Moviebase Crawl

Crawl
Crawl

Bewertung: 70%

Userbewertung: 84%
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Originaltitel: Crawl
Kinostart: 22.08.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Ghost House Pictures, Paramount Pictures
Produktionsjahr: 2018
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Alexandre Aja, Michael Rasmussen
Darsteller: Kaya Scodelario, Barry Pepper, Ross Anderson, Anson Boon, George Somner, Ami Metcalf, Josse Palma

Fliegende Haie, zombiehafte Biber und durch den Sand pflügende Raubfische – Tiere, die im Film Menschen attackieren, sind in letzter Zeit zu kalkulierten Witzfiguren mutiert. Angesichts der Flut an schlecht getricksten Billigproduktionen mit krampfhaft bemühtem Trash-Appeal ist es eine echte Wohltat, wenn sich ein Regisseur mal wieder um Ernsthaftigkeit bemüht. Horrorexperte Alexandre Aja, der mit „Piranha 3D“ 2010 selbst einen betont absurden animalischen Splatter-Streifen abgeliefert hat, lässt in seiner neuen, ohne große Ironie-Einlagen auskommenden Arbeit „Crawl“ aggressive Alligatoren auf eine Leistungsschwimmerin und ihren schwer verletzten Vater treffen. Ähnlich wie in Jaume Collet-Serras Survival-Thriller „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ spielt sich die Handlung dabei auf spürbar begrenztem Raum ab, was den Spannungsgehalt erhöht. „Don’t Breathe“ mit Krokodilen – ungefähr so kann man den Film umschreiben. 

Als sich ein Hurrikan über Florida zusammenbraut, macht sich die ehrgeizige Sportlerin Haley (Kaya Scodelario, „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“) auf die Suche nach ihrem Vater Dave (Barry Pepper, „Lone Ranger“), der über sein Handy nicht mehr zu erreichen ist. Alle Sturmwarnungen in den Wind schlagend und eine Polizeisperre umfahrend, erreicht die junge Frau seine aktuelle Adresse, findet dort aber nur den Hund Sugar vor. Gemeinsam mit dem Vierbeiner steuert Haley daraufhin das alte Familienhaus in Coral Lake an, das seit der Trennung ihrer Eltern zum Verkauf steht. Im Kriechkeller unter dem Gebäude entdeckt die Schwimmerin schließlich den bewusstlosen, blutverschmierten Dave, der von gefräßigen Alligatoren überrascht wurde.

Eine ausgeklügelte Geschichte oder originelle Ideen darf man hier freilich nicht erwarten. „Crawl“ ist ein geradliniger Reißer mit einigen soliden Schockeffekten und beunruhigenden Unterwasserbildern, der aus seiner kammerspielartigen Situation maximalen Nervenkitzel ziehen will. Ein Vorhaben, mit dem Aja keineswegs scheitert. Bereits in den ersten Minuten treibt der Franzose den Puls nach oben. Und das, obwohl wir lediglich Zeuge eines Schwimmrennens werden, bei dem sich Haley ein Duell mit einer Konkurrentin liefert. Ein guter Vorlauf für die Anspannung, die sich im Folgenden breitmacht. Spätestens als die Protagonistin den ungemütlichen Kriechkeller betritt, überträgt sich ihre Verunsicherung auf den Zuschauer. Mit letzter Kraft kann Haley sich und ihren Vater in eine Ecke retten, in der sie fürs Erste sicher sind. Da der Sturm allerdings unaufhörlich Wassermassen in das Haus schwemmt, ist schnelles Handeln gefragt.

Erfreulicherweise hat Haley nicht viel gemein mit den im Genre omnipräsenten Pappfiguren, deren dämliches Verhalten häufig tödliche Folgen hat. Dass sie überhaupt in die evakuierte Hurrikan-Gegend fährt, mag nicht besonders klug sein, wird mit ihrer Sorge um den nach der Scheidung aus der Bahn geworfenen Vater aber halbwegs überzeugend begründet. Hat sie einmal begriffen, in welch bedrohlicher Lage sich die beiden befinden, legt sie einen beachtlichen Kampfwillen an den Tag. Ab und an muss Haley über sich hinauswachsen. Superheldenqualitäten entwickelt sie jedoch nicht. Vielmehr gesteht ihr das von Michael und Shawn Rasmussen verfasste Drehbuch auch ein paar Augenblicke der Mut- und Hoffnungslosigkeit zu. Verantwortlich für die gesteigerte Anteilnahme an Haleys Schicksal ist vor allem Hauptdarstellerin Kaya Scodelario, die sich mit großem Körpereinsatz und enormer Entschlossenheit in ihre Rolle wirft.

Die Versuche, das Verhältnis zwischen Tochter und Vater genauer auszuleuchten, sind aller Ehren wert. Einige plakative melodramatische Einschübe hätte sich der Film allerdings verkneifen können, weil man auch so ausreichend mitfiebert. Neben der beklemmenden Grundkonstellation und Scodelarios Performance gibt es dafür übrigens noch andere Gründe. Während in vielen Tierhorrorbeiträgen dürftig animierte Kreaturen auf das Publikum losgelassen werden, wartet „Crawl“ mit täuschend echt aussehenden Geschöpfen auf, deren Bewegungen zumeist natürlich wirken. Überdies simulieren Aja und seine Crew trotz eines eher bescheidenen Budgets glaubhaft die Wucht und die Auswirkungen des apokalyptischen Sturms. Die handwerklich kompetente Arbeit – wahrlich schmerzhaft sind auch Daves deftige Verletzungen – lässt die sich gegen Ende auftuenden Plausibilitätsdefizite verschmerzen. Hier treiben es die Macher vielleicht etwas weit. Zu einem gravierenden Spannungsabfall kommt es dadurch aber nicht.

>> von Christopher Diekhaus

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