Moviebase Alita: Battle Angel

Alita: Battle Angel
Alita: Battle Angel

Bewertung: 50%

Userbewertung: 73%
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Originaltitel: Alita: Battle Angel
Kinostart: 14.02.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 12
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Twentieth Century Fox, Lightstorm Entertainment, Troublemaker Studios
Produktionsjahr: 2018
Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: James Cameron, Laeta Kalogridis, Robert Rodriguez
Darsteller: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Jackie Earle Haley und Keean Johnson

In Hollywood ist immer dann von der berüchtigten Entwicklungshölle die Rede, wenn auf die Ankündigung eines Films jahrelange Vorbereitungen folgen, die allerdings keine Ergebnisse bringen. Köpfe qualmen, Ideen werden durchgespielt, und doch scheinen die Macher nicht vom Fleck zu kommen. In einem unbefriedigenden Schwebezustand befand sich lange Zeit auch die bereits zu Beginn dieses Jahrtausends von Science-Fiction-Mastermind James Cameron in Angriff genommene Leinwandadaption der Manga-Serie „Battle Angel Alita“, die der „Terminator“-Schöpfer liebend gerne selbst inszeniert hätte. Der Erfolg seines Films „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ und die dadurch angelaufenen Planungen für weitere Fortsetzungen banden den Kanadier zeitlich aber so sehr, dass er das Regiezepter schließlich an seinen Kollegen Robert Rodriguez (zuletzt beteiligt an der TV-Serie „From Dusk Till Dawn“) weiterreichen musste. Basierend auf einem von Cameron und Laeta Kalogridis („Shutter Island“) verfassten Drehbuch, bringt dieser nun einen opulenten Dystopie-Actioner in die Kinos, dessen Inhalt leider nicht mit den wuchtigen Schauwerten mithalten kann.

Im Jahr 2563, 300 Jahre nach einem für die Erde verheerenden Krieg, findet der Kybernetik-Experte Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz, „The Zero Theorem“) auf einem gigantischen Schrottplatz von Iron City den Kopf eines weiblichen Cyborgs mit einem vollständig intakten Gehirn. In seiner Werkstatt ergänzt der Tüftler seine Entdeckung um einen Körper, erweckt das Wesen zu neuem Leben und tauft es in Erinnerung an seine ermordete Tochter auf den Namen Alita (als Hommage an die Manga-Vorlage mit irritierend großen Augen ausgestattet: Rosa Salazar, „Bird Box – Schließe deine Augen“). Während Ido seine Schöpfung von allen Gefahren fernhalten will, drängt die neugierige junge Frau, die sich an ihr früheres Dasein nicht entsinnen kann, immer mehr darauf, ihre Umgebung zu erkunden, und fragt sich zunehmend, wer sie wohl gewesen sein mag. Auf den Straßen des Molochs trifft das Cyborg-Mädchen den sympathischen Hugo (Keean Johnson, „Spooksville“), der davon träumt, eines Tages in die über Iron City thronende Himmelsstadt Zalem aufzusteigen, wo es den Menschen besser geht. Eines Tages entdeckt Alita, dass sie über besondere Kampffertigkeiten verfügt, und gerät schon bald ins Visier böser Kräfte.

Gemeinsam mit den Szenenbildnern Caylah Eddleblute und Steve Joyner und der Spezialeffektabteilung erschafft Rodriguez einen reizvollen dystopischen Schauplatz, der in bester „Blade Runner“-Manier mit allerlei Cyberpunk-Elementen garniert ist. Iron City sieht vielleicht nicht bahnbrechend neuartig aus, bietet aber dennoch einiges fürs Auge und vermittelt zumindest in Ansätzen den Eindruck eines babylonischen Schmelztiegels, an dem unzählige arme Seelen ums nackte Überleben kämpfen. Atmosphärisch hätte man sicherlich noch mehr aus der düsteren Handlungswelt herausholen können. Wie eine leblose Kulisse wirkt das Ganze jedoch nicht, was auch an den teilweise aufregend gestalteten Cyborg-Kreaturen liegt, die diesen Wimmelort bevölkern. Wie man Actionszenen dynamisch und mitreißend choreografiert, demonstriert der Regisseur nicht nur, als Alita zum ersten Mal in ein Kampfgetümmel verwickelt wird. Überdurchschnittlichen Unterhaltungswert haben ferner eine ausufernde Barschlägerei und eine Jagdsequenz, in der die Titelheldin bei einer Sportveranstaltung, dem in Iron City beliebten Motorball, mehrere Angreifer abwehren muss.

Überwältigende Impressionen und schwungvolle, wenig zimperliche Gefechtsmomente können die Versäumnisse und Defizite des Drehbuchs allerdings nicht kaschieren. Das Potenzial, das zweifelsohne in der Adaption der Mangas von Yukito Kishiro steckt, verschenken die kreativ Verantwortlichen leider an einen holprig zusammengebastelten Plot, dessen spannende Selbstfindungselemente mehr und mehr einer kitschigen Liebesgeschichte samt abgedroschenen, mitunter unfreiwillig komischen Dialogen weichen. Statt Alitas Identitätssuche, ihre nach und nach hervorbrechenden Erinnerungen an ihre Vergangenheit und ihre Selbstermächtigung konsequent in den Mittelpunkt zu rücken, drängen Rodriguez und Co sie zunehmend in eine langweilige, reaktionäre Schmachtrolle. Dass die Anziehung zwischen einem Menschen und einem Cyborg auf fesselnde Weise bebildert und diskutiert werden kann, bewies unter anderem das minimalistisch-beklemmende Science-Fiction-Kammerspiel „Ex Machina“. Von dessen klugen Reflexionen ist „Alita: Battle Angel“ jedoch meilenweit entfernt.

Ungenutzt lässt der Film außerdem die erzählerischen Möglichkeiten, die sich aus der Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Schöpfer Dr. Ido ergeben. Obwohl Frankenstein-Motive durchschimmern und Dysons Fürsorge etwas Übergriffiges hat, scheut das Skript davor zurück, die potenziellen Abgründe genauer auszuleuchten. Der Roboterbastler bleibt durchweg eine nette, aber blasse Vaterfigur, der auch eine gefährliche Nebentätigkeit kein stärkeres Profil verleiht. Ähnliches gilt für Idos Ex-Frau Chiren (Jennifer Conelley, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“), die als Handlangerin des durchtriebenen Vector (unterfordert: Mahershala Ali, „Predators“) viel zu wenig Entfaltungsraum bekommt und gegen Ende einen behauptet wirkenden Sinneswandel vollzieht.

Da „Alita: Battle Angel“ seine Protagonisten nur halbherzig ausarbeitet, interessante Themen am Wegesrand liegen lässt und einige dramaturgische Unebenheiten mit sich herumschleppt, fällt es schwer, sich zu freuen, wenn Rodriguez in den Schlussminuten mit einem Gast-Auftritt eine Fortsetzung des Scifi-Spektakels in Aussicht stellt. Um den Zuschauer dafür zu gewinnen, müsste man gewiss an diversen Schrauben drehen.

>> von Christopher Diekhaus

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