Moviebase I Am Mother

I Am Mother
I Am Mother

Bewertung: 70%

Userbewertung: 66%
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Originaltitel: I Am Mother
Kinostart: 22.08.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: 27.12.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 27.12.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: The Penguin Empire, Southern Light Films, Rhea Films (II)
Produktionsjahr: 2019
Regie: Grant Sputore
Drehbuch: Michael Lloyd Green
Darsteller: Rose Byrne, Hilary Swank, Clara Rugaard

Während Grant Sputores Spielfilmdebüt „I Am Mother“ hierzulande in die Kinosäle kommt, erlebte der Science-Fiction-Thriller in vielen anderen Territorien, so auch in Nordamerika, bereits Anfang Juni 2019 seine Veröffentlichung auf Netflix. Die große Leinwand steht dem ambitionierten Zukunftsstreifen allerdings gut zu Gesicht, auch wenn er meistens an einem Ort spielt und den Zuschauer nicht in bahnbrechende neue Universen entführt. Ähnlich wie Alex Garlands hochgelobtes Kammerspiel „Ex Machina“ präsentiert der Film ein beklemmendes, langsam eskalierendes, in schmucke Bilder getauchtes Szenario, das Fragen zum Verhältnis zwischen Mensch und Technik und zum Wesen des Elternseins umkreist. Nicht immer graben Sputore und Drehbuchautor Michael Lloyd Green dabei tief genug. Und nicht alle Wendungen ihrer Geschichte entfalten die angedachte Wucht. Erfreulich oft weiß „I Am Mother“ jedoch zu fesseln und zum Nachdenken über die Welt von morgen anzuregen.

Kurz nach der Auslöschung der Menschheit nimmt in einem hermetisch abgeriegelten Forschungsbunker ein humanoider Roboter (im Original gesprochen von Rose Byrne) seine Arbeit auf und wählt unter den dort aufbewahrten Embryonen einen aus, den er zu einem Baby heranreifen lässt. Jahre später hat sich das Kleinkind zu einem aufgeweckten Teenager (Clara Rugaard, „Teen Spirit“) entwickelt, der den schlichten Namen „Tochter“ trägt. „Mutter“, so heißt der Android, kümmert sich liebevoll um das Aufwachsen des Mädchens, fordert ihm aber auch ein komplexes Lernprogramm ab und will auf diese Weise die eigenen Elternfähigkeiten testen. Das wohl geordnete Gefüge innerhalb der Einrichtung gerät in bedrohliche Schieflage, als eines Tages eine verletzte Frau (Hilary Swank, „The Resident“) vor der Luftschleuse um Hilfe bittet. Glaubte Tochter bislang stets, dass die angeblich verseuchte Außenwelt unbewohnbar sei, zweifelt sie zunehmend an Mutters Erzählungen und Beteuerungen.

„I Am Mother“ ist mal wieder der Beweis dafür, dass man aus einer räumlich limitierten Prämisse und einem überschaubaren Figurenpersonal enorme Spannung ziehen kann. Ohne große Hektik führt der australische Regisseur den Betrachter in sein Endzeitsetting ein, das gleichermaßen aufregend und beklemmend wirkt. Der Hochsicherheitsbunker ist mit allen nur erdenklichen technischen Finessen ausgestattet, macht optisch einiges her. Und doch scheint auch sein Gefängnischarakter immer wieder durch. Vermehrt interessiert sich Tochter für die Außenwelt, stößt mit ihrer Neugier bei Mutter aber auf wenig Gegenliebe. Der ansprechend entworfene, menschliche Züge tragende Roboter, für den ein Mitarbeiter der Effekte-Schmiede WETA Workshop in einen speziell angefertigten Anzug schlüpfte, verströmt mit seiner warmen Stimme durchaus so etwas wie Geborgenheit. Nicht selten schlägt seine fürsorgliche Ader allerdings blitzschnell in unheimliche Entschlossenheit um. Etwa dann, wenn die Sicherheit der Anlage außer Kraft gesetzt ist und Mutter alarmiert durch die Gänge sprintet, um den Schaden zu beheben.

Das anfangs unterschwellige Brodeln verdichtet sich schlagartig mit dem Auftauchen der etwas schwammig gezeichneten Hilary-Swank-Figur, da urplötzlich alle Gewissheiten auf dem Prüfstand stehen. Hat Mutter das Mädchen die ganze Zeit belogen? Wenn ja, warum? Und welche Absichten verfolgt die unbekannte Frau, die äußerst panisch auf die Anwesenheit eines Roboters reagiert? Newcomerin Clara Rugaard macht die wachsende Zerrissenheit der Jugendlichen, die schmerzhafte Abkehr von ihrem bislang einzigen Bezugswesen in ihrem nuancierten Spiel sichtbar und füllt das emotionale Herz des Films überzeugend aus. Hier und da hätte Sputore den Einfluss neuer Erkenntnisse auf ihr Innenleben aber noch umfassender ins Visier nehmen können.

Gleiches gilt für die angeschnittenen Themen wie die Frage, ob eine Maschine den Elternpart besser ausfüllen könne als ein Mensch. Gewiss liefert „I Am Mother“ mehrere reizvolle Denkanstöße und hat einige kluge Einsichten in petto. Manche Überlegungen werden allerdings eher stichwortartig abgehakt als ernsthaft durchdrungen. Der Intensität des mit kleinen Actionspitzen und treibender Musik angereicherten Geschehens tut das jedoch keinen Abbruch. Unaufhaltsam spitzt sich die Lage in der abgeschirmten Einrichtung zu, bis es eine erwartbare Explosion gibt. Danach – so viel sei verraten – sackt die Spannung leider etwas ab und kommen die Plot-Volten weniger wirkungsvoll daher, als es die Macher im Sinn gehabt haben dürften. Die bestechenden Bilder, die beeindruckende Ausstattung, Rugaards eindringliche Darbietung und der vielerorts geschickt erzeugte Nervenkitzel sorgen allerdings dafür, dass man Sputores Debüt bedenkenlos das Etikett „gelungen“ verpassen kann. Nicht immer muss gleich beim ersten Spielfilm ein kleines Meisterwerk wie „Ex Machina“ entstehen.

>> von Christopher Diekhaus

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