Moviebase The Grudge

The Grudge
The Grudge

Bewertung: 40%

Userbewertung: 85%
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Originaltitel: Grudge
Kinostart: 09.01.2020
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Ghost House Pictures, Good Universe, Stage 6 Films
Produktionsjahr: 2020
Regie: Nicolas Pesce
Drehbuch: Jeff Buhler
Darsteller: Betty Gilpin, Andrea Riseborough, John Cho, Jacki Weaver, Lin Shaye, Nancy Sorel, Demián Bichir, Frankie Faison

Neues Jahr, altes Lied (oder Leid): Die Welle an Remakes und Fortsetzungen will einfach nicht abebben. Zu verlockend scheinen die Aussichten auf einen ordentlichen Gewinn, wenn bekannte Geschichten und vertraute Marken durch den Fleischwolf wandern. Horrorexperte und „Tanz der Teufel“-Schöpfer Sam Raimi, der in letzter Zeit vor allem als Produzent umtriebig war, verpasst nun der von ihm selbst 2004 auf den Weg gebrachten „The Grudge“-Reihe eine Frischzellenkur. Für Regie und Drehbuch verpflichtete er den Independent-Filmer Nicolas Pesce, der 2016 mit seinem Debütwerk „The Eyes of My Mother“ ebenso eigenwillige wie kompromisslose Kost abgeliefert hatte. Eine Wahl, die hoffen ließ, dass die auf Takashi Shimizus japanischem Gruselstreifen „Ju-on: The Grudge“ basierende, nach drei US-Beiträgen erzählerisch eigentlich schon erschöpfte Saga um einen aus einer Familientragödie entsprungenen Fluch noch einmal einen spannenden Dreh bekommen könnte. Pesces Film hat zwar einige gute Ansätze in petto, erweist sich dann aber doch als mittelschwere Enttäuschung.

War lange davon die Rede, dass der neue „The Grudge“ ein Reboot des gleichnamigen Ami-Remakes von 2004 sei, präsentiert sich der Horrorthriller in Wahrheit als Mischprodukt zwischen Neuverfilmung und Spin-off. Die Handlung spielt teilweise parallel zu den Ereignissen der Vorgänger, stellt allerdings andere Figuren in den Mittelpunkt und entführt den Zuschauer in die US-Kleinstadt Cross River. Gleich zu Beginn begegnen wir der vorübergehend in Tokio weilenden Pflegerin Fiona Landers (Tara Westwood, „Hell Girl“), die im Jahr 2004 im Spukhaus aus dem ersten Teil einen Geisterzusammenstoß erlebt und daraufhin panisch in den oben genannten Heimatort zu ihrer Familie flüchtet. Dummerweise folgt ihr unbemerkt der Fluch, mit dem sie in der japanischen Metropole in Berührung gekommen ist.

2006 lässt sich Detective Muldoon (Andrea Riseborough, „Mandy“) nach dem Krebs-Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn in Cross River nieder. Als die Polizistin und ihr Kollege Goodman (Demián Bichir, „The Nun“) zu einer verwesten Leiche gerufen werden, stolpert die junge Frau in einen mysteriösen Fall. Dass die Tote vor ihrem Ableben das Haus am Reyburn Drive 44 besucht hat, versetzt Muldoons Partner sofort in Unruhe. Immerhin hat sich eben dort 2004 Schreckliches zugetragen. Während Goodman nichts mit den weiteren Nachforschungen zu tun haben will, begibt sich die Ermittlerin zu der genannten Adresse und trifft auf die verwirrte, blutverschmierte Faith Matheson (Lin Shaye, „Insidious: The Last Key“) und deren toten Ehemann William (Frankie Faison, „Roter Drache“). Nach dieser grauenvollen Entdeckung suchen Muldoon immer häufiger geisterhafte Visionen heim.

Wer Takashi Shimizus „Ju-on: The Grudge“ und die von ihm selbst inszenierte Hollywood-Adaption mit Sarah Michelle Gellar kennt, wird sich nicht wundern, dass Pesces Reiheneintrag achronologisch angeordnet ist und aus diversen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten spielenden Handlungsfäden besteht. Den Hauptstrang bilden die Recherchen von Detective Muldoon, über die wir immer wieder in die Vergangenheit des unheilvollen Hauses am Reyburn Drive 44 eintauchen und verschiedene Menschen kennenlernen, die von dem aus Japan importierten Fluch befallen werden. Den Figuren – es tauchen auch das Ehepaar Nina (Betty Gilpin, „Elementary“) und Peter Spencer (John Cho, „Searching“), Goodmans Ex-Kollege Wilson (William Sadler, „The Blacklist“) und die Sterbehilfeberaterin Lorna Moody (Jacki Weaver, „Bird Box – Schließe deine Augen“) auf – heftet der Regisseur einige interessante Schicksale an und schafft es gelegentlich sogar, ein kleines emotionales Ausrufezeichen zu setzen. Gewinnbringend auszuschöpfen weiß er die Backstorys aber leider nicht. Viele Andeutungen und Konflikte versanden mit der Zeit und treten gegenüber dem Geisterrummel in den Hintergrund.

Dass „The Grudge“ unter dem Strich inhaltlich zu wenig hergibt, hätte den in ausgewaschene Farben getauchten Film allein nicht ins Abseits manövriert. Fatalerweise scheitert Pesce allerdings auch daran, eine intensive Gruselatmosphäre zu etablieren. Die regelmäßig eingebauten Jump-Scares verlaufen meistens nach demselben Schema und bleiben daher oft erschreckend wirkungslos. Selbst düstere Szenen wie Muldoons Aufenthalt im Keller der Polizeiwache oder ihr Besuch in einer Psychiatrie wollen kein durchdringendes Bedrohungsgefühl aufkommen lassen. Ärgern kann man sich zudem über das uninspiriert abgespulte, mit einer dämlichen Entscheidung der Ermittlerin aufwartende, billig in Richtung Fortsetzung schielende Finale und die Erkenntnis, dass „The Grudge“ die für einen Horrorfilm erstaunlich geballte Schauspielpower in den Nebenrollen größtenteils verschenkt. Den Vogel schießen die Macher fraglos mit der Besetzung Demián Bichirs ab, dessen knurrigen Beamten ebenso gut ein drittklassiger Mime hätte verkörpern können. Mehr als ein langweiliger Stichwortgeber und Mahner ist Detective Goodman nämlich nicht.

>> von Christopher Diekhaus

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