Moviebase Greta

Greta
Greta

Bewertung: 40%

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Originaltitel: Greta
Kinostart: 16.05.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: 20.09.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 20.09.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 98 Minuten
Studio: Sidney Kimmel Entertainment, Lawrence Bender Productions
Produktionsjahr: 2019
Regie: Neil Jordan
Drehbuch: Ray Wright, Neil Jordan
Darsteller: Isabelle Huppert, Chloë Grace Moretz, Maika Monroe

Dass sie zu den Großen ihrer Zunft gehört, bewies die französische Schauspielerin Isabelle Huppert in jüngerer Vergangenheit vor allem in Paul Verhoevens verstörendem Thriller-Drama „Elle“ aus dem Jahr 2016. Mit beängstigender Intensität verkörperte die Charaktermimin dort eine Geschäftsfrau, die nach einer brutalen Vergewaltigung ihren Opferstatus energisch von sich weist und ein gefährliches Machtspiel mit ihrem Peiniger beginnt. War dieser Auftritt von psychologischer Ambivalenz und zahlreichen ungeahnten Wendungen gekennzeichnet, bietet Hupperts neuester Ausflug in den Bereich des Spannungskinos leider nur müden, mit Plattitüden vollgestopften Nervenkitzel. Hat man Neil Jordans Stalking-Reißer „Greta“ gesehen, will einem partout nicht einleuchten, warum sich die mit zahlreichen Preisen bedachte Darstellerin für diesen plumpen Kolportagestoff und ihre alles andere als vielschichtige Psychorolle erwärmen konnte.

Als die Kellnerin Frances (Chloë Grace Moretz, „Suspiria“) in einer New Yorker U-Bahn eine scheinbar vergessene Handtasche entdeckt, nimmt sie das Fundstück an sich und händigt es gewissenhaft seiner Besitzerin aus. Die verwitwete Greta (Isabelle Huppert) freut sich über so viel Ehrlichkeit, lädt die junge Frau auf einen Kaffee ein und sucht auch nach dem Treffen ihre Nähe. Die spöttischen Bemerkungen von Frances‘ Mitbewohnerin Erica (Maika Monroe, „It Follows“) über die aufkeimende Freundschaft wischt die am Tod ihrer Mutter knabbernde Restaurantmitarbeiterin beiseite und verbringt immer mehr Zeit mit der älteren Dame. Eines Tages stolpert Frances in der Wohnung ihrer neuen Bekannten allerdings über weitere sorgsam präparierte Handtaschen und begreift, dass Greta mit einer perfiden Masche soziale Kontakte zu erzwingen versucht. Entsetzt wendet sich die Kellnerin von der Witwe ab, die die Zurückweisung jedoch nicht kampflos akzeptieren will.

Aus dieser doch sehr konventionellen Prämisse sollte ein Filmemacher wie der Ire Neil Jordan, der mit „Die Zeit der Wölfe“ und „The Crying Game“ einige Leinwandperlen in seiner Vita stehen hat, mehr herausholen können als einen schablonenhaften Schocker. Erstaunlicherweise speisen der Regisseur und sein Koautor Ray Wright („The Crazies – Fürchte deinen Nächsten“) den Zuschauer aber genau damit ab. Obwohl die beiden Protagonistinnen kleine Hintergrundgeschichten erhalten, wirken sie wenig plastisch. Während Greta rasch den Part der abgedrehten Psychopathin bekleidet, steckt Frances die meiste Zeit in einer ermüdend eindimensionalen Opferrolle fest. Mehr als einmal hätte sie die Chance, entschiedener gegen die aggressive Stalkerin vorzugehen. Immer wieder agiert die Kellnerin jedoch derart unbedarft, dass man die Leinwand am liebsten lautstark anschreien möchte. Die Glaubwürdigkeit der Handlung leidet in manchen Momenten zweifellos gewaltig.

Dass ein packendes Katz-und-Maus-Spiel ausbleibt, liegt auch an den wenig eleganten, viele Dinge eindeutig ausformulierenden Dialogen und den zahlreichen leicht durchschaubaren Plot-Klischees, die „Greta“ ohne Hintersinn aneinanderreiht. Wäre das Ganze nicht so grobschlächtig konstruiert, könnte man sich glatt in einer Thriller-Satire wähnen. Jordans Holzhammeransatz, der nicht zuletzt in der Inszenierung und der Musikuntermalung zum Ausdruck kommt, entlarvt die zum Ende hin immer hysterischer werdende Geschichte allerdings als das, was sie ist: erschreckend banal und häufig lächerlich.

Wenn das triviale Treiben doch einmal so etwas wie Spannung produziert, zeichnet dafür stets Huppert verantwortlich. Mit einem bitteren Lachen, kühlen Blicken und einigen herrlich verrückten Wutausbrüchen lässt sie den Zuschauer gelegentlich erschaudern und führt ihm vor Augen, dass mit größerer erzählerischer Raffinesse weitaus mehr möglich gewesen wäre als ein fantasieloses B-Movie von der Stange. So gerne man der begnadeten Huppert bei ihrer Arbeit zusieht – in diesem Fall hätte sie das Rollenangebot besser abgelehnt.

>> von Christopher Diekhaus

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