gab, warum der in Deutschland von Sony Pictures vertriebene Film mehrere Jahre auf Halde lag.

Ein neuer, brandgefährlicher Tollwuterreger, der die Gewaltlust spürbar steigert, scheint die Menschheit langsam, aber sicher in die Knie zu zwingen. Wer infiziert wird, verwandelt sich binnen kürzester Zeit in eine aggressive Bestie. Irgendwo in den USA haben sich einige Überlebende in ein unterirdisches Raketensilo zurückgezogen, um – bewacht vom Militär – die virale Ursprungsquelle aufzuspüren und mit ihrer Hilfe ein Heilmittel zu entwickeln. Unter der Aufsicht der Wissenschaftlerin Dr. Gina Rose (Natalie Dormer, „Picnic at Hanging Rock“) befragt der einst gebissene, von einer Wesensveränderung wie durch ein Wunder jedoch verschonte Morgan (Matt Smith, „Stolz und Vorurteil & Zombies“) eine Reihe gefangengenommener Infizierter, da er als Einziger mit ihnen kommunizieren kann. Skeptisch beäugt werden die Verhöre von Colonel Knox (Clive Standen, „Camelot“), der sich daran stört, dass nur verhaltene Fortschritte zu erkennen sind. Eines Tages bekommen es Gina und Matt mit einem besonders intelligenten Mutanten (Stanley Tucci, „Fortitude“) zu tun, der einst als Professor tätig war.

Ruzowitzky beginnt seinen postapokalyptischen Thriller auf klassische Weise mit einem Zusammenschnitt aus Nachrichtenbildern, die die Ausbreitung der Seuche auf den Punkt bringen. Anschließend geht es in den Untergrund, wo sich das provisorisch wirkende Forschungsgefängnis mit seinen Zellen, seinen Plastikplanen und seinem Glaskäfig befindet. Ein alles andere als heimeliger Ort, den der Film lediglich für einige Rückblenden verlässt, durch die vor allem der vom Virus nicht angegriffene Morgan mehr „Fleisch“ bekommen soll. Die Einschübe unterfüttern die fragile Beziehung zu seiner ebenfalls inhaftierten und infizierten Gattin Janet (Agyness Deyn, „Titan – Evolve or Die“), überschreiten allerdings manchmal die Grenze zum Kitsch und bremsen regelmäßig das Geschehen im Bunker aus.

Gönnt sich das von Mike Le („Dark Summer“) verfasste Drehbuch im Falle Morgans noch ein bisschen Charakterzeichnung, bleibt die von Natalie Dormer verkörperte Wissenschaftlerin gänzlich blass. Bloß an einer Stelle – Stichwort: Liebesdreieck – blitzen Ecken und Kanten auf. Wirklich befassen wollen sich die Macher mit dem angedeuteten Konflikt aber nicht und schreiben Gina lieber recht unmotiviert eine Schwangerschaft auf den Leib, die gegen Ende einen emotionalen Beat setzen soll – was jedoch kläglich scheitert.

Etwas interessanter ist im Vergleich die Figur des Professors, dem Stanley Tucci eine in Ansätzen spannende Verschlagenheit verleiht. Leider tritt der Infizierte erst zur Hälfte ins Rampenlicht und liefert sich mit Morgan Wortgefechte, die gerne in der Liga der Konfrontationen zwischen Clarice Starling und Hannibal Lecter spielen würden. Geboten bekommt man statt mitreißender Psychoduelle wie in „Das Schweigen der Lämmer“ aber eher ein Frage- und Antwort-Pingpong auf „SOKO Leipzig“-Niveau. Auch wenn „Patient Zero“ in den Angriffsszenen, nicht zuletzt dank einer instabilen, hektischen Kamera, hin und wieder Anflüge von Intensität erzeugen kann, versäumt es der Reißer, den klaustrophobischen Charakter seines Schauplatzes und der gesamten Bedrohungslage überzeugend greifbar zu machen.

Den letzten Nagel auf den Sarg dieses verunglückten Seuchenstreifens schlagen Rutzowitzky und Co mit einem plötzlich abbrechenden, von einem uninspirierten Voice-over-Kommentar begleiteten Finale, das in seiner Schlampigkeit fast nicht zu überbieten ist. Spätestens hier versteht man nur zu gut, weshalb der Film der Öffentlichkeit längere Zeit vorenthalten wurde.

>> von Christopher Diekhaus

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