Moviebase Die Kunst des toten Mannes

Die Kunst des toten Mannes
Die Kunst des toten Mannes

Bewertung: 65%

Userbewertung: 52%
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Originaltitel: Velvet Buzzsaw
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 01.02.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 01.02.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 109 Minuten
Studio: Netflix
Produktionsjahr: 2018
Regie: Dan Gilroy
Drehbuch: Dan Gilroy
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Toni Collette, Zawe Ashton, Tom Sturridge, Natalia Dyer, Daveed Diggs, Billy Magnussen, John Malkovich

In seinem packenden Regiedebüt „Nightcrawler – Jeder Nacht hat ihren Preis“ ließ der als Drehbuchautor bekannt gewordene Dan Gilroy („Das Bourne Vermächtnis“) seinen ehrgeizigen Protagonisten in die Welt der TV-Unfallberichterstattung eintauchen und legte einen bitterbösen Thriller vor, der die Sensationsgier der Medien, den Voyeurismus des Fernsehkonsumenten und die Idee des amerikanischen Traums mit beißender Ironie attackierte. Ähnlich sarkastisch nimmt der Filmemacher in seiner ersten Netflix-Produktion nun die Kunstszene von Los Angeles ins Visier und greift dabei abermals auf Jake Gyllenhaal und Rene Russo zurück, die bereits in „Nightcrawler“ zu brillieren wussten. Obwohl Gilroy in seiner neuen Arbeit bisweilen etwas plump zu Werke geht, ist die mit Horrorelementen angereicherte Satire „Die Kunst des toten Mannes“ eine kurzweilige, vor allem von ihren markanten Darstellern lebende Genre-Mischung.

Als Josephina (Zawe Ashton, „Nocturnal Animals“), die Assistentin der knallharten Galeristin Rhodora Haze (Rene Russo, „Thor – The Dark Kingdom“), im Treppenhaus über die Leiche eines Nachbarn stolpert, beginnt für die junge Frau ein unverhofftes Abenteuer. In der Wohnung des Verschiedenen entdeckt sie unzählige von ihm selbst angefertigte Bilder, deren finstere Motive eine merkwürdige Faszination ausstrahlen. Schon bald steht die Kunstwelt Kopf, und gemeinsam mit ihrer Chefin versucht die plötzlich gefragte Josephina, den Fund zu vergolden. Großes Interesse bekunden auch ihr Liebhaber, der spitzzüngige Profikritiker Morf Vandewalt (Jake Gyllenhaal, „Enemy“), Rhodoras Konkurrent Jon Dondon (Tom Sturridge, „Verwandte Seelen“) und die für wohlhabende Klienten agierende Kunstberaterin Gretchen (Toni Collette, „Hereditary – Das Vermächtnis“). Dummerweise merkt zunächst niemand, dass die Bilder ein tödliches Eigenleben führen.

„Die Kunst des toten Mannes“ ist ein Film der dicken Pinselstriche. Aus allen Rohren feuert Gilroy Spitzen gegen das skizzierte elitäre Umfeld ab, in dem sich oberflächliche, opportunistische, selbstverliebte und profitgeile Menschen die Klinke in die Hand geben. Sein zynischer Rundumschlag, der sich zweifelsohne gegen ein denkbar leichtes Ziel richtet, kennt fast keine Grenzen, reproduziert oft allerdings nicht mehr als hinlänglich bekannte Klischeevorstellungen. Neue Einsichten sucht man hier vergebens. Und doch sind manche Passagen in ihrer plakativen Art erstaunlich amüsant. Platt, aber dennoch witzig ist etwa eine Szene, in der der kreativ blockierte Maler Piers (John Malkovich, „Bird Box – Schließe deine Augen“) den Galeristen Dondon darauf hinweisen muss, dass der in der Mitte seines Ateliers liegende Müllsackhaufen kein clever drapiertes Kunstwerk sei.

Große Langeweile kommt vor allem deshalb nicht auf, weil die Darsteller sichtlich Spaß an ihren überzeichneten Rollen haben und jeden noch so kleinen Abgrund herzhaft auskosten. Jake Gyllenhaal liefert als versnobter, blasiert daherredender Kritikerpapst eine ebenso mitreißende Performance ab wie seine Kollegin Rene Russo, die in der Rolle der skrupellosen Geschäftsfrau überzeugt. Eine eigenwillige Spannung kreiert der Film auch aufgrund seines unerwarteten Horroreinschlags, bei dem Gilroy einmal mehr sämtliche Register zieht. Verfluchte Kunstgegenstände, die wahrlich angsteinflößend aussehen, ein Toter mit grauenvoller Vergangenheit, eine plötzlich hervorspringende Katze, flackernde Lichter, unheimliche Puppen, kleine Splatter-Akzente und bedrohliche Klänge – fast alles, was man aus dem Genre kennt, findet irgendwie Verwendung. Wäre das Ganze ein 08/15-Gruselstreifen, müsste man dem Regisseur seine simplen Schockmethoden um die Ohren hauen. Eingebettet in die Generalabrechnung mit dem Kunstbetrieb, ist das Abspulen der Standardmuster aber durchaus unterhaltsam.

Kleidete Kameramann Robert Elswit („Die Hand an der Wiege“) den deutlich intensiveren Thriller „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ in düster-funkelnde Großstadtbilder, serviert er dem Publikum dieses Mal trotz der Horrorelemente vorwiegend helle, klare, ein wenig surreal anmutende Impressionen von größtenteils exklusiven Schauplätzen. Auch wenn diese Orte auf viele Zuschauer befremdlich wirken mögen und die Protagonisten durchweg unsympathisch bleiben, umweht den Film eine seltsam anziehende Aura – weshalb man einige billige Pointen und die alles andere als komplexe Geschichte etwas leichter verschmerzen kann.

>> von Christopher Diekhaus

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