Moviebase Child's Play [2019]

Child's Play [2019]
Child's Play [2019]

Bewertung: 50%

Userbewertung: 72%
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Originaltitel: Chucky
Kinostart: 18.07.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: 22.11.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 22.11.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: KatzSmith Productions, Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)
Produktionsjahr: Child
Regie: Lars Klevberg
Drehbuch: Don Mancini, Tyler Burton Smith
Darsteller: Aubrey Plaza, Brian Tyree Henry, Gabriel Bateman, David Lewis, Nicole Anthony, Marlon Kazadi, Kristin York, Amber Taylor

Unheimliche Puppen gehören zum Standardrepertoire des Horrorfilms – und erreichen unter eingefleischten Genrefans in manchen Fällen Kultcharakter. Von nicht wenigen verehrt wird etwa der schräge Schocker „Chucky – Die Mörderpuppe“, der nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1988 sechs weitere Filme nach sich zog, an denen Don Mancini, der Drehbuchautor des Erstlings, federführend beteiligt war. Weil es die Rechtelage zuließ, entstand ohne seine Mitwirkung und sein Wohlwollen vor kurzem eine Neuinterpretation des Ursprungswerks, die auch in Deutschland unter dem englischen Originaltitel „Child’s Play“ in die Kinos kommt. Regie führte dabei der Norweger Lars Klevberg, dessen Leinwanddebüt „Polaroid“ größtenteils enttäuschte. Seine Chucky-Version ist sicherlich stärker, schafft es aber leider nicht, ihre interessanten Ansätze zufriedenstellend zu verdichten.

Ein Freund fürs Leben soll sie sein – die sogenannte Buddi Doll der Kaslan Corporation, einem global operierenden Konzern, der sein High-Tech-Spielzeug aus Kostengründen in Südostasien fertigen lässt. Als in einer Fabrik in Vietnam ein angeblich ineffektiver Arbeiter seinen Job verliert, nimmt er für die erlittenen Demütigungen unbemerkt Rache. Bevor der am Boden zerstörte Mann in den Tod springt, deaktiviert er bei einer Puppe alle vorhandenen Sicherheitsprotokolle. Ausgerechnet dieses Exemplar landet auf Umwegen in den Händen der alleinerziehenden Verkäuferin Karen (Aubrey Plaza, „Life after Beth“), die ihren 13-jährigen Sohn Andy (Gabriel Bateman, „Lights Out“) mit einem vorzeitigen Geburtstagsgeschenk überraschen will. Seine anfängliche Skepsis legt der hörgeschädigte Junge langsam ab und findet immer mehr Gefallen an der Spielfigur, die sich selbst Chucky (Sprecher in der englischen Fassung: „Star Wars“-Veteran Mark Hamill) nennt, von ihrer Umgebung lernen und auf alle Kaslan-Produkte im Haushalt zugreifen kann. Dank seiner neuen Puppe gewinnt der Außenseiter Andy sogar die Aufmerksamkeit anderer Jugendlicher und heckt schon bald kleine Streiche mit der Buddi Doll aus. Um die Freundschaft zu seinem Besitzer zu festigen, wendet Chucky allerdings irgendwann drastische Methoden an.

Da Klevberg und Drehbuchautor Tyler Burton Smith ihre Neuverfilmung in die Gegenwart verlegen, erscheint es durchaus sinnvoll, das Voodoo-Motiv des Originals auszutauschen. Statt einer Puppe, die den Geist eines Serienmörders in sich trägt, erzählt „Child’s Play“ anno 2019 von einem Spielzeug, dessen hochkomplexe Technik völlig außer Kontrolle gerät. Verbunden wird dies mit Seitenhieben auf den globalisierten Kapitalismus. Aus Gründen der Profitsteigerung lagern schließlich große Firmen ihre Produktion immer häufiger in billigere Länder aus, wo schlecht bezahlte Arbeitskräfte unter enormem Druck Massenprodukte für den Weltmarkt herstellen. Bedauerlicherweise dekliniert der Film diesen schon gleich zu Anfang aufblitzenden Gedanken nicht konsequent genug durch, um sich zu einer bissigen Satire aufzuschwingen. Ähnlich sieht es bei den vor allem im irrwitzigen Finale eingestreuten Anspielungen auf den Konsumwahn aus.

Mehrfach unterstreichen die Macher, wie sehr wir uns heutzutage von technischen Geräten vereinnahmen und bestimmen lassen. Und am Beispiel der verrücktspielenden Buddi Doll geißeln sie unverhohlen die Sorglosigkeit, mit der wir uns intelligente, vernetzte Systeme, die unsere Privatsphäre gefährden und untergraben können, in die eigenen vier Wände holen. Die Idee einer fehlprogrammierten Puppe, die freilich einige sehr unglaubwürdige Fähigkeiten entwickelt, spitzt die Ängste vor einer dauerhaften Überwachung und einer bedrohlichen Autonomie der Technik zu. „Child’s Play“ reizt diesen Einfall letztlich aber nur mäßig überzeugend aus.

Nicht selten werden die spannenden Grundideen des Drehbuchs überlagert von routinierten bis gänzlich uninspirierten Buh-Attacken und so manchem arg nervigen Horrorfilmklischee. Besonders negativ ins Auge sticht die groteske Überzeichnung zweier Nebenfiguren. Sowohl Karens unsympathischer Liebhaber Shane (David Lewis, „Hidden – Die Angst holt dich ein“) als auch der schmierige Hausmeister Gabe (Trent Redekop, „Lucifer“) sind erschreckend eindimensionale Zeitgenossen aus der Mottenkiste.

Gruselig oder spannend wird es allenfalls punktuell. Vielmehr bezieht der Film aus seiner Prämisse einiges an böser Komik. Besonders dann, wenn der krampfhaft um gute Laune bemühte Chucky Aussagen und beobachtete Handlungen dramatisch missinterpretiert. Etwa, als die Puppe Ausschnitte aus „The Texas Chainsaw Massacre 2“ betrachtet und sich nur wenig später von den gezeigten Gewaltdarstellungen inspirieren lässt. Mit der ein oder anderen auch handwerklich solide umgesetzten Gemeinheit wartet der neue „Child’s Play“ in den makaber-blutigen Tötungsszenen auf. Freunde absurder, logikbefreiter Splatter-Einlagen dürften hier auf ihre Kosten kommen. Derartige Ausrufezeichen genügen jedoch nicht, um nachhaltigen Eindruck auf den Zuschauer zu machen.

>> von Christopher Diekhaus

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