Moviebase Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen
Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

Bewertung: 65%

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Originaltitel: Doctor Sleep
Kinostart: 21.11.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Warner Bros.
Produktionsjahr: 2019
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Stephen King
Darsteller: Rebecca Ferguson, Ewan McGregor, Jacob Tremblay, Bruce Greenwood, Zahn McClarnon, Emily Alyn Lind, Jocelin Donahue

Rückblickend erscheint es wie ein Treppenwitz. Bei der ersten Verleihung der Goldenen Himbeere, dem Anti-Oscar, war die Stephen-King-Verfilmung „Shining“ gleich zwei Mal nominiert. Neben Shelley Duvall, die als schlechteste Schauspielerin vorgeschlagen wurde, „schaffte“ es auch Stanley Kubrick als schlechtester Regisseur auf die Auswahlliste, „unterlag“ letztlich aber seinem Kollegen Robert Greenwald, dem das Musical „Xanadu“ zweifelhafte Ehren einbrachte. Aus heutiger Sicht wirkt das Vorgehen der Preisbeauftragten schlicht absurd, gilt der 1980 veröffentlichte Horrorfilm doch längst als Meisterwerk des Genres. Genugtuung über die Himbeeren-Berufung der „Shining“-Leinwandversion könnte damals allerdings Vorlagengeber Stephen King verspürt haben, der von Anfang an keinen Hehl daraus machte, dass ihm Kubricks sehr freie Interpretation missfiel. In den Augen des Schriftstellers kamen wichtige Themen des Romans in der Adaption zu kurz. Und auch die Charakterisierung der Figuren stieß ihm übel auf.

Kings Abneigung gegen den ikonischen Streifen ist auch für die filmische Bearbeitung seines 2013 publizierten „Shining“-Nachfolgers „Doctor Sleep“ von Bedeutung. Immerhin versucht der horrorerprobte Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan („Spuk in Hill House“) nun, die unterschiedlichen Konzepte und Ideen halbwegs sinnvoll zu vereinen. Der hierzulande seltsam kompliziert betitelte „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ möchte King und Kubrick gleichermaßen gerecht werden. Das Ergebnis ist ein zweieinhalbstündiger Angsttrip, der eine Reihe packender Momente zu bieten hat, der den durch diverse Reverenzen geradezu herausgeforderten Vergleich mit dem Meilenstein von 1980 allerdings verliert. Die in „Shining“ so virtuos hervorgerufene tiefgehende Beunruhigung will sich hier nur sporadisch einstellen.

Flanagans „Doctor Sleep“-Adaption beginnt im Jahr 1980 und zeigt, wie der verstörte, mit seherischen Fähigkeiten ausgestattete Danny  Torrance (Roger Dayle Floyd ersetzt „Shining“-Darsteller Danny Lloyd) und seine Mutter Wendy (Alex Essoe ersetzt Shelley Duvall) nach den schrecklichen Ereignissen im Overlook-Hotel weit weg von der verschneiten Einöde der Rocky Mountains Ruhe finden wollen. Auch im sonnigen Florida lassen den Jungen jedoch seine Visionen und der Amoklauf seines Vaters nicht los. Vor allem die verwesende Frau aus Zimmer 237 setzt ihm weiter zu. Obwohl er auf Anraten seines toten Freundes Dick Hallorann (Carl Lumbly ersetzt Scatman Crothers) die Geister der Vergangenheit in seinem Kopf in imaginäre Kisten sperrt, bleibt Danny der Weg in ein geordnetes Leben verwehrt.

2011 begegnen wir dem wohnungslosen Trinker wieder, der sich inzwischen Dan (Ewan McGregor) nennt und von einer Absturznacht in die nächste stolpert. Als es ihn eines Tages in eine Kleinstadt im Nordosten der USA verschlägt, scheint plötzlich Besserung in Sicht. Denn der sympathische Billy Freeman (Cliff Curtis) nimmt den gebrochenen Mann unter seine Fittiche, vermittelt ihm eine Unterkunft und schleppt ihn in eine Selbsthilfegruppe für anonyme Alkoholiker. Dort lernt er einen Arzt kennen, der ihm einen Job in einem Hospiz besorgt. Im Umgang mit den sterbenden Menschen setzt Dan fortan immer häufiger seine lange Zeit unterdrückte Gabe, das Shining, ein, um Trost zu spenden und die Angst vor dem Tod zu vertreiben.

