Moviebase Ma

Ma
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Bewertung: 50%

Userbewertung: 38%
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Originaltitel: Ma
Kinostart: 30.05.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Blumhouse Productions
Produktionsjahr: 2018
Regie: Tate Taylor
Drehbuch: Scotty Landes
Darsteller: Missi Pyle, Luke Evans, Juliette Lewis, Allison Janney, McKaley Miller, Octavia Spencer

Dass schräger Witz und Nervenkitzel gut zusammengehen können, bewies etwa M. Night Shyamalan in seinem Mystery-Thriller „The Visit“, mit dem der einst gefeierte, dann aber böse abgestürzte Filmemacher im Jahr 2015 ein zufriedenstellendes Comeback hinlegte. Beim Anblick der neuen Blumhouse-Produktion „Ma“ fühlt man sich nun ein wenig an diesen Genre-Mix erinnert, wenngleich Tate Taylor („Girl on the Train“) den Spagat zwischen den unterschiedlichen Stimmungen nicht ganz so unterhaltsam hinbekommt. Sein prominent besetzter Schocker beginnt vielversprechend und hat mit Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer (ausgezeichnet für ihren Part in „The Help“) im Zentrum eine herrlich wandlungsfähige Darstellerin, nimmt irgendwann aber die Abzweigung in Richtung klischeebeladener Psychoshow – einfallslos aneinandergereihte Exzesse inklusive.

Wo andere Teenager nach einem Umzug aufs Land mit Anpassungsproblemen zu kämpfen haben, schlägt sich die mit ihrer Mutter Erica (Juliette Lewis, „Nerve“) zusammenlebende Maggie (Diana Silvers, „Into the Dark“) erstaunlich wacker. Schon nach kurzer Zeit findet sie in der selbstbewussten Haley (McKaley Miller, „Scream Queens“) und deren Clique neue Freunde und hängt in ihrer Freizeit regelmäßig mit ihnen ab. Bei allem Eifer haben die feierwütigen Jugendlichen jedoch ein Problem. Weil sie minderjährig sind, können sie keinen Alkohol erwerben. Umso begeisterter sind sie, als ihnen die Tierarzthelferin Sue Ann (Octavia Spencer, „Shape of Water: Das Flüstern des Wassers“) unter die Arme greift und ihnen einen Kiste Hochprozentiges besorgt. Der Beginn einer ungewöhnlichen Beziehung. Denn schon bald stellt die alleinstehende Dame ihren Keller als Party-Location zur Verfügung. Nachdem Maggie und Co versprochen haben, die oberen Stockwerke zu meiden, steigt die erste von mehreren feuchtfröhlichen Sausen. Da die scherzhaft Ma genannte Sue Ann allerdings immer aufdringlicher wird, wenden sich die jungen Leute eines Tages von ihr ab – und machen damit einen folgenschweren Fehler.

Vor allem zu Beginn geht es für einen Thriller recht bodenständig zu. Taylor etabliert sein Figurenensemble, zeigt ein erfrischend ungekünsteltes Mutter-Tochter-Verhältnis und vermeidet den Fehler, die Teenager als unsympathische, naive Pappnasen zu inszenieren. Ihr Wunsch nach entspanntem, ungestörtem Party-Treiben ist, gerade in diesem Alter, absolut verständlich. Im Wissen um die strikten Alkoholgesetze in den USA – erst mit 21 Jahren darf man Spirituosen kaufen und verzehren – erscheint es glaubwürdig, dass Maggie und ihre Mitschüler Sue Anns Angebote begierig annehmen und sich auf eine doch etwas ungewöhnliche Freundschaft – wenn man es so nennen mag – einlassen.

Statt schon im zweiten Akt den Spannungsmotor anzuwerfen und durchzustarten, setzt der Film eine ganze Weile nur kleine, diffus beunruhigende Akzente und hebt wiederholt auf den leicht skurrilen Charakter der Gesamtsituation ab. Ma dürstet es offenkundig nach Gesellschaft, und spürbar genießt sie das ausgelassene Beisammensein in den umfunktionierten Kellerräumen. Octavia Spencer bringt die bemühte Kumpelhaftigkeit der eigenwilligen Gastgeberin mit Energie und einem Augenzwinkern zum Ausdruck, spielt sich immer wieder in den Vordergrund, schafft aber auch problemlos den plötzlichen Umschwung ins Schroffe und Bedrohliche. Exemplarisch ist eine Szene, in der Sue Ann ganz unvermittelt eine Waffe zieht und einen der anwesenden Jugendlichen zu einem Striptease nötigt. Dass hinter ihrer Fassade tiefe Abgründe lauern, deuten die eingestreuten Rückblenden an, deren zu platte Aufmachung jedoch ernsthaftes Mitgefühl im Keim erstickt.

Die menschlichen Dramen, die sich auf wenig elegante Weise offenbaren, hätten „Ma“ durchaus etwas Relevanz verleihen können. Nach rund zwei Dritteln macht die zwischen irritierender Komik und langsam ansteigendem Unbehagen pendelnde Atmosphäre aber einem vorhersehbar-schrillen Furor Platz. Die Logik verabschiedet sich auf einmal durch die Hintertür. Eine Thriller-Plattitüde jagt nun die nächste. Die vorher halbwegs natürlich gezeichneten Teenager verfallen zunehmend in stereotype Muster. Und noch dazu werden die Gewaltausbrüche eher dürftig motiviert. Spannung und Anteilnahme sacken dadurch merklich ab. Nach Neil Jordans lächerlichem Reißer „Greta“, der Mitte Mai in den deutschen Kinos anlief, beweist auch Taylors Film, dass ein fähiges Schauspielpersonal ein merkwürdig aus dem Ruder laufendes B-Movie nur sehr bedingt retten kann. Erstaunlich ist im Übrigen, wie „Ma“ prominente Gesichter in faden Nebenrollen – gemeint sind vor allem Oscar-Gewinnerin Allison Janney (prämiert für ihren Auftritt in „I, Tonya“) und Luke Evans – leichtfertig verheizt.

>> von Christopher Diekhaus

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