Moviebase Escape Room

Escape Room
Escape Room

Bewertung: 65%

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Originaltitel: The Maze
Kinostart: 28.02.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: 11.07.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 11.07.2019
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Original Film
Produktionsjahr: 2019
Regie: Adam Robitel
Drehbuch: Bragi F. Schut, Maria Melnik
Darsteller: Tyler Labine, Deborah Ann Woll, Taylor Russell, Logan Miller, Jessica Sutton, Adam Robitel

„Escape Room – Das Spiel geht weiter“ – so lautete der deutsche Verleihtitel eines 2017 veröffentlichten US-Horrorthrillers von Will Wernick, der erschreckend erfolglos versuchte, das Phänomen der Live-Action-Rätselabenteuer mit einem düsteren Dreh zu versehen. Statt packender Spannungsunterhaltung bekam der Zuschauer einen öden Überlebenskampf mit dämlichen Pappfiguren serviert, denen man schon im ersten Akt ein schnelles Ableben an den Hals wünschte. Etwas anders verhält es sich mit den Protagonisten in Adam Robitels drittem Spielfilm „Escape Room“. Obwohl auch sie keine Glanzlichter in puncto Charakterzeichnung sind, wirken sie – von ein, zwei Ausnahmen abgesehen – weniger unsympathisch und strengen zumindest phasenweise ihren Kopf an. Das Mitfiebern fällt hier deutlich leichter, was freilich auch an der opulenteren Gestaltung der tödlichen Knobel-Location liegt.

Die schüchterne Physikstudentin Zoey (Taylor Russell, „Down a Dark Hall“) staunt nicht schlecht, als sie einen geheimnisvollen Würfel erhält, der sich als Einladung zu einem sogenannten Escape-Room-Event entpuppt. Ein Freizeitspaß, bei dem es darum geht, sich in ein verschlossenes Zimmer sperren zu lassen und anschließend innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens durch das Lösen von Aufgaben wieder freizukommen. In einem Warteraum eines alten Bürogebäudes trifft Zoey auf die Ex-Soldatin Amanda (Deborah Ann Woll, „True Blood“), den Rätselspezialisten Danny (Nik Dodani, „The Good Neighbor – Jeder hat ein dunkles Geheimnis“), den Supermarktangestellten Ben (Logan Miller, „Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse“), den Börsenmakler Jason (Jay Ellis, „Shortwave“) und den LKW-Fahrer Mike (Tyler Labine, „Tucker & Dale vs Evil“), die ebenso wie sie um ein 10.000-Dollar-Preisgeld kämpfen sollen. Ganz unvermittelt beginnt auch schon das Spiel, das zum Entsetzen der eingesperrten Teilnehmer schnell lebensbedrohliche Ausmaße erreicht.

Wer Filme nur dann genießen kann, wenn alles logisch und plausibel ist, wird an „Escape Room“ wenig Freude haben. Regisseur Robitel („Insidious: The Last Key“) und seine Autoren Maria Melnik („American Gods“) und Bragi F. Schut („Der letzte Tempelritter“) entwerfen ein waschechtes High-Concept-Szenario, in dem ausgeklügelte Settings und kurzweiliger Nervenkitzel klar den Vorzug haben vor einer glaubwürdigen Geschichte. Erwartungsgemäß dünn und stereotyp fällt die Beschreibung der Figuren aus. Hintergründe werden angerissen, besitzen aber lediglich funktionalen Charakter und bringen keinen emotionalen Mehrwert. Kalt lässt einen das Schicksal der unglückseligen Spieler allerdings nicht, da sie sich – anders als man es aus vielen ähnlichen Filmen kennt – nicht gänzlich blöd anstellen und noch dazu die meiste Zeit bemüht sind, an einem Strang zu ziehen. Endlos-ermüdende Auseinandersetzungen bleiben dem Betrachter erspart, was natürlich nicht heißen soll, dass „Escape Room“ gänzlich ohne Aggressionsausbrüche auskäme. 

Die zu lösenden Rätsel sind sicherlich alles andere als bahnbrechend clever, erfüllen jedoch weitestgehend ihren Zweck und werden immer mal wieder mit nervenaufreibenden körperlichen Herausforderungen kombiniert. Hervortun kann sich in diesem Zusammenhang die durchtrainierte Amanda, die in einer auf dem Kopf stehenden Billard-Bar vollen Einsatz bringen muss. Eben dieser Knobelraum, der leise Erinnerungen an Vincenzo Natalis fesselnd-intensiven Survival-Schocker „Cube“ weckt, ist das Prunkstück eines insgesamt überzeugenden Szenenbilds (verantwortlich: Edward Thomas), das mit seinen Details und bösen Überraschungen ganz entscheidend dazu beiträgt, dass der solide inszenierte Reißer zumeist passabel unterhält.

Bei aller Freude über den kurzweiligen Spannungstrip muss aber schon erwähnt werden, dass sich das Drehbuch an einigen Stellen verrennt und manchmal etwas zu durchschaubar ist. Weil der Film drei der sechs Escape-Room-Spieler im ersten Akt etwas genauer vorstellt, braucht es nicht allzu viel Fantasie, um zu erraten, wer später am längsten durchhält. In die Klischeekiste greifen die Macher vor allem im Showdown, der nicht nur auf sehr plumpe Weise gesellschaftskritische Töne anschlägt. Zu allem Überfluss schielen Robitel und Co auch noch ganz ungeniert auf eine Fortsetzung, die inzwischen – wenig verwunderlich angesichts der guten Einspielzahlen – bereits bestätigt wurde. Schade, dass es im unnötig lang gestreckten Finale nicht eine Nummer kleiner geht.

>> von Christopher Diekhaus

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