Acht Jahre später sieht sich der Hospiz-Angestellte mit einem Hilferuf konfrontiert, der seine neugewonnene Stabilität ins Wanken bringen könnte. Abra Stone (Kyliegh Curran), ein Mädchen, das ebenfalls über einen telepathischen Sensor verfügt, ist dank ihrer Fähigkeiten auf eine mörderische Sekte aufmerksam geworden, die Kinder mit Shining-Veranlagung jagt, sich von ihren Kräften nährt und auf diese Weise den Prozess des Alterns aufhält. Gemeinsam mit Dan will Abra der Anführerin Rose the Hat (Rebecca Ferguson) und ihren Gefolgsleuten die Stirn bieten, fängt sich aber erst mal einen Korb.

Schnell, grobschlächtig und laut geht es heute immer öfters im Horrorkino zu. Mit „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ stellt sich Flanagan diesem Trend entgegen. Statt einer dumpfen Schockparade dominiert atmosphärisches Grauen. Mehr als eine Stunde nimmt sich der Filmemacher Zeit, um den Betrachter in die Geschichte einzuführen, Verbindungen anzudeuten und Beziehungen zu festigen. Das Thema Alkoholmissbrauch und die Frage nach den Ausprägungen des Shinings – zwei Aspekte, die in Kubricks Streifen bewusst schleierhaft blieben – werden vom Drehbuch vertieft, worüber sich King als Schöpfer der Romanfortsetzung sicherlich gefreut hat. Der wiederholte Blick in die Psyche der beiden Hauptfiguren bindet das Interesse des Zuschauers. Hier und da hätte der Regisseur aber weiterbohren sollen und das emotionale Potenzial noch stärker nutzen können.

Zu großer Form läuft zweifellos Rebecca Ferguson als Sektenchefin auf. Ihre ebenso verführerische wie boshafte Darbietung verleiht fast all ihren Szenen handfestes Unbehagen. Die Leinwand fängt an zu knistern, wenn Rose die Bühne betritt und sich als glaubhaft bedrohliche Antagonistin in Stellung bringt. Einen bizarren Schrecken verströmen vor allem die rituellen Tötungsmomente, die illustrieren, wie der durch die Lande streifende Clan seine Opfer förmlich aussaugt.

Mit erzählerischen Holprigkeiten hat der häufig von einem ominösen Pochen begleitete Film ausgerechnet dann zu kämpfen, als Dan und Abra im Mittelteil doch noch zusammenfinden und in den Kampf ziehen. Ihr Plan mutet etwas überhastet an und funktioniert nur deshalb in Teilen, weil sich ihre Gegner im ersten kleinen Showdown ungemein dämlich anstellen. Um das große, mit einigen Gänsehautakzenten versehene Finale auf den Weg zu bringen, nimmt Flanagan Ungenauigkeiten in Kauf und lässt seine Protagonisten erstaunlich schnell über erlittene Verluste hinwegkommen.

Auch wenn der Regisseur Anspielungen auf Kubricks Werk regelmäßig einstreut, stechen besonders der Einstieg und das Ende hervor. Gleich zu Anfang ertönen die unheilvollen Klänge aus der Auftaktsequenz von „Shining“. Kurz darauf erwacht das Overlook-Hotel mit seinen endlosen Gängen zu neuem Leben. Der kleine Danny heizt auf dem Dreirad durch die Flure. Und wir machen Halt vor dem legendären Zimmer 237. Kinonostalgikern öffnet sich ein großer Erinnerungsraum, obschon es ein wenig irritiert, dass in den nachgestellten Passagen andere Schauspieler zu sehen sind. So sehr man sich über das akribisch rekonstruierte Ambiente freuen kann, so wenig lässt sich bestreiten, dass einige spätere Anknüpfungen und Zitate wie ein eher plumper Fanservice daherkommen. Manchmal hätte sich Flanagan vielleicht besser etwas deutlicher von Kubricks Meisterwerk emanzipiert. Dessen audiovisuelle Finesse ist schließlich nur schwer zu erreichen oder gar zu toppen.

>> von Christopher Diekhaus

